Raumfahrt: Afrika startet gemeinsame Weltraumagentur
Kairo. Afrika hat die erste Raumfahrtbehörde des Kontinents gegründet. Unter dem Dach der Afrikanischen Union wird derzeit in Kairo die Afrikanische Weltraumagentur aufgebaut. Die neue Organisation ist zwar noch im Aufbau, soll wichtige Aufgaben erfüllen.
Neben der Erdbeobachtung soll sie auch den Datenaustausch zwischen den Ländern verbessern und die bestehenden nationalen Raumfahrtprogramme koordinieren. Denn Afrika fehlen gerade zum Wetter und Klima wichtige Daten. Eigene Satelliten und mehr Wetterstationen sollen das ändern.
„Die Raumfahrtaktivitäten auf dem Kontinent waren bisher sehr zersplittert“, sagt Meshack Kinyua, ein Raumfahrtingenieur und Veteran der afrikanischen Raumfahrt, der nun den Aufbau der Agentur leitet. „Die Afrikanische Raumfahrtagentur bringt alle Mitglieder der Afrikanischen Union auf die gleiche Ebene, was das Sammeln von Daten angeht“.
Afrika ist der ärmste Kontinent der Welt, dessen Einwohner am stärksten von extremen Wetterereignissen betroffen sind. Der Klimawandel hat diese Entwicklung zuletzt verschärft, obwohl Afrika weniger zur Erwärmung des Planeten beiträgt als die Menschen in den Industrieländern.
Weil hochauflösende Wetter- und Klimadaten fehlen, können Einwohner mitunter zu spät gewarnt werden, wenn sich extreme Wetterereignisse ankündigen. Afrikanische Wissenschaftler können langfristige Trends nicht genau vorhersagen, weil die Daten in ihren Modellen zu ungenau sind. Die Agentur zielt auch darauf ab, erfolgreiche Initiativen auf dem Kontinent auszubauen, darunter Frühwarnsysteme für Fischer in Westafrika und im Kongo-Flussgebiet.
Hilfen aus den USA fehlen
Die Afrikaner stehen allerdings auch unter Zugzwang: Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hatte zuletzt die US-Agentur für die internationale Entwicklung (USAID) aufgelöst. Zu den USAID-Projekten in Afrika gehörte auch SERVIR, die Weltraumorganisationen in Entwicklungsländern unterstützt hatte, den Klimawandel und Naturkatastrophen besser zu bewältigen. Diese Hilfe fehlt nun.
„Wir müssen dafür sorgen, dass afrikanische Satelliten die Messungen verbessern und Datenlücken schließen können“, sagte Kinyua. „Lücken wird es immer geben, und wir müssen einige von ihnen selbst füllen und mit anderen Organisationen zusammenarbeiten.“
Die afrikanische Agentur arbeitet dafür auch mit der Europäischen Weltraumorganisation zusammen, um Experten auszubilden und Wissen auszutauschen, unter anderem über die Verarbeitung von Daten und den Bau von Satelliten.
In Europa teilen sich die nationalen Raumfahrtagenturen die Kosten für den Start neuer Erdbeobachtungssatelliten, die sich auf bis zu 800 Millionen Euro belaufen können, so Benjamin Koetz, Leiter der Abteilung für langfristige Maßnahmen bei der Europäischen Weltraumorganisation. Die Länder teilen sich dann auch das von den Satelliten gesammelte Wissen.
Der erste afrikanische Satellit wurde 1998 in Kairo gestartet. Seitdem haben mehr als 20 afrikanische Länder ihre eigenen Raumfahrtbehörden gegründet. Achtzehn von ihnen haben insgesamt 63 Satelliten gestartet.
„Die Beschaffung finanzieller Mittel ist eine Herausforderung, denn es gibt so viel zu tun, und unsere Mittel sind begrenzt“, sagte Kinyua. „Aber wir müssen erst kleine Schritte machen, bevor wir anfangen zu rennen.“