Bill Ready: Wie der neue Pinterest-Chef die Plattform auf Profit trimmen soll
Der 42-Jährige ist neuer Chef beim Fotodienst Pinterest.
Foto: Marko Priske für HandelsblattSan Francisco. Die defizitäre Fotoplattform Pinterest bekommt mit dem Ex-Google-Manager Bill Ready einen neuen CEO. Von Mittwoch an werde Ready die neue Rolle übernehmen und Firmengründer Ben Silbermann auf die neu geschaffene Position als Executive Chairman wechseln, kündigte Pinterest am Dienstag an.
In einem Gespräch mit dem Handelsblatt schwärmte Ready kürzlich noch von den vielen ungenutzten Chancen im Onlinehandel. Bei Google hatte er eine Initiative vorbereitet, mit der Kunden künftig aus der Websuche heraus direkt Produkte bestellen können. Mit dem Vorstoß will Google den Onlinehändler Amazon herausfordern.
Bei Pinterest steht Ready vor großen Herausforderungen. Die Plattform hatte als Pinnwand für Fotos eine Nutzerschaft von mehr als 400 Millionen Menschen aufgebaut. Doch die Plattform macht nach wie vor Verluste. Allein im ersten Quartal dieses Jahres belief sich der Nettoverlust auf rund fünf Millionen Dollar bei einem Umsatz von 575 Millionen Dollar.
Wie andere Technologiefirmen war Pinterest an der Börse abgestraft worden. Die Fotoplattform hatte es jedoch härter als viele Konkurrenten getroffen. Im Vergleich zum Juli des vergangenen Jahres brach die Bewertung von Pinterest um rund 75 Prozent ein. Die Marktkapitalisierung belief sich am Dienstag auf rund 13 Milliarden Dollar.
Nach reiflicher Überlegung habe er sich zur Übergabe des Chefpostens an Ready entschieden, teilte Silbermann mit: „Bill weiß genau, dass Pinterest noch am Anfang seiner Geschichte steht. Mit der Zeit habe ich beschlossen, dass er ein hervorragender CEO für unser nächstes Kapitel sein würde.“ Silbermann hatte Pinterest mitgegründet und war seit dem Start der Firma CEO.
Nutzer sollen stärker mit Produkten zusammenkommen
Ready sagte, für ihn sei Pinterest „ein positiver Ort im Internet, an dem jeder Inspiration für jeden Bereich seines Lebens finden kann“. Im nächsten Schritt werde er helfen, dass Nutzer über die Plattform stärker mit Produkten zusammenkämen. Anders gesagt: Er will Pinterest stärker in Richtung Onlinehandel entwickeln. „Ich glaube fest daran, dass Pinterest das Potenzial hat, ein 100-Jahre-Unternehmen zu werden“, sagte Ready.
Vor zwei Jahren war Pinterest bereits eine Partnerschaft mit dem Onlinehändler Shopify eingegangen, damit Nutzer Produkte, deren Bilder sie teilen oder liken, auch direkt kaufen können. Vergangenen Monat hatte Pinterest ein KI-Startup übernommen, das sich auf den Kauf von Modeprodukten spezialisiert hat.
Ready gilt als erfahrener Tech-Manager. Vor seinem Wechsel zu Google war er Operativchef beim Zahlungsdienst Paypal und vorher CEO der Zahlungsplattform Venmo. Vergangenes Jahr hatte Paypal eine mögliche Übernahme von Pinterest ausgelotet. Damals stand ein Kaufpreis von 45 Milliarden Dollar im Raum. Letztlich war der Kauf jedoch nie zustande gekommen.
Analyst Mark Shmulik von der Investmentbank Bernstein sagte: „Da Ready einen wichtigen Posten bei Google verlässt, dürfte er entschlossen sein, Pinterest in das gelobte Land des Onlinehandels zu führen.“ Pinterest sei zuletzt stark unter Druck geraten. „Tech-Investoren bevorzugen Profit über Wachstum. Ein neuer Fokus auf Onlinehandel ist der richtige Schritt“, urteilte Shmulik.