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Infineon, AMD, Nvidia, XilinxBei welchen Chipaktien Analysten noch Potenzial sehen

Die Halbleiterindustrie sorgt mit Milliardenübernahmen für Schlagzeilen. Die Aktienkurse der Hersteller sind kräftig gestiegen, dennoch bieten sich Chancen.Joachim Hofer 16.10.2020 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Die Aktien des Münchener Dax-Konzerns notieren auf dem höchsten Stand seit fast 20 Jahren.

Foto: Michael Dalder

München . Von Krise keine Spur. Die Kurse der meisten Aktien von Halbleiterproduzenten kennen seit Monaten nur eine Richtung: nach oben. Der Dax-Konzern Infineon etwa notiert derzeit auf dem höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Seit Anfang Januar haben die Papiere des größten deutschen Chipherstellers um fast 40 Prozent an Wert gewonnen. Der US-Konkurrent AMD kommt auf dem Parkett sogar auf ein Plus von gut 90 Prozent.

Die Rally ist kein Zufall: Viele Chipfirmen sind überraschend gut durch die Krise gekommen. Mehr noch: Die Anleger rechnen damit, dass es auch langfristig aufwärtsgeht. Viele Menschen kaufen jetzt Elektroautos, der Datenverkehr nimmt zu, und die neue, fünfte Generation des Mobilfunks sorgt für gute Geschäfte mit Ausrüstern und Smartphone-Produzenten. Zudem floriert das Geschäft mit PCs und Notebooks, weil viele Beschäftigte von zu Hause aus arbeiten und dafür neues Equipment benötigen.

In den vergangenen Wochen haben einige Hersteller lange vor dem geplanten Termin Geschäftszahlen vorgelegt, weil sie ihre eigenen Prognosen deutlich übertroffen haben. Der Infineon-Rivale NXP etwa erzielte im dritten Quartal knapp 2,3 Milliarden Euro Umsatz, gut zehn Prozent mehr, als Vorstandschef Kurt Sievers im Sommer in Aussicht gestellt hatte. Der Betriebsgewinn ist sogar um rund ein Drittel höher ausgefallen als vorhergesagt. „Die Nachfrage hat sich über alle Endmärkte hinweg massiv verbessert, am stärksten im Auto- und Mobilfunkgeschäft“, erläuterte Sievers.

Mehr noch: An diesem Donnerstag schraubte TSMC seine Jahresprognose nach oben. Der weltgrößte Auftragsfertiger erwartet nun einen Gewinnsprung von mehr als 30 Prozent. Bislang gingen die Taiwaner von einem Plus von gut einem Fünftel aus. Seit dem Jahrestiefstand im März ist der Aktienkurs um gut 80 Prozent in die Höhe geschossen.

Investoren, die rechtzeitig eingestiegen sind, konnten dieses Jahr ein Vermögen mit Chipaktien machen. So ist der Philadelphia Semiconductor Index im Vergleich zum Jahresbeginn um rund ein Drittel geklettert. Der Index umfasst 30 in den USA notierte Halbleiterfirmen, darunter Schwergewichte wie Intel, Texas Instruments und Qualcomm.

Im Fokus der Investoren standen zuletzt vor allem die Papiere von drei amerikanischen Chipfirmen: Nvidia, AMD und Xilinx. Der Grund: Nvidia will für 40 Milliarden Dollar den Chipdesigner Arm übernehmen. Das britische Unternehmen gehört derzeit dem japanischen Softbank-Konzern. AMD wiederum möchte amerikanischen Medienberichten zufolge Xilinx schlucken, und zwar für 30 Milliarden Dollar. Eine Bestätigung dafür steht noch aus.

Risikofreudige Investoren könnten sich jetzt vor allem mit Xilinx-Papieren eindecken. Der Kurs des kalifornischen Herstellers programmierbarer Chips ist zwar bereits ungefähr auf das Niveau geklettert, das AMD angeblich bereit ist zu zahlen. US-Medien spekulieren aber schon über eine mögliche Bieterschlacht für die Firma aus dem Silicon Valley. Das könnte den Preis in die Höhe treiben.

AMD selbst hingegen ist den meisten Analysten zufolge kein Kaufkandidat mehr nach dem rasanten Kursanstieg der vergangenen Monate. Im Gegenteil: Im Schnitt rechnen die Banker sogar damit, dass der Kurs in nächster Zeit leicht sinken wird.

Und auch von Nvidia sollten die Anleger den Bankern von der Wall Street zufolge eher die Finger lassen. Das ist nicht weiter überraschend: Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs auf derzeit rund 570 Dollar verdreifacht. Nvidia ist mit einer Marktkapitalisierung von 350 Milliarden Dollar inzwischen der wertvollste Halbleiterkonzern der Erde. Branchenprimus Intel kommt auf rund 230 Milliarden.

Für Intel lief es zuletzt gar nicht gut

Für den umsatzstärksten Chiphersteller der Welt lief es zuletzt gar nicht gut, weder auf dem Parkett noch in seinen Werken. Entgegen dem Branchentrend ist der Kurs von Intel seit Jahresbeginn um rund zehn Prozent eingebrochen. Und das aus gutem Grund: Der ganze Stolz der Amerikaner sind seit jeher die eigenen Fabriken. Jahrzehntelang verfügte Intel über die fortschrittlichsten und zuverlässigsten Produktionsverfahren. Genau jenen Vorsprung hat Intel in jüngster Zeit eingebüßt. Als das Konzernchef Bob Swan im Sommer öffentlich eingestand, brach der Aktienkurs ein, der Konzern verlor 40 Milliarden Dollar an Wert.

So wird die nächste Prozessorgeneration von Intel mit Strukturbreiten von sieben Nanometern sechs Monate später als ursprünglich geplant auf den Markt kommen: frühestens Ende 2022. Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Rechners. Der Rivale AMD hat unterdessen bereits Produkte im Sieben-Nanometer-Verfahren im Angebot.

Intel gehört zu den wenigen Halbleiteraktien, denen die Analysten zumindest ein wenig Potenzial zutrauen. Mit rund fünf Prozent Kursplus rechnen die Banker der Wall Street im Schnitt in den nächsten Monaten.

Größere Kursgewinne halten die Analysten auch bei Infineon für eher unwahrscheinlich. Einige Beobachter sind zwar überzeugt, dass es bei den Münchenern trotz des rasanten Kursgewinns seit dem Frühjahr auf dem Parkett weiter aufwärtsgeht. So hat die Schweizer Bank UBS ihr Kursziel Ende vergangener Woche angehoben von 25,50 auf 29 Euro. Das entspricht allerdings lediglich einem Plus von nicht einmal fünf Prozent auf den aktuellen Kurs von knapp 28 Euro.

Nach den verheißungsvollen Signalen von ST Microelectronics und Dialog Semiconductor werde bereits mit positiven Überraschungen gerechnet, urteilte Analyst David Mulholland. Das vergangene Quartal dürfte nur der Auftakt einer starken zyklischen Erholung sein, meint der Experte. Diese aber hat die Börse offenbar weitgehend eingepreist.

Barclays-Analyst Andrew Gardiner ist nicht ganz so optimistisch. Der Banker geht davon aus, dass die Infineon-Aktien in den kommenden Monaten lediglich die Marke von 28 Euro erreichen werden. Der europäische Sektor für Technologie-Hardware habe die Coronakrise bislang gut gemeistert, schrieb Gardiner Anfang dieser Woche in einer Branchenstudie. Die Geschäftsentwicklungen der Unternehmen im dritten Quartal dürften vor allem dank einer Erholung der Absatzbranchen Automobil und Mobilfunk gut ausgefallen sein.

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs hat Anfang der Woche das Kursziel für Infineon von 24 auf 27 Euro angehoben, die Einstufung aber auf „Neutral“ belassen. Er reflektiere damit die gestiegene Bewertung der Konkurrenten im europäischen Tech-Sektor, schrieb Analyst Alexander Duval.

Die ehemalige Siemens-Tochter hat das Geschäftsjahr Ende September abgeschlossen und präsentiert ihre neuesten Zahlen Mitte November. Dann wird Vorstandschef Reinhard Ploss auch einen Ausblick auf die kommenden Monate geben. Der Ingenieur hatte seine Prognose im Frühjahr zunächst zweimal zurückgenommen. Im Sommer kündigte der Manager dann wieder einen etwas besseren Geschäftsverlauf an.

Dialog Semiconductor: Aktie mit Potenzial

Deutlich mehr Spielraum nach oben als bei Infineon sehen die Experten für die Aktien von Dialog Semiconductor, einem Chiphersteller der zweiten Reihe, der unter anderem Apple beliefert.

Der schwäbisch-britische Konzern hat vergangene Woche mitgeteilt, der Umsatz im dritten Quartal liege über dem oberen Rand der eigenen Prognose. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser hat in der Folge das Kursziel von 48,50 auf 49,50 Euro angehoben und die Einstufung auf „Kaufen“ belassen.

Derzeit notieren die Papiere bei knapp 40 Euro. Analyst Christian Sandherr hob seine Schätzungen aufgrund der Nachfrage durch den langfristigen Homeoffice-Trend an. Mit den endgültigen Zahlen des Halbleiterunternehmens für das dritte Quartal dürfte auch ein optimistischer Ausblick auf das vierte Quartal veröffentlicht werden, ist Sandherr überzeugt. Dialog will seine Ergebnisse am 5. November präsentieren.

Es sieht auch für das nächste Jahr gut aus für die Branche, zumindest wenn der Chip-Zulieferer ASML recht behält. Die Niederländer liefern die Maschinen, auf denen die Branchenführer Intel, Samsung und TSMC ihre Halbleiter fertigen. Vorstandschef Peter Wennink: „Covid-19 hat uns im letzten Quartal nicht wesentlich gebremst.“ Der Manager verspricht den Investoren jetzt schon ein Umsatzplus im niedrigen zweitstelligen Prozentbereich für 2021.

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Das ist nicht selbstverständlich. Denn die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Wirtschaftsflaute stellt nicht das einzige Risiko für die Branche dar. Auch der Streit zwischen den USA und China könnte die Industrie belasten. So dürfen Ausrüster wie ASML und auch die Chiphersteller ihre Kunden in China nicht mehr in vollem Umfang beliefern. Das hat US-Präsident Donald Trump verfügt, um China zu bestrafen. Das könnte den Umsatz drücken.

Daher erstaunt die Analysten die Zuversicht des ASML-Chefs. „Ich kenne keine andere Firma, die heute schon eine Aussage zu 2021 wagt“, sagte Jos Versteeg von der niederländischen Bank Insinger-Gilissen dem Finanznachrichtendienst Bloomberg. Das zeige, dass sich das Unternehmen des Aufwärtstrends sicher sei und unter der Coronakrise nicht leide. Besonders erfreulich für die Anleger: ASML kauft wieder eigene Aktien zurück. Das Programm hatte der Konzern wegen Corona ausgesetzt. Versteeg: „Das zeigt, wie überzeugt sie von sich sind.“

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