Digitale Infrastruktur: Glasfaser-Desaster: Wie schlechte Politik und träge Firmen Deutschlands digitale Zukunft gefährden
Die Basis für einen gelungenen digitalen Wandel ist eine starke digitale Infrastruktur – die Deutschland nicht hat.
Foto: Smetek- Der fehlende Glasfaserausbau vor allem im ländlichen Raum sorgt dafür, dass diese Regionen weiter zurückfallen. Weder Unternehmen noch Bürger wollen sich an Orten mit einer schlechten Internetverbindung ansiedeln.
- Deutschland könnte viel weiter sein: Bereits 1981 gab es Pläne, die alten Kupferkabel durch Glasfaser zu ersetzen. Doch Helmut Kohl stoppte das Projekt.
- Zwei große Verbände der Telekommunikationsbranche haben exklusiv für das Handelsblatt einen Plan erarbeitet, wie Deutschland noch im laufenden Jahrzehnt zur Breitband-Gesellschaft werden kann.
- Deutschland hinkt beim Glasfaserausbau hinterher. Andere Länder dagegen haben schon vor vielen Jahren ihre Priorität darauf gesetzt. Spanien, Südkorea, Frankreich und Schweden zeigen, wie es hätte besser laufen können.
Berlin, Düsseldorf. Es kommt nicht oft vor, dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ein Grußwort spricht, nur weil ein Bauunternehmen mit einem Start-up eine Kooperation unterzeichnet. In dieser Woche aber ließ es sich der CSU-Politiker nicht nehmen, in Deggendorf am Fuße des Bayerischen Walds bei der Max Streicher GmbH vorbeizuschauen.
Das Bauunternehmen ist an einem großen Projekt beteiligt: Das Start-up One Fiber will entlang des deutschen Schienennetzes Glasfaserkabel verlegen, insgesamt 27.000 Kilometer – und das binnen fünf Jahren. Zusätzlich sollen an den Haltestellen der Bahn Stichleitungen in umliegende Dörfer entstehen und so für schnelles Internet im ganzen Land sorgen.
Kein Wunder, dass die örtlichen Bürgermeister, Landräte, Bezirksräte, Landtags- und Bundestagsabgeordneten im Publikum genau zuhörten: Bot sich da womöglich die Chance, die Netzlücken im Bayerischen Wald schneller als gehofft zu schließen?
Nicht nur dort, auch in vielen anderen deutschen Regionen bremsen langsame Datenleitungen die örtliche Wirtschaft aus. Großkonzerne können sich auf eigene Kosten Hochleistungskabel bis in ihre Fabriken und Büros legen lassen – für viele Mittelständler und Selbstständige ist das zu teuer.