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Konjunktur Für die Wirtschaft Europas gilt: Lockerung gleich Aufschwung

Mitte Mai setzte überall im Euro-Raum eine kräftige Erholung ein, sagt eine IfW-Studie. Im Herbst wird die gute Entwicklung gebremst.
17.09.2020 - 11:16 Uhr Kommentieren
Ökonomen können mittlerweile genauer berechnen, wie sich die Corona-Pandemie auf die Wirtschaft auswirkt. Quelle: dpa
Güterumschlag in Hamburg

Ökonomen können mittlerweile genauer berechnen, wie sich die Corona-Pandemie auf die Wirtschaft auswirkt.

(Foto: dpa)

Berlin Die Corona-Pandemie verstehen – das gelingt auch den Ökonomen immer besser. So wie sie anfangs entsetzt auf den steilsten und schnellsten Wirtschaftsabsturz der Nachkriegsgeschichte starrten, so klar sehen sie inzwischen: Auch der Wiederaufschwung hat ein rasantes Tempo hingelegt. Jedenfalls in den Monaten Mai bis Juli, und zwar in allen Euro-Staaten und in den übrigen Industrieländern.

Den Verlauf der Corona-Wirtschaftskrise im Euro-Raum und weltweit hat das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) in seiner Herbst-Konjunkturprognose nachgezeichnet. Für die Wirtschaft Europas gelten demnach diese Gleichungen: Lockdown = Absturz im März und April, sowie: Lockerung = Aufschwung im Mai und Juni. Wobei der „Rückpralleffekt“, also die Erholung nach dem Absturz, viel stärker war, als die Wissenschaftler anfangs erwartet hatten.

Auch der Welthandel, der mit minus 17 Prozent ähnlich stark eingebrochen war wie während der Finanzkrise (minus 18,6 Prozent), hat sich im Juni rascher erholt als erwartet. Es zeigt sich damit im Vergleich zur Finanzkrise bei fast allen Kennzahlen das Muster, dass der Absturz schneller und tiefer war als vor einem Jahrzehnt, aber auch der Wiederaufschwung mehr Tempo vorlegt als 2009/2010.

Vor allem der Produktionseinbruch war im Euro-Raum drastisch: Im ersten Quartal betrug er schon 3,7 Prozent, obwohl die Lockdowns erst im Laufe des letzten Quartalsmonats März einsetzten. Im zweiten Quartal betrug er weitere 11,8 Prozent – obwohl bereits mitten in diesem Quartal – Mitte Mai – die Lockerungen begannen und mit ihnen der Aufschwung. Besonders stark – mit über 20 Prozent – brachen in der ersten Jahreshälfte die Anlageinvestitionen sowie Exporte und Importe ein.

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    Für die Exporte zum Euro-Raum zeichnet sich jetzt aber eine ebenso „rasche Erholung ab, die an einen V-förmigen Verlauf erinnert und die dynamischer zu verlaufen scheint als während der Weltfinanzkrise“, schreiben die IfW-Forscher um Stefan Kooths. Die Produktion im Euro-Raum hat bis Juli wieder 90 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht.

    Die Konjunktur verläuft jedenfalls im ersten Halbjahr in allen Euro-Ländern ziemlich parallel – entsprechend der Lockdown-Maßnahmen der Regierungen. Die Rezession war in den Ländern, die ihre Bevölkerung zeitweise unter Hausarrest stellten, tiefer als in jenen, die „nur“ Teile des Einzelhandels, das Gastgewerbe und den Tourismus einschränkten.

    In Italien, Spanien und Frankreich brach die Wirtschaft stärker ein als in Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg. Am wenigsten stark war die Rezession demnach in Finnland, dem Baltikum und Irland. „Dienstleister mit Bezug zu Reisen und Tourismus kamen im Frühjahr besonders unter die Räder“, schreiben die Ökonomen. Die Erholung wird entsprechend auch für Tourismus-abhängige Länder am schwierigsten werden.

    Für das Gesamtjahr 2020 lauten daher die Konjunkturprognosen für Deutschland minus 5,5 Prozent, für Frankreich minus 8,6 Prozent, für Italien minus 8,7 Prozent und für Spanien minus 11,1 Prozent, die Niederlande minus 4,2 Prozent.

    Länder ohne Hausarrest kommen besser durch die Krise

    In den Niederlanden und Deutschland half es im Vergleich zu den südeuropäischen Ländern, dass es keine Einschränkungen für die Bauwirtschaft gab und auch die Industrieproduktion bei Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln nie verboten war. Die Baukonjunktur brach entsprechend dort, anders als in Frankreich und Italien, nicht ein. Auch der Einzelhandel erholte sich in Deutschland und den Niederlanden schneller und liegt in beiden Ländern wieder über dem Vorkrisenniveau.

    Weil aber überall im Euro-Raum die Erholung noch keine vollständige ist, und zum Beispiel die Produktionskapazitäten im gesamten Jahr noch „deutlich unterausgelastet“ sind, erwarten die Kieler Ökonomen überall ab dem dritten Quartal einen Anstieg der Arbeitslosigkeit, die 2021 einen Höhepunkt erreichen dürfte.

    Die IfW-Forscher rechnen daher – wie ihre Kollegen anderer Institute – damit, dass der „Rückpralleffekt“ im Laufe des Monats Juli endete und der weitere Wiederaufschwung langsamer verlaufen wird. Die Forscher sprechen von einer „mühsamen Erholung“. Vor 2022 wird demnach das Bruttoinlandsprodukt im Euro-Raum nicht wieder das Niveau von Ende 2019 erreichen. „Die wirtschaftliche Erholung in den bevorstehenden Quartalen dürfte weitaus schleppender verlaufen, denn es besteht große Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie“, schreiben die Ökonomen.

    Sie erwarten aber, dass Wissenschaftler, Mediziner und Regierungen inzwischen so viel über das Virus gelernt haben, dass flächendeckende Lockdowns trotz ansteigender Infiziertenzahlen vermieden werden können. Sie rechnen mit schnelleren und kostengünstigeren Tests und besseren Behandlungsmöglichkeiten auch ohne Impfungen und spezifische Medikamente.

    Für die Regierungen jedenfalls lässt sich aus der Kieler Herbstprognose herauslesen: je weniger Bewegungseinschränkungen verhängt werden müssen, desto besser für die Wirtschaft. Es müssen aber lokal auch so viele wie nötig sein, um einen Anstieg der Zahl schwerer Krankheitsverläufe und Todesraten zu vermeiden.

    Mehr: Staaten sollen bei ihren Hilfsprogrammen nur Firmen helfen, die eine Chance zum Überleben haben, rät OECD-Chefvolkswirtin Laurence Boone im Handelsblatt-Interview. Das würde für viele Arbeitnehmer eine Umstellung bedeuten.

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