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Rürups WocheInflationsgefahr? Kein markanter Lohnschub in Sicht!

Für eine längerfristige Verhaftung der Inflationsrate über zwei Prozent, dem neuen Inflationsziel der EZB, müssten die Löhne kräftig steigen. Dies ist nach Lage der Dinge nicht zu erwarten. Der HRI-Newsletter.Bert Rürup 30.07.2021 - 10:15 Uhr Artikel anhören
Foto: Handelsblatt

Düsseldorf. Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal des Jahres um 1,5 Prozent gewachsen – „nur“, möchte man hinzufügen. Denn damit wurde der Einbruch um 2,1 Prozent in den ersten drei Monaten nicht wettgemacht.

Laut amtlicher Schnellschätzung trugen vor allem höhere private und staatliche Konsumausgaben im Frühjahr zum Wachstum bei – die übrigen Komponenten wie Außenhandel und Investitionen also offenbar nicht.

Bankvolkswirte hatten im Vorfeld im Mittel mit rund zwei Prozent Wachstum gerechnet. Die Startrampe für das zweite Halbjahr ist also merklich niedriger als erwartet.

Die vierte Corona-Welle baut sich auf

Weit wichtiger als dieser Blick zurück ist jedoch der Blick nach vorne. Und der sieht zwar nicht richtig schlecht, aber keineswegs so rosig aus, wie mancher der Konjunkturauguren noch vor wenigen Wochen prognostiziert hat. Die vierte Corona-Welle baut sich gerade auf, und der Mangel an elektronischen Bauteilen wird immer schlimmer.

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Klimaplan braucht wettbewerbsfähige Industrie

„Die Auswirkungen der Engpässe bei Halbleitern konnten wir bislang begrenzen, rechnen jedoch mit etwas deutlicheren Effekten im dritten Quartal“, sagte VW-Finanzvorstand Arno Antlitz. Der Konzern dürfte den Mangel besonders im September zu spüren bekommen; denn im August ruht die Produktion in vielen Fabriken wegen Werksferien.

Angesichts dieser Unwägbarkeiten fühlt sich das Handelsblatt Research Institute sich mit seiner Frühjahrsprognose von 2,7 Prozent Wachstum in diesem Jahr gut aufgestellt.

Höchste Inflation seit 1993

Ein weiteres Risiko sind die rasant steigenden Preise. Für Juli meldete das Statistische Bundesamt 3,8 Prozent Inflation für Deutschland. Das war der höchste Wert seit 1993.

Sicher, ein Teil dieser Preissteigerung ist auf Sondereffekte wie die temporäre Mehrwertsteuersenkungen im zweiten Halbjahr 2020 zurückzuführen.

Der rekordverdächtige Anstieg der Importpreise im Juni um fast 13 Prozent zeigt jedoch, dass vor allem die Notierungen an den globalen Rohstoff- und Vorleistungsmärkten förmlich explodiert sind.

Teuerung bei Vorprodukten

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis diese Teuerung bei Vorprodukten an die Verbraucher weitergereicht wird. Bundesbankpräsident Jens Weidmann sieht die Inflation zum Jahresende „in Richtung fünf Prozent gehen“. Der künftige Pfad sei „unsicher“.

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Mal schauen, wann diese Zahlen auch im EZB-Tower zur Kenntnis genommen werden. Bislang muss man dort nach Hinweisen, die auf Änderungen der Geldpolitik hindeuten könnten, mit der Lupe suchen.

Keine Lohn-Preis-Spirale in Sicht

Für eine längerfristige Verhaftung der Inflationsrate über zwei Prozent, dem neuen Inflationsziel der EZB, müssten die Löhne kräftig steigen. Dies ist nach Lage der Dinge nicht zu erwarten.

Denn nach Schätzungen des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung wird in 2021 erstmals seit zehn Jahren die um die Preissteigerung bereinigte reale Tariflohnentwicklung leicht negativ ausfallen.

In den vergangenen zwei Dekaden gab es lediglich drei Jahre, in denen die Tariflöhne langsamer als die Preise stiegen, nämlich 2006, 2007 sowie 2011. Ein markanter Lohnschub ist nicht in Sicht.

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