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Andy Jassy

Der Manager folgt auf Amazon-Gründer Jeff Bezos an der Spitze des Konzerns.

(Foto: Reuters)

Amazon Andy Jassy: Der Mann, der hinter Jeff Bezos aufräumen muss

Andy Jassy ist das neue Gesicht von Amazon. Als Nachfolger von Jeff Bezos als CEO muss er ausbaden, was Bezos jahrelang bewusst verursacht hat.
04.07.2021 - 17:55 Uhr Kommentieren

New York Unternehmensgründer als CEO zu ersetzen ist nie eine leichte Aufgabe. Im Fall von Jeff Bezos und Amazon grenzt diese ans Unmögliche. Andy Jassy, der am Montag seinen neuen Job als Vorstandsvorsitzender antritt, muss nicht nur das boomende Geschäft des Einzelhändlers und Cloud-Anbieters in die Zukunft retten. Er muss auch als neues Gesicht von Amazon ausbaden, was Bezos jahrelang bewusst verursacht hat.

Dabei wird sich Jassy nicht nur vor Investoren und Analysten beweisen müssen. Er wird vor allem in parlamentarischen Ausschüssen und gegenüber Aufsichtsbehörden in aller Welt das Geschäftsmodell von Amazon verteidigen müssen. Jassy sollte sich also Polit-Profis und gute Juristen zur Seite holen. Aber das allein reicht nicht.

Probleme angehen, ohne um Erlaubnis zu fragen, und später um Vergebung bitten. So beschreiben ehemalige Mitarbeiter den Managementstil, den Bezos von ganz oben gefördert hat. Bezos ist die verschiedenen Herausforderungen mit Methoden angegangen, die nicht unbedingt illegal waren, aber zumindest äußerst diskutabel. Jetzt lässt er Jassy um Vergebung bitten.

Das gilt nicht nur für den Umgang mit Konkurrenten und Kunden auf seinem Marktplatz, sondern auch für die eigenen Mitarbeiter. Diese hat Bezos mit Dauerüberwachung und Niedriglöhnen so schlecht behandelt, dass sich weltweit Widerstand regt. Nun soll Jassy Amazon vom Arbeitgeber mit dem miserabelsten Ruf zum „besten der Welt“ machen, wie Bezos in seinem letzten Brief an die Aktionäre selbst schrieb. Auch hier gilt: Erst schinden, dann um Vergebung bitten.

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    Dass Jassy in der Lage ist, komplett neue Geschäftsbereiche zu erfinden und aufzubauen, hat er bereits mit dem extrem profitablen Cloud-Geschäft von AWS bewiesen. AWS machte im vergangenen Jahr gerade einmal zwölf Prozent des Umsatzes aus, steuerte aber fast 60 Prozent des operativen Gewinns bei.

    Jassy muss Amazon durch die Wirren der Politik und Aufsichtsbehörden führen

    Nun muss Jassy beweisen, dass er den Konzern durch die Wirren der Politik und Regulierungsbehörden weltweit steuern kann. Der Druck wächst von allen Seiten: Erst im Juni hat der US-Kongress gleich mehrere Gesetzesvorschläge beschlossen, die Amazons Macht empfindlich einschränken, wenn nicht sogar aufbrechen könnten. Der Kampf gegen Amazon und Big Tech ist eines der wenigen Themen, bei denen sich Republikaner und Demokraten überraschend einig sind.

    Hinzu kommt, dass an der Spitze der mächtigen US-Wettbewerbsaufsicht FTC nun mit Lina Khan eine Aktivistin gegen Big Tech sitzt. Die Behörde untersucht derzeit die jüngste Übernahme der Hollywood-Studios von MGM. Außerdem haben verschiedene Bundesstaaten Untersuchungen eingeleitet, die von der Bepreisung bis zum Missbrauch der Daten von Wettbewerbern reichen. Auch in Brüssel laufen Untersuchungen, die sich unter anderem die doppelte Rolle von Amazon als Marktplatz und als Marktteilnehmer anschauen.

    Auch vonseiten der Mitarbeiter wächst der Druck: Zwar ist zuletzt der Versuch in Alabama gescheitert, die Angestellten gewerkschaftlich zu organisieren. Aber die mächtige Teamsters-Gewerkschaft, die unter anderem die Arbeitsverträge bei dem Logistikkonzern UPS mitbestimmt, hat erst vor Kurzem Amazon zur Top-Priorität erklärt. Das verheißt nichts Gutes.

    Nach der kapitalistischen Fratze von Bezos soll Jassy nun das freundliche Gesicht von Amazon spielen. Dabei wird ihm helfen, dass sein Gesicht weniger bekannt ist. Er war zwar seit den frühen Jahren auch als intellektueller Sparringspartner stets an der Seite von Jeff Bezos. Aber er zieht den Zorn der Öffentlichkeit weniger auf sich.

    Eine neue Unternehmenskultur ist gefragt

    Doch allein den Guten spielen reicht nicht. Der neue CEO muss einiges an der Unternehmenskultur ändern, die diese Probleme hervorgebracht hat. Genau das ist das Knifflige an seiner Aufgabe. 

    Schließlich war diese Kultur auch Teil des Erfolgsrezepts von Amazon. Mutig alles einfach umwerfen, sich nicht um Althergebrachtes scheren – das hat Amazon zu dem gemacht, was es heute ist. Dieses Nicht-nach-den-Regeln-Spielen hat die Kreativität gefördert und die vielen Experimente möglich gemacht, von denen längst nicht alle aufgingen. Um Vergebung bittet man später.

    Wie viel von dieser Kultur kann Jassy aufgeben, ohne das Geschäft von Amazon zu zerstören? Jeff Bezos spricht gerne von seinem Tag-eins-Mantra. Man solle immer so arbeiten, als wäre es Tag eins, denn schon Tag zwei steht für Stagnation, gefolgt von Irrelevanz, schmerzvollem Abstieg und schließlich Tod. Das hat Bezos noch vor wenigen Jahren in seinem Brief an die Aktionäre geschrieben.

    Aber wenn Amazon auf Dauer auf Tag eins stehen bleibt, dann droht sich die Welt gegen den Konzern zu richten. Das gilt nicht nur für Politik, Gewerkschaften und Aufsichtsbehörden. Schon heute machen immer mehr Anbieter daraus ein Geschäft, dass sie sich als Anti-Amazon profilieren. Seine Angestellten auf Dauer schlecht zu behandeln sorgt nicht nur für die Probleme bei der Suche nach neuen Mitarbeitern. Es kommt auch bei vielen Kunden nicht gut an. Jassy tut gut daran, eine neue Unternehmenskultur aufzubauen. Und nicht nur um Vergebung zu bitten.

    Mehr: Das sind die sechs wichtigsten Managementweisheiten des Jeff Bezos

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