Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Boom in der Coronakrise Viele Chiphersteller verzeichnen ein Hammerquartal

Das Geschäft in der Chipbranche läuft überraschend gut, viele Hersteller haben ihre Prognosen reihenweise übertroffen. Nur ein bekannter Name fällt zurück.
28.10.2020 - 10:06 Uhr Kommentieren
AMD, Infineon, TSMC: Hammerquartal der Chiphersteller Quelle: AFP
AMD-Chip

Der Prozessorenproduzent aus dem Silicon Valley ist derzeit der Star der Branche mit den größten Wachstumsraten.

(Foto: AFP)

München Das Coronavirus versetzt die Welt in Angst und Schrecken. Den Chipherstellern allerdings geht es besser, als sie selbst noch im Sommer erwartet haben. Und ein Ende des Aufschwungs scheint nicht in Sicht.

„Unser Geschäft hat sich im dritten Quartal beschleunigt“, freute sich Lisa Su, die Chefin von AMD, am Dienstag. Immer mehr Hersteller bauen die Prozessoren des Intel-Rivalen in PCs und Server ein. „Es ist das vierte Quartal nacheinander, in dem wir mehr als 25 Prozent Umsatzplus erzielen.“ Im Vergleich zum Vorjahr sind die Erlöse des Halbleiterproduzenten aus dem Silicon Valley um mehr als die Hälfte in die Höhe geschossen, der Gewinn hat sich mehr als verdreifacht.

AMD ist der Star der Chipbranche in diesen Tagen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Konzern aus dem Silicon Valley mit seinen Prozessoren dem langjährigen Branchenprimus Intel den Rang abläuft. Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Rechners.

Die meisten anderen Halbleiterproduzenten wachsen zwar nicht so stark wie AMD. Angesichts der globalen Wirtschaftskrise steht das Gros der Wettbewerber aber hervorragend da. Das Marktumfeld habe sich „das ganze Quartal über deutlich vorteilhafter entwickelt als gedacht“, sagte jüngst Jean-Marc Chery, Chef von ST Microelectronics.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Europas größter Chip-Produzent habe zwischen Juli und Ende September vor allem von Aufträgen der Autohersteller und der Anbieter von Unterhaltungselektronik profitiert. So kommt es, dass der Umsatz des französisch-italienischen Konzerns vom zweiten auf das dritte Quartal um mehr als ein Viertel gestiegen ist.

    ST werde auch in den letzten drei Monaten des Jahres stark wachsen, verspricht Chery. Alles in allem dürfte der Konzern dieses Jahr trotz der Corona-Pandemie auf Erlöse von knapp zehn Milliarden Dollar (rund 8,5 Milliarden Euro) kommen. Das entspricht einem Plus von gut vier Prozent gegenüber dem Jahr 2019.

    Noch dynamischer ist TSMC unterwegs: Der weltgrößte Auftragsfertiger hat jüngst zum zweiten Mal dieses Jahr die Prognose nach oben geschraubt. Die Taiwaner erwarten jetzt für das Jahr 2020 ein Umsatzplus von mehr als 30 Prozent. Bislang war TSMC von mindestens 20 Prozent ausgegangen.

    Grafik

    „Covid-19 beschleunigt die digitale Transformation“, begründete Vorstandschef Che-Chia Wei das gute Geschäft. TSMC produziert für praktisch alle namhaften Halbleiteranbieter, unter anderem für AMD und Apple. So spüren die Asiaten, dass die Smartphone-Marken derzeit in großem Stil auf den neuen Mobilfunk-Standard 5G umstellen.

    Im dritten Quartal hat TSMC mit umgerechnet 12,4 Milliarden Dollar einen Umsatzrekord erzielt. Das lag Branchenbeobachtern zufolge nicht zuletzt daran, dass Apple massenhaft Chips für sein neues iPhone12 geordert hatte. Und noch etwas dürfte TSMC einen Schub gebracht haben: Großaufträge von Huawei. Die Chinesen mussten sich noch mit Bauelementen eindecken, bevor der Bann von US-Präsident Donald Trump in Kraft trat. Seit Mitte September werde Huawei nicht mehr beliefert, teilte TSMC mit.

    Der Streit zwischen den USA und China macht den Chipherstellern momentan fast mehr Sorgen als Corona. Die führenden Anbieter dürfen Huawei auf Anordnung Trumps nicht mehr beliefern. Das ist bitter, war der Smartphone-Produzent aus Shenzhen doch im vergangenen Jahr noch der drittgrößte Kunde der Branche, nach Apple und Samsung. Huawei stand für fünf Prozent aller Erlöse. Er erwarte keinerlei Umsatz mit dem Elektronikkonzern im vierten Quartal, warnte ST-Chef Chery.

    Warum der Bann von Trump nicht so schmerzt

    Gleichwohl: Es sieht danach aus, als könne die Industrie den Ausfall verkraften. Der Aufschwung scheint auf solidem Fundament zu gründen. Das zeigt sich bei Texas Instruments. Der Chiphersteller bedient mehr als 100.000 Kunden aus den unterschiedlichsten Bereichen. Die Amerikaner rechnen fürs vierte Quartal mit bis zu 3,7 Milliarden Dollar Umsatz, rund zehn Prozent mehr, als Analysten erwartet hatten.

    Das Geschäft mit Autochips bewege sich auf Vorjahresniveau, erklärte der Konzern. Zudem seien Halbleiter für intelligente Lautsprecher und Fernseher sehr gefragt.

    Ein wenig drückt Corona natürlich die Stimmung. „Wir bleiben zurückhaltend, denn der Wirtschaft geht es nicht gut“, sagt TI-Finanzchef Rafael Lizardi. Die langfristigen Aussichten seien glänzend, trotzdem könne dem Aufschwung die Luft ausgehen in den nächsten zwei, drei Quartalen.

    Dazu kommt: Es geht längst nicht allen Herstellern gut. Wer technisch zurückfällt, tut sich schwer. Ausgerechnet Weltmarktführer Intel ist momentan die wohl größte Enttäuschung. Die Amerikaner hatten am vergangenen Donnerstagabend ihre Zahlen vorgelegt. Daraufhin war der Aktienkurs am Freitag an der Wall Street um mehr als zehn Prozent eingebrochen.

    Branchenprimus Intel taumelt

    Das Quartal sei für den Chipkonzern noch schlechter gelaufen als das davor, urteilte Bernstein-Analyst Stacy Rasgon. Die Fundamentaldaten verschlechterten sich in einem alarmierenden Tempo. Ernüchternd für Intel-Chef Bob Swan auch das Urteil von Goldman Sachs. Der Chiphersteller habe die Erwartungen zwar erfüllt. Aber kurzfristig bereite der Gegenwind für die Margen Sorgen, kritisiert Analyst Toshiya Hari. Auf längere Sicht sorgt er sich sogar um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens: Die Konkurrenten Nvidia und AMD seien dabei, Intel technologisch abzuhängen.

    Besserung ist bei Intel nicht in Sicht. Das legt zumindest die Prognose der Kalifornier für das laufende Quartal nahe: Swan kündigte Erlöse von 17,4 Milliarden Dollar an, das wären 14 Prozent weniger als im Vorjahr.

    Das neue iPhone von Apple sorgte im dritten Quartal für ein gutes Geschäft beim Taiwaner Chiphersteller TSMC. Quelle: Bloomberg
    Apple iPhone 12

    Das neue iPhone von Apple sorgte im dritten Quartal für ein gutes Geschäft beim Taiwaner Chiphersteller TSMC.

    (Foto: Bloomberg)

    Um zu erfahren, wie es Deutschlands größtem Halbleiterproduzenten geht, müssen sich die Anleger noch gedulden: Infineon legt seine Zahlen erst am 9. November vor. Doch es sieht auch bei dem Dax-Konzern gut aus: „Die Lage hat sich merklich verbessert im vierten Quartal“, sagte Vorstand Jochen Hanebeck jüngst dem Handelsblatt.

    AMD jedenfalls glaubt fest daran, dass es langfristig aufwärtsgehen wird: Am Dienstag hat CEO Lisa Su die Übernahme des Rivalen Xilinx verkündet. Der Preis: 35 Milliarden Dollar.

    Mehr: Wie Infineon in Singapur seine Kunden von morgen selbst aufbaut.

    Startseite
    Mehr zu: Boom in der Coronakrise - Viele Chiphersteller verzeichnen ein Hammerquartal
    0 Kommentare zu "Boom in der Coronakrise: Viele Chiphersteller verzeichnen ein Hammerquartal"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%