Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Start-ups Wie Infineon in Singapur seine Kunden von morgen selbst aufbaut

Der Chiphersteller bindet aufstrebende Tech-Firmen in Singapur eng an sich. Das Engagement lohnt sich für den Dax-Konzern aber nur langfristig.
21.10.2020 - 11:50 Uhr Kommentieren
Roboter werden drahtlos wieder aufgeladen und sind dadurch produktiver. Die Technik stammt von Xnergy – einem Start-up, das Infineon fördert. Quelle: Infineon
Infineon-Fabrik in Singapur

Roboter werden drahtlos wieder aufgeladen und sind dadurch produktiver. Die Technik stammt von Xnergy – einem Start-up, das Infineon fördert.

(Foto: Infineon)

München Von Apple bis VWInfineon beliefert einige der größten Konzerne der Welt. Ob die Giganten von heute aber auch die wichtigsten Kunden von morgen sind? Deutschlands führender Halbleiterhersteller ist sich da nicht so sicher. Daher hat der Dax-Konzern damit begonnen, hoffnungsvolle Start-ups zu fördern – und so die Kunden der Zukunft selbst heranzuziehen.

Vor genau zwei Jahren zogen die ersten vier jungen Unternehmen in die Asienzentrale des Chip-Produzenten in Singapur ein. Die Bilanz des Managements und der Start-ups fällt positiv aus. Der große Durchbruch ist allerdings noch nicht gelungen.

„Durch die Start-ups haben wir ganz neue Anwendungen für unsere Produkte entdeckt“, sagt Rohit Girdhar, Strategiechef der Region Asien-Pazifik bei Infineon und verantwortlich für das Förderprogramm. Die Gründer seien „sehr pragmatisch und wechseln auch einmal ganz schnell die Richtung. Da können wir viel lernen.“

Zum ersten Mal überhaupt hat das Unternehmen 2018 in dem Stadtstaat junge Firmen in seine Büros geholt. „Wir wollen verstehen, wie die Anforderungen von morgen aussehen“, begründete Vorstandschef Reinhard Ploss das Engagement. Die Entrepreneure aus dem aufstrebenden Südostasien erschienen dem gebürtigen Franken dafür ideal.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die erste Kohorte blieb für ein Jahr. Dazu gehörte Ampotech, ein Start-up aus Singapur, das Sicherheitschips der Münchener in seine drahtlosen Stromzähler einbaut. Supermärkte und Tankstellen setzen die Geräte auf der schwülwarmen Insel bereits ein, um Aussetzer bei Kühlschränken oder Tiefkühltruhen aus der Ferne zu erkennen.

    Auch für Klimaanlagen seien die Apparate geeignet und damit für einen Milliardenmarkt in weiten Teilen Asiens, glaubt Gründer William Temple. An 150 Standorten sei sein System inzwischen in Betrieb. Die Nutzer könnten den Energieverbrauch damit um bis zu 20 Prozent drücken.

    Der erste Großauftrag vom Staat?

    Den ersten Großauftrag erhofft sich Temple in den nächsten Monaten von der Regierung in Singapur. Der Staat will Tausende öffentliche Wohnungen mit modernster Technik ausstatten. Es wäre ein Referenzprojekt, mit dem die Firma weltweit um Kunden werben könnte. Käme Ampotech mit der Verwaltung der Millionenstadt ins Geschäft, begänne sich das Engagement auch für Infineon langsam auszuzahlen.

    250 Quadratmeter haben die Münchener in ihrem Regional-Hauptquartier freiräumen lassen, um Platz für Gründer wie Temple zu schaffen. Jeweils vier Start-ups sind gleichzeitig vor Ort. Seite an Seite mit den Ingenieuren des Halbleiterproduzenten tüfteln die Gründer an wegweisenden Lösungen für die Zukunft und – so die Hoffnung – neuen Einsatzmöglichkeiten für die Bauteile von Infineon.

    Für Infineon ist solch ein Engagement neu. Branchenprimus Intel dagegen kümmert sich bereits seit Jahrzehnten um Tech-Start-ups. Der Weltmarktführer aus dem Silicon Valley investiert in großem Stil in junge Unternehmen. Allerdings ist Intel um ein Vielfaches größer als der deutsche Konzern – und auch viel profitabler. Infineon unterstützt die Start-ups zwar, übernimmt aber keine Anteile.

    Grafik

    Zu den ersten Start-ups unter den Fittichen von Infineon in Singapur gehörte auch Xnergy. Die Firma hat ein System entwickelt, mit dem sich Roboter drahtlos aufladen lassen. Die Technik setzt Infineon bereits in seinem Werk in der asiatischen Metropole ein. „Nach vier bis fünf Stunden im Einsatz müssen die Roboter normalerweise für zwei, drei Stunden an die Ladestation“, sagt Gründer Chin Foong Tong. Mit Xnergy ließen sich die Maschinen dagegen jedes Mal laden, wenn sie gerade nichts zu tun haben. Dadurch seien sie viel produktiver.

    Infineon will die Technik nun auch in anderen Werken einsetzen. Über seine Vertriebspartner in Asien stellt der Chiphersteller auch den Kontakt zu potenziellen Kunden her. Infineon wiederum verkauft seine Bauelemente an Xnergy. Zwar noch in kleinem Stil, mehr als 20 Systeme installiert das Start-up derzeit nicht pro Monat. Aber zum Jahresende will Tong bei 60 Stück sein. „Das ist eine Win-win-Situation“, betont der Gründer, der in den nächsten Monaten bis zu 20 Millionen Dollar bei Investoren einsammeln will.

    Infineon-CEO Ploss hat sehr ambitionierte Ziele

    Es ist nicht nur die technische Unterstützung, von der die Start-ups profitieren. „Ein wenig von unserem Ansehen färbt auf die Start-ups ab, wenn sie mit uns kooperieren“, sagt Infineon-Manager Girdhar.

    Ambitionierte neue Kunden können die Bayern allemal gebrauchen. CEO Ploss hat den Investoren kräftiges Wachstum versprochen. Langfristig soll Infineon im Schnitt neun Prozent Umsatzplus pro Jahr erzielen. Das ist deutlich mehr, als Experten für die gesamte Branche erwarten. Zudem verspricht er künftig eine operative Marge von 19 Prozent. Das ist mehr, als der Konzern in den vergangenen Jahren erzielt hat.

    Der Konzernlenker verspricht sich neue Impulse von der Kooperation mit Start-ups in Singapur – und langfristig zusätzlichen Umsatz. Quelle: Reuters
    Infineon-Chef Reinhard Ploss

    Der Konzernlenker verspricht sich neue Impulse von der Kooperation mit Start-ups in Singapur – und langfristig zusätzlichen Umsatz.

    (Foto: Reuters)

    Hinzu kommt: Auch Infineon wurde nicht von den Auswirkungen der Corona-Pandemie verschont. Im Frühjahr musste Ploss zweimal die Prognose zurücknehmen. Bereits im August hob der Konzernchef die Vorhersage aber wieder leicht an.

    Die Investoren sehen den Konzern seit Monaten mit Wohlwollen: In den vergangenen sechs Monaten ist der Aktienkurs um fast 80 Prozent in die Höhe geschossen. Aufgrund unerwartet guter Quartalszahlen einiger Konkurrenten habe er seine Umsatz- und Ergebnisprognosen für den Halbleiterkonzern für die Geschäftsjahre 2019/20 bis 2021/22 erhöht, urteilte Warburg-Analyst Malte Schaumann Ende vergangener Woche. Infineon präsentiert die Ergebnisse des am 30. September beendeten Geschäftsjahrs Mitte November.

    Die Pandemie hat Infineons Firmen-Brutkasten in den vergangenen Monaten allerdings zugesetzt. Der persönliche Austausch zwischen den jungen Firmen und den Experten des Konzerns war nur schwer möglich. Xnergy-Gründer Tong würde gerne an den Infineon-Hauptsitz nach München reisen, wenn es denn ginge. Der Jungunternehmer plant die Eröffnung eines Büros in Deutschland. Seine Technik will er bald in einer Autofabrik hierzulande einsetzen.

    Die Beziehungen von Infineon könnten dabei helfen, schließlich erzielt der Chiphersteller rund 40 Prozent seines Umsatzes mit der Autobranche. „Wir öffnen ihnen die Türen zu unseren Kunden, nicht nur in der Region Asien-Pazifik, sondern auch in Europa und China“, sagt Infineon-Manager Girdhar.

    Mehr: Bei welchen Chipaktien Analysten noch Potenzial sehen

    Startseite
    Mehr zu: Start-ups - Wie Infineon in Singapur seine Kunden von morgen selbst aufbaut
    0 Kommentare zu "Start-ups: Wie Infineon in Singapur seine Kunden von morgen selbst aufbaut"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%