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Chipindustrie Rekord-Deal für Nvidia: Konzernchef Huang könnte sogar Apple abhängig machen

Für 40 Milliarden US-Dollar will Huang den Chipdesigner Arm schlucken. Gelingt das, wäre es der bisher größte Deal der Branche. Konzerne wie Apple wären künftig abhängig von Nvidia.
06.10.2020 - 11:58 Uhr 1 Kommentar
Für 40 Milliarden Dollar will der Nvidia-Chef den britischen Chipdesigner Arm schlucken. Quelle: Reuters
Jensen Huang

Für 40 Milliarden Dollar will der Nvidia-Chef den britischen Chipdesigner Arm schlucken.

(Foto: Reuters)

München Rein in die schwarze Lederjacke und raus auf die Bühne: Jensen Huang fühlt sich wohl im Licht der Scheinwerfer. Für die Verhältnisse der Chipindustrie ist der Elektroingenieur aus dem Silicon Valley eine Rampensau. In den vergangenen Jahren ist der Nvidia-Chef stets im Herbst nach München gejettet, um Kunden und Partnern die neuesten Errungenschaften seines Unternehmens zu präsentieren. Wegen der Corona-Pandemie war die Rede des Konzernchefs am Montag zum Auftakt der firmeneigenen Entwicklerkonferenz aber lediglich im Internet zu sehen.

Allerdings dürften Tausende die Serie mehrminütiger Videos von Huang sofort angeschaut haben. Denn keine andere Chipfirma steht derzeit so sehr im Rampenlicht wie Nvidia. Für 40 Milliarden Dollar will Huang den britischen Chipdesigner Arm schlucken. Gelingt die Transaktion, wäre es der bisher größte Deal der Branche. Und nicht nur das: Viele andere Chiphersteller und IT-Konzerne wie Apple wären künftig abhängig von Nvidia. Sie alle greifen auf die Technologie von Arm zurück.

Nur in einer kurzen Sequenz seines einstündigen Vortrags kommt Huang auf Arm zu sprechen. Seine Botschaft dürfte in dem vom Coronavirus schwer gezeichneten Großbritannien aber gut ankommen: Huang kündigt an, am Sitz von Arm in Cambridge einen Supercomputer für die Covid-19-Forschung zu bauen.

Ein geschickter Schachzug, denn weltweit regt sich Widerstand gegen den Deal – nicht zuletzt in der Heimat von Arm. „Der Verkauf von Arm an Nvidia wird die eigentliche Grundlage des Geschäftsmodells von Arm zerstören, nämlich die Schweiz der Halbleiterindustrie zu sein“, schrieb Arm-Gründer Hermann Hauser jüngst in einem offenen Brief an den britischen Premierminister Boris Johnson.

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    Hauser fürchtet einerseits den langen Arm der USA. Denn Präsident Trump nutzt die Halbleiterbranche, um Druck auf China auszuüben. Andererseits sieht er die Standorte auf der Insel in Gefahr, wenn Arm in die Hände eines amerikanischen Chipherstellers fällt. Derzeit gehört die Firma dem japanischen Softbank-Konzern.

    Überzeugungsarbeit vor der Arm-Übernahme

    Auf all diese Vorbehalte geht Huang in seinen Ausführungen im Internet indes nicht ein. Stattdessen führt er sichtlich begeistert aus, was sich mit den neuesten Nvidia-Chips so alles anfangen lässt.

    Dabei dürfte dem Selfmade-Mann aus Kalifornien durchaus bewusst sein, dass es noch viel Überzeugungsarbeit braucht, damit er Arm übernehmen darf. Politiker und Beamte in den Wettbewerbsbehörden von Washington bis Peking werden die Transaktion monatelang unter die Lupe nehmen. Allerdings: „Wenn ein Problem einfach zu lösen ist, dann interessiert es mich nicht“, sagte der 57-Jährige einmal bei einem Auftritt in München. Daher dürfte er an der derzeitigen Situation durchaus Gefallen finden.

    Huang wird in Taiwan geboren, in jungen Jahren wandern seine Eltern aber nach Thailand aus. Als sich dort die politische Lage verschlechtert, schicken sie den Buben zu Tante und Onkel nach Amerika, kommen später nach. So verbringt er seine Jugend im Bundesstaat Oregon. Er studiert Elektrotechnik, macht seinen Master in Stanford.

    An seinem 30. Geburtstag gründet er zusammen mit Curtis Priem und Chris Malachowsky Nvidia. Vom ersten Tag an führt er die Geschäfte. Auf den Namen des Unternehmens kamen Huang und seine Mitstreiter eher zufällig. Zunächst arbeiten sie unter dem Titel „Next Version“, erst als sie die Firma ins Handelsregister eintragen müssen, brauchen sie eine ordentliche Marke. Sie kommen auf das lateinische „Invidia“ (Neid).

    Mercedes als wichtiger Kunde

    Die Firma steigt mit ihren Grafikchips für Computerspiele binnen weniger Jahre zu einer festen Größe in der Halbleiterbranche auf. 1999 bringt der verheiratete Familienvater sein Unternehmen an die Börse. Inzwischen ist Nvidia längst ein ernst zu nehmender Wettbewerber von Intel im Geschäft mit Prozessoren für Rechenzentren.

    Doch Huang drängt mit seinen Chips auch in Autos und setzt stark auf Anwendungen für die Künstliche Intelligenz. Einer seiner wichtigsten Kunden in Deutschland ist Mercedes. An der Börse ist Nvidia ein Star, gut 330 Milliarden Dollar ist der Konzern wert. Branchenführer Intel kommt nur auf rund 220 Milliarden.

    Mit seiner Online-Rede am Montag trifft Huang, wie immer in schwarzer Lederjacke und schwarzem Shirt, den Geschmack der Investoren: Der Kurs steigt unmittelbar nach Veröffentlichung der Videos um gut drei Prozent. Die Wall Street stört es offenbar nicht, dass der mächtigste Boss der Chipindustrie seinen Vortrag vor Löffeln und Pfefferstreuern in einer Kochkulisse aufgenommen hatte.

    Mehr: Nvidia wird zur neuen Macht in der Chipindustrie.

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    1 Kommentar zu "Chipindustrie: Rekord-Deal für Nvidia: Konzernchef Huang könnte sogar Apple abhängig machen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Unabhängigkeit ARMs war einer der größten Pluspunkt für alle potentiellen Anwender des IP. (Die Schweiz der Halbleiterhersteller trifft es schon ganz gut) Das auf Lizenzen aufbauende Geschäftsmodell ist gegen Spionage beziehungsweise Know-how Transfer besonders anfällig. Ob sich das Modell in die Zukunft fortsetzen lässt, wenn es sich den in Händen von einem großen US-amerikanischen Hersteller befindet ist eher fraglich. Apple als einer der größten Anwender hätte sicherlich genügend Geld gehabt, um diesen Deal selber zu machen. Es gab aber bereits in Vergangenheit Stimmen, die genau das als Problem gesehen haben. Der Einfluss der Politik auf Hightech Unternehmen ist nicht zu verkennen. Es wurden bereits mehrere Übernahmen in der Vergangenheit abgebrochen weil die Politik des jeweiligen Landes es so wollte. Deshalb ist das Geschäft zwischen NVIDIA und ARM sicherlich noch nicht in trockenen Tüchern.

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