Fitness-Gadget Moov Now im Test: Miezenspielzeug und Gummi-Fußfessel
Der Fitnesstracker ist leicht, flexibel und wasserdicht.
Foto: Moov NowKöln. Es gibt sie wie Sand am Meer: Fitness-Tracker von Fitbit, Jawbone und Co sollen die Menschen zu einem gesünderen Lebensstil motivieren. Einen neuen Ansatz verfolgt das Start-up Moov mit seinem Gerät Moov Now, dessen zweite Generation seit Ende Oktober erhältlich ist: Es misst nicht nur Schritte, sondern erfasst die Bewegungen einzelner Sportarten dreidimensional – weil es wasserdicht ist, auch beim Schwimmen. Die umfangreichen Trainingsmöglichkeiten in Kombination mit einem niedrigen Preis und einer langen Akkulaufzeit sind zusammen eine echte Alternative.
Ob Cardio Boxing, Joggen, Radfahren, Body-Workout oder Schwimmen: Das alles kann Moov erfassen. Das Gerät besteht aus einem weichen, schwarzen Silikon-Armbändchen, das man sich um Hand- und Fußgelenke schnüren kann. Darin wird dann das kleine Kerngehäuse mit den Sensoren befestigt, das meine Bewegungen und Geschwindigkeiten erkennt. Moov nennt es Core. Der Verschluss ist ein bisschen frickelig, aber man hat recht schnell raus, wie man ihn am besten schließt. Wer wie ich auch boxen will, benötigt einen zweiten Sensor.
In den Sensoren steckt nach Angaben des Herstellers Raketentechnik, deren Hintergründe ich Ihnen hier vorenthalte. Sie können das bei Bedarf ja googeln, die Stichworte sind: 3D Omni Motion Sensor, Gyroskope und Magnetometer. Zusammen sollen die Technologien jedenfalls in der Lage sein, die Bewegungen unterschiedlicher Sportarten dreidimensional zu erfassen. Das Armband wird zusammen mit der App zu einem Fitness-Coach, der in Echtzeit antreibt, motiviert, korrigiert und im Test richtig Spaß gemacht hat. Bei der Vorgängerversion musste man übrigens noch für jede Sportart eine eigene App runterladen, was sich inzwischen Gott sei Dank erübrigt hat.
Fitnesstracker gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Das wissen auch die Macher und Gründer der US-Firma Moov. Sie wollen sich abheben, indem sie mit einem Gerät diverse Sportarten abdecken. Im bunten Sensor, Core genannt, verbirgt sich die Technologie, die im Zusammenspiel mit der App ein umfassendes Training ermöglicht. Ein weiterer Pluspunkt: Der Akku hält sechs Monate. Sichergestellt werden soll das durch eine Knopfzellenbatterie im Sensor.
Foto: Moov NowZum Fitness-Coach wird das Wearable zusammen mit der App, die es sowohl für iOS als auch für Android gibt. Ein Glück für diejenigen, die nicht schon die erste Version, die vor gut einem Jahr erschienen ist, gekauft haben: Inzwischen reicht eine Anwendung aus, um alle Sportarten zu analysieren. Beim Prototypen gab es noch für jede Sportart ein separates Programm.
Foto: Moov NowDie App ist übersichtlich, aufgeräumt, leicht verständlich und lässt sich ganz intuitiv bedienen. Eine Anleitung war im Test nicht nötig. Allerdings gibt es bislang nur eine englische Version.
Foto: Moov NowGeliefert wird neben dem Band und dem als Core bezeichneten Sensor nur noch eine sehr knapp gehaltene Anleitung. Diese zeigt, wie man die Batterie einsetzt und die Bluetooth-Verbindung zwischen Core und Smartphone herstellt. Das ist sehr einfach: einmal fest auf den Tracker drücken und er wird automatisch vom Handy erkannt, sofern Bluetooth aktiviert ist.
Foto: Carina KontioEs wird ein bisschen eng am Arm, wenn man neben dem Fitness-Tracker noch eine Armbanduhr trägt. Ein Ersatz ist Moov Now nicht: Die Zeit kann er nicht anzeigen.
Foto: Carina KontioDer Stecker am Ende des Silikonarmbandes befindet, macht vielleicht den Eindruck, dass es schnell verloren gehen könnte. Diese Befürchtung bewahrheitete sich im Dauertest aber nicht. Was man von dem runden Core (hier weiß und in das Armband eingelegt) allerdings nicht behaupten kann. Es ging in der ersten Test-Nacht im oder vor dem Bett verloren.
Foto: Carina KontioSie sehen so harmlos aus, aber in diesen Geräten steckt Raketentechnologie der Extraklasse. So nutzt Moov Now im Gegensatz zu anderen Fitness-Trackern statt eines Beschleunigungsmessers zur Bewegungsaufzeichnung einen 3D-Sensor. So können komplette Bewegungsbilder erstellt werden, was eine genauere Analyse des Trainings erlaubt. Wer neben Joggen, Schwimmen, Radfahren und Body-Workouts auch das angeleitete Boxtraining nutzen will, benötigt die Version mit zwei Armbändern.
Foto: Carina KontioZugegeben, das fühlte sich beim ersten Tragen ungewöhnlich an. Aber schon nach kurzer Zeit bemerkt man den Tracker nicht mehr. In der Variante mit einem Sensor kostet das Gerät 76 bis 80 Euro, was für das, was das Gerät kann, relativ günstig ist. Die schlechte Nachricht: Das Moov Band ist bislang nur direkt über den US-Hersteller und über Amazon erhältlich – mit Versandkosten von 25 Euro.
Foto: Carina KontioAm Fußgelenk müssen Sie Moov Now aber nur dann tragen, wenn Sie richtiges Lauftraining machen wollen. Für die Aufzeichnung der täglichen Alltagsschritte genügt es, das Band am Handgelenk zu befestigen. Ich will zuerst wissen, welche Stärken das kleine Band beim Laufen hat, meine Lieblingsdisziplin. Immerhin konkurriert es mit einer teuren High-End-Laufuhr, für die ich lange gespart habe...
Foto: Carina KontioUnter der Landkarte, zeigt mir die App auf dem Handy in Echtzeit immer an, wie weit und mit welcher Schrittfrequenz ich schon gelaufen bin, wie lange ich dafür gebraucht und wie viele Kalorien ich dabei verbrannt habe. Moov Now kann aber noch mehr...
Foto: Carina KontioJe nachdem, welche Trainingsart ich vorab über die App anwähle, sagt mir eine Siri-artige Stimme während des Trainings, ob ich schneller oder langsamer laufen soll, um den gewünschten Trainingseffekt auch zu erreichen. Bislang ist diese Stimme aber nur in (gut verständlicher) englischer Sprache verfügbar. Wer mag kann seine Trainingseinheiten über die App dann auch auf diversen sozialen Netzwerken teilen, inklusive Foto von sich selbst.
Foto: Carina KontioZusammen mit Moov Now lassen sich übrigens auch einige Herzfreqenzbrustgurte (u.a. von Polar) kombinieren. So bekommen Läufer noch mehr Werte zur Analyse und können sie während des Sports auch kontrollieren.
Foto: Carina KontioKacheln zählen kann Moov Now leider noch nicht. Aber man muss immerhin keine Bahnen mehr mitzählen, denn das übernimmt der Tracker. Er zählt auch, wie viele Armzüge Sie pro Bahn in welchem Schwimmstil gebraucht haben. Was Hobbysportlern vielleicht egal ist, kann einigermaßen ambitionierten Schwimmern durchaus wichtige Daten im Training bieten, die das Wearable im Test ähnlich korrekt gemessen hat wie die teure Triathlon-Uhr.
Foto: Moov NowSo schaut es aus, wenn man nach dem Badespaß das Training in der App analysiert. Schwimmen ist die einzige Sportart, bei der es kein Echtzeittracking gibt, die Daten werden erst nach dem Training in der Umkleidekabine synchronisiert. Hier punktet meine Superuhr (Garmin Fenix 3), die mir schon während des Trainings anzeigt, wie gut oder schlecht ich bin.
Foto: Moov NowAuch bei der nächsten großen Radtour im Frühling oder im Trainingslager auf den Kanaren liefert Moov Now sehr präzise Werte. Trittfrequenz, Geschwindigkeit, eine Live-Karte – auch ambitionierte Radfahren haben da nichts zu meckern. Wenn man sein Handy mit einer entsprechenden Halterung am Fahrradlenker befestigt, ersetzt das Wearable durchaus einen Radcomputer mit GPS-Funktion.
Foto: Moov NowWas richtig Spaß macht, sind die Sieben-Minuten-Workouts, bei denen man auf dem Bildschirm immer auch in kurzen Animationen gezeigt bekommt, wie die Übung richtig geht. Die Sensoren im Core zählen dann beeindruckend genau mit, wie viele Liegestütze oder Ausfallschritte Sie machen. Der nächste Schwierigkeitsgrad wird erst freigeschaltet, nachdem man eine Grundfitness bewiesen hat. Betrügen lässt sich das Gerät aber trotzdem, wenn man ein bisschen geschickt nur die Arme bewegt. Aber ganz ehrlich, wollen Sie das wirklich, wenn Sie Geld für so ein Gerät ausgeben?
Foto: Moov NowKinnhaken, Aufwärtshaken, Seitwärtshaken, Beinarbeit: Moov Now ermöglicht auch ein Boxtraining im Wohnzimmer. Die App registriert Schläge und vergibt Punkte für jeden Treffer. Damit kommt man richtig ins Schwitzen.
Foto: Moov NowNach all dem anstrengenden Training hat man sich schnell eine Mütze Schlaf verdient. Wer wissen will, wie erholsam der dann ist, kann das mit dem Moov Now auch noch herausfinden.
Foto: Moov Now
Moov Now wird per Bluetooth mit dem Smartphone gekoppelt, das klappt einwandfrei und schnell. Eine App gibt es sowohl für iOS als auch für Android. Zuerst teste ich die Lauffunktion. Die misst in der Grundfunktion Geschwindigkeit und Distanz, bietet aber noch viel mehr. So kann ich aus verschiedenen Workouts auswählen, etwa effizientem Laufen, Intervall-Training mit Sprints oder schnellem Gehen. Eine Siri-ähnliche Stimme gibt mir auf der Strecke Hinweise, wenn ich Gas geben oder langsamer laufen soll (ich rate Ihnen dazu, sich das über Kopfhörer anzuhören). Sogar mit Herzfrequenzmessgurten anderer Hersteller wie Polar ist die App kompatibel.
Womit Moov Now meiner Meinung nach aber richtig auftrumpft und meiner 500-Euro-teuren High-End-Sportuhr Konkurrenz macht, ist die Fähigkeit, Schrittlänge und Schrittfrequenz zu messen. Etwas, das für ambitionierte Läufer interessant ist, wenn sie schneller und effizienter laufen wollen. Es gilt: Je höher die Schrittfrequenz, desto geringer die Schrittlänge, desto besser die Rumpfspannung, desto besser der Laufstil, desto gelenkschonender das Training. Und und und.
Während meines Cross-Laufes durch den Herbstwald im Siebengebirge, bei dem ich das Band am Fußgelenk trage, bin ich beeindruckt: Was Moov mir sagt und auf dem Smartphone auch live anzeigt, weicht nur sehr gering von dem Wert auf meiner sehr genauen Garmin-Uhr ab, die ich am Handgelenk trage. Auch Distanz und Geschwindigkeit werden sehr korrekt gemessen. Anschließend lässt sich das Training in der App exakt und auch grafisch gut aufbereitet analysieren. Da gibt es nichts zu kritisieren. Ohne das Smartphone geht allerdings nichts – wenn man Details zu seinem Lauf wissen will, muss das Gerät also immer in Griff- und Sichtweite sein.
Als ich von meinem Waldlauf nach Hause komme, hänge ich direkt noch ein Athletiktraining im Wohnzimmer dran. Es basiert auf dem Sieben-Minuten-Workout des American College of Sports Medicine mit Jumping Jacks (Hampelmännern), Squats (Kniebeugen), Lunges (Ausfallsschritten), Push-Ups (Liegestützen), Crunches sowie der Rückenübung Plank. Der Sensor, den ich jetzt am Handgelenk trage, erkennt, wenn ich eine Übung nicht korrekt ausführe. Bisher gibt es übrigens nur eine englische Sprachausgabe, die aber durchaus leicht verständlich ist. Sonst büffeln Sie einfach nochmal kurz die gängigen Sportvokabeln.
Was ich gut finde: Jeder Nutzer muss zuerst eine Art Fitness-Test machen. Erst wenn der bestanden ist, werden die schwierigeren Levels des Sieben-Minuten-Workouts freigeschaltet. Das dürfte recht nützlich sein für diejenigen, die sich gerne mal zu schnell beim Sport überfordern. Wer es drauf anlegt, kann natürlich schummeln und bei Kniebeugen, Ausfallschritten & Co. einfach nur ein bisschen seine Arme bewegen. Aber will das jemand, der Geld für einen Fitnesstracker ausgibt?
Zwei Tage später stehe ich wild boxend im Wohnzimmer: Kinnhaken, Aufwärtshaken, Seitwärtshaken, Beinarbeit – die App gibt die Bewegungen genau vor. Wie bei der Nintendo Wii wird Sport hier in den eigenen vier Wänden zum aktiven Erlebnis: Das System registriert die Schläge, vergibt Punkte für jeden Treffer und ich jauchze beinahe vor Freude. Spielespaß ist hier wahrscheinlich das passende Marketing-Stichwort. Die nächste Box-WM kann kommen, ich werde sie als Expertin am Ring begleiten. Die Katzen haben sich übrigens unterm Sofa verkrochen.
Auch die anderen Funktionen sind gelungen: Beim Schwimmen registriert das Gerät Bahnen und Züge, Wende- und Pausenzeiten. Beim Radfahren misst es nicht nur die Trittfrequenz, sondern gibt auch Hinweise, wann es Zeit zum Gangwechsel ist, um Energie zu sparen; zudem ermöglicht es eine tiefgehende Analyse wie beim Radcomputer.
Kurz noch ein spezieller Hinweis für Katzenbesitzer: Für Ihr Haustier ist so ein offen herumliegendes Fitnessarmband eine willkommene Abwechslung auf dem Abenteuerspielplatz Wohnung. Dass das Gerät im Handel derzeit um die 80 Euro kostet, wird Ihrer Mieze egal sein. Ich habe wohl in der ersten Nacht mit dem Tracker am Fußgelenk den Core nicht richtig ins Band geklemmt und ihn beim Aufstehen vor meinem Bett verloren. Und da Katzen gerne kleine Dinge mit der Pfote durch die Wohnung schießen, kam, was kommen musste: Das Teil war vier Wochen lang wie vom Erdboden verschluckt. Es ist lediglich dem Zufall zu verdanken, dass meine Frau das vermisste Ding beim Staubsaugen in der hinterletzten Ecke unter einem Kleiderständer entdeckt hat.
Fazit: Miezenspielzeug oder Super-Gadget?
Moov Now ist mit fünf Sportarten, zwölf Programmen und 200 Personalisierungsoptionen ein sehr umfangreicher Fitnesstracker, der sich mit seinem ausführlichen Live-Coaching vor allem an die etwas ambitionierteren Hobbysportler richtet, die gerne besser und effizienter trainieren wollen. Er überzeugt mit smarter Optik, einfacher Handhabung und einem niedrigem Preis von rund 80 Euro. Aber auch Einsteiger können mit dem Fitness-Armband auf ihre Kosten kommen, denn die Software bietet die Möglichkeit, sich nach und nach und immer dem aktuellen Trainingsstand entsprechend, zu steigern. Auch wenn der Markt mittlerweile übersättigt ist mit Geräten, die uns auf Schritt und Tritt begleiten: Dieser Sporttrainer macht wirklich sehr viel Spaß und hebt sich ab von der Masse.