Der Longevity-Rausch: Wie die Tech-Elite versucht, unsterblich zu werden
- Ewig leben und jung bleiben – das ist ein alter Menschheitsstraum. Die Tech-Elite versucht, ihn mit verschiedenen Mitteln wahr werden zu lassen.
- Unser US-Korrespondent hat sich in diese Welt begeben und trifft auf Pillen-Experimente, Hirnchips und den Longevity-Weltmeister Bryan Johnson.
- Global fließt immer mehr Investorengeld in das Geschäft mit dem ewigen Leben. Welche Start-ups vielversprechende Ansätze verfolgen, lesen Sie hier.
- Und ganz reale Tipps, die Ihnen dabei helfen können, möglichst lang zu leben, finden Sie hier.
New York, Los Angeles, Salt Lake City. Der „Dome“ schließt sich über mir. Aus kleinen Schlitzen strömt feuchtes Gas in die Kammer, Radiowellen wärmen meinen Körper auf. Mein Kopf steckt in einer Plexiglaskugel voller Leuchtdioden. Es wird heiß.
30 Minuten für 186 Dollar habe ich im MLX i3Dome gebucht. Das ist die neueste Errungenschaft der Longevity-Forschung, der Suche nach dem ewigen Leben. Das New Yorker Luxus-Spa Equinox hat den „Dome“ bereits und verspricht „rapide Entgiftung“ und „dramatische Verjüngung“. Ich fühle mich derweil wie ein Brathähnchen.
Der „Dome“ ist eine enge Röhre, nur von außen zu öffnen. Schweiß tropft von meinem Körper, brennt in den Augen. Vergeblich versuche ich, ein langes schwarzes Fremdhaar von meinem Bauch zu pulen. Schamanische Musik soll mich beruhigen, dabei fühle ich mich minütlich unwohler. So muss es sein, in einem Sarg zu liegen. Einem Sarg auf einem Vulkan. Mit Panflöten. Was, wenn ich nicht mehr rauskomme? Hastig taste ich nach dem Notfallknopf.
Kurz bevor ich ihn drücke, schwingt die Tür auf. Mein Guide Jonah strahlt mich an: „Ist das alles, wovon du immer geträumt hast?“ Ich setze mich auf, schnappe nach Luft. Jonah reicht mir Elektrolytwasser mit Melonenaroma, es schmeckt scheußlich. Meine Haut ist übersät von roten Flecken, ich fühle mich um zehn Jahre gealtert. Was zum Teufel mache ich hier? Ach ja, dem ewigen Leben nachspüren.
Zu verdanken habe ich diesen tollen Auftrag meinem Chefredakteur. Longevity sei doch so ein großes Thema in den USA, ob ich das nicht mal ausprobieren wolle, sagte er. Ha, ich bin 36 und fit wie ein Turnschuh, was soll das? Auf einer Dachterrasse auf der Lower East Side, wo Gründer, Finanziers und Models feiern, frage ich rum: Wer kennt sich aus mit Longevity? Ich finde viele Interessierte.
Ein befreundeter Banker verlängert sein Leben mit sechs Tabletten pro Tag, wie er erzählt: mit Vitaminen, Ballaststoffen, Kurkuma, roter Beete, Cranberry und Spinat. Ein Kollege mixt Abführmittel bei, für die After-Gesundheit.
Eine Gründerin schwört auf Mitopure, ein Nahrungsergänzungsmittel, das beim Durchputzen in den Zellen helfen soll. Und eine Gruppe Wagniskapital-Jungs setzt gleich auf experimentelle Medikamente im „off-label use“, wie sie sagen, also auf eigene Faust. Ob ich auch mitmachen will?
Mir schwirrt der Kopf. Als ich wieder in meinem Apartment auf der Upper West Side ankomme, steige ich auf meine neue Waage. Sie ist aus China und smart: Meine Muskelmasse? Überdurchschnittlich. Körperfett? Auch. Und metabolisches Alter? 38, behauptet die Waage. Das soll wohl ein Scherz sein! Ich fange an zu googeln.