Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Research Institute

Konjunkturausblick Coronavirus verzögert die Erholung der deutschen Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiter im Abschwung, Hoffnungen auf eine rasche Erholung sind verschwunden. Das Handelsblatt Research Institute hat darauf reagiert.
05.03.2020 - 17:02 Uhr Kommentieren
Der deutschen Industrie könnten Zulieferprodukte aus China fehlen. Quelle: Reuters
Ein Containerschiff im Hamburger Hafen

Der deutschen Industrie könnten Zulieferprodukte aus China fehlen.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Nach nunmehr sechs Quartalen mit sinkender Industrieproduktion hatten sich zum Jahreswechsel die Hinweise verdichtet, die Konjunktur der Industrie in Deutschland könnte den Boden gefunden haben: Das Ifo-Geschäftsklima stieg drei Monate in Folge, die Einkaufsmanager-Indizes stabilisierten sich und das Verbrauchervertrauen blieb auf hohem Niveau. Entgegen vieler Prognosen schrumpfte die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2019 nicht, so dass Deutschland zumindest in diesem Winter eine technische Rezession mit zwei schrumpfenden Quartalen erspart geblieben ist.

Allerdings hat der Ausbruch der Coronavirus-Epidemie in China und deren Ausbreitung in weite Teile der Welt alle Hoffnungen auf eine rasche gesamtwirtschaftliche Erholung zunichte gemacht. Daher senkt das Handelsblatt Research Institute (HRI) trotz der etwas besseren Ausgangsbasis infolge von amtlichen Datenrevisionen seinen Konjunkturausblick für das laufende und das kommende Jahr nach unten.

Für 2020 rechnet das HRI nunmehr mit 0,8 Prozent Wachstum, für 2021 mit 1,0 Prozent. Das Ausmaß der Erholung ab dem zweiten Halbjahr 2020 wird dadurch verzerrt, dass das laufende Jahr vier Arbeitstage mehr hat. Rechnet man diesen Effekt heraus, so dürfte sich die gesamtwirtschaftliche Dynamik im Jahr 2021 im Vergleich zum laufenden Jahr mehr als verdoppeln.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) senkte am Donnerstag seine Prognose. „Die Industriekonjunktur dürfte auch im laufenden Jahr in der Rezession verharren und sich zu der längsten seit der Wiedervereinigung ausweiten“, heißt es im Quartalsbericht des Verbandes. „Nicht Brexit, nicht Trump, sondern das Coronavirus und seine weltweite Verbreitung haben derzeit den größten negativen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Grund zur Panik besteht nach Ansicht des HRI jedoch nicht. Denn die Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass Corona nur einen geringen Einfluss auf das gesamtwirtschaftlich wichtigste Aggregat, den privaten Konsum, haben dürfte. Denn der private Verbrauch setzt sich zu mehr als der Hälfte aus den Ausgaben für Wohnen, Ernährung und Bekleidung zusammen, die weitgehend unabhängig von der Corona-Epidemie sind. Zudem sei nicht damit zu rechnen, dass es zu einem Stillstand des öffentlichen Lebens kommt, wie dies in Teilen Chinas der Fall war.

    Grafik

    Gleichwohl wird der Arbeitsmarkt in den kommenden Quartalen bestenfalls noch stagnieren. Grund dafür ist zum einen der Strukturwandel in wichtigen Branchen der deutschen Industrie und zum anderen die globale Nachfrageschwäche nach deutschen Industrieprodukten. Der Beschäftigungsaufbau dürfte daher in Kürze enden, während die Arbeitslosigkeit leicht ansteigen wird. In Folge dessen dürften die Einkommenserwartungen und die Anschaffungsneigung der Verbraucher sinken, sodass der private Konsum erheblich an Dynamik verlieren und in diesem und dem kommenden Jahr lediglich mit 0,7 Prozent wachsen wird.

    Einen vergleichsweisen starken Einfluss wird die Corona-Epidemie auf den deutschen Außenhandel haben, insbesondere im ersten Halbjahr 2020. So dürften der exportorientierten deutschen Industrie bald Vorprodukte aus China fehlen, so dass es zu Verzögerungen in der Produktion kommt, was die Exporte entsprechend drosselt. Unabhängig von den fehlenden Vorprodukten aus China dämpft die generell schwache Industriekonjunktur die Nachfrage nach Zulieferungen aus dem übrigen Ausland.

    Da seit geraumer Zeit die Importe stärker als die Exporte wachsen, war der Außenbeitrag negativ. Daran wird sich 2020 nichts Grundlegendes ändern, weil der gesamte Außenhandel sich schwach entwickelt. Erst 2021 dürften vom Außenhandel wieder moderate positive Impulse für die deutsche Wirtschaft ausgehen.

    Bereits im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres brachen die Ausrüstungsinvestitionen ein. Die hohe Verunsicherung durch die Corona-Pandemie wird unseres Erachtens dazu führen, dass viele Unternehmen zunächst abwarten und „auf Sicht fahren“ werden. Größere Investitionen dürften ebenso wie Neueinstellungen zurückgestellt werden. Ungeachtet der sehr guten Finanzierungsmöglichkeiten werden daher die Ausrüstungsinvestitionen dieses Jahr spürbar sinken und sich erst 2021 allmählich erholen.

    Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

    Der Bauboom hält dagegen vorerst an. Allerdings flacht die Dynamik auch hier ab. Der Grund: Es mangelt der Bauwirtschaft an freien Kapazitäten. Gleichzeitig mehren sich die Hinweise, dass angesichts der sehr hohen Preise die Nachfrage zurückgehen und der Immobilienboom bald seinen Höhepunkt überschritten haben dürfte. Insgesamt rechnet das HRI daher mit nur noch leicht wachsenden Bruttoanlageinvestitionen.

    Staatskonsum stützt Wachstum

    Kräftig zulegen wird lediglich der Staatskonsum. Die nach wie vor prall gefüllten Staatskassen haben zu einem kräftigen Aufbau von Planstellen im öffentlichen Dienst geführt, die nun besetzt werden. Gleichzeitig sind die Sozialausgaben spürbar gestiegen. Kurzfristig verursacht die Eindämmung des Coronavirus zusätzliche Ausgaben. Alles in allem dürfte der kräftig wachsende Staatskonsum im laufenden Jahr für die Hälfte des gesamten Wirtschaftswachstums stehen.

    Die Kehrseite der wachsenden Staatsausgaben ist, dass nicht zuletzt wegen des für 2021 vorgesehenen Teil-Abbaus des Solidaritätszuschlags der Gesamtstaat erstmals seit zehn Jahren wieder leicht rote Zahlen schreiben dürfte. Sollte sich die Coronakrise entgegen den Erwartungen des HRI deutlich verschärfen und der Staat deswegen ein sehr kräftiges Konjunkturpaket schnüren, wäre auch schon für das laufende Jahr eine „rote Null“ nicht auszuschließen.

    Mehr: Verfolgen Sie alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Newsblog.

    Startseite
    Mehr zu: Konjunkturausblick - Coronavirus verzögert die Erholung der deutschen Wirtschaft
    0 Kommentare zu "Konjunkturausblick: Coronavirus verzögert die Erholung der deutschen Wirtschaft"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%