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Chips und BildschirmeApple-Chef will seine Zulieferer loswerden

Der iPhone-Konzern forciert die eigene Entwicklung von Komponenten und setzt auf „made in USA“. Das trifft bekannte Namen wie Qualcomm, Samsung und LG.Joachim Hofer, Stephan Scheuer 13.01.2023 - 16:40 Uhr Artikel anhören

Der kalifornische Konzern setzt immer mehr selbst entwickelte Komponenten in seinen Geräten ein.

Foto: Bloomberg

München, San Francisco. Die Uhr tickt für die Lieferanten von Apple. Der iPhone-Hersteller entwickelt immer mehr Komponenten selbst. Langjährige Partner wie Broadcom, Samsung und Qualcomm müssen sich darauf einstellen, einen wesentlichen Teil ihres Geschäfts mit den Kaliforniern in den nächsten Jahren zu verlieren. Im Fokus von Apple-Chef Tim Cook stehen Chips sowie Displays.

Zudem setzt der Manager stärker auf die Fertigung in Amerika. Cook vollzieht damit eine Kehrtwende von seiner einstigen Strategie. Unter seiner Führung hatte Apple seine Lieferketten fast ausschließlich auf die Produktion bei Partnern in Asien ausgerichtet. Zum ersten Mal seit rund einer Dekade werde Apple bald wieder in den USA gefertigte Chips in seinen Geräten verbauen, kündigte Cook kürzlich beim Besuch einer neuen Halbleiterfabrik des taiwanischen Herstellers TSMC im US-Bundesstaat Arizona an.

Apple setzt schon seit geraumer Zeit selbst entwickelte Prozessoren in seinen Computern und Smartphones ein. Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Rechners. Dies traf vor allem den langjährigen Haus- und Hoflieferanten Intel. Nun müssen sich auch zwei andere wichtige amerikanische Halbleiteranbieter Sorgen um ihre Apple-Umsätze machen, die beide nur Fabriken in Asien besitzen: Broadcom und Qualcomm.

Apple-Zulieferer: Schwierige Beziehung zu Qualcomm

Vom Jahr 2024 an könne sich Apple beim neuen 5G-Mobilfunk und der Sendetechnik für Wifi unabhängig von Drittfirmen machen, berichtet der Finanzinformationsdienst Bloomberg. Am Apple-Standort in München arbeiten die Ingenieure seit Jahren daran, Mobilfunkchips so weit wie möglich selbst zu designen. Bislang gelang es jedoch nicht in allen Bereichen, das technische Niveau der Zulieferer zu übertreffen. Dies sei aber die Voraussetzung, um sie zu ersetzen, erläuterte Cook bei einem Besuch in der bayerischen Landeshauptstadt im Herbst.

Vor allem die Beziehung zu Qualcomm gilt als schwierig. Die Firma aus San Diego ist weltweit führend bei Mobilfunkchips und hält zahlreiche Patente, ohne die sich kein wettbewerbsfähiges Smartphone produzieren lässt. Apple hatte Qualcomm vor einigen Jahren bereits in Gerichtsprozessen vorgeworfen, überzogene Lizenzgebühren zu verlangen. Seitdem gilt es nur noch als Frage der Zeit, bis sich Apple von Qualcomm unabhängig macht. Qualcomm-Chef Cristiano Amon hatte Anleger bereits darauf eingestimmt, dass der Konzern Apple im Geschäftsjahr 2024 als 5G-Kunden verlieren könnte.

Die Deutsche Bank schätzt, dass im Jahr 2024 Apple rund 80 Prozent seines Modemgeschäfts von Qualcomm abziehen könnte. Das dürfte Qualcomm rund 15 Prozent seines Umsatzes kosten, vermutete Analyst Ross Seymore. Bei diesen Chips geht es um die Verbindung zu den unterschiedlichen Mobilfunknetzen. Die Bauelemente sind anspruchsvoll zu entwickeln, weil jedes Netz anders ist und die Apple-Geräte weltweit funktionieren sollen.

Eigene Displays für Apple-Uhren

Analyst Ming-Chi Kuo von TF International Securities geht indes davon aus, dass Apple frühestens im Jahr 2025 auf Qualcomm verzichten könnte. Auf diese Vermutung kommt er, da Apple die ursprünglich für nächstes Jahr geplante neue Version der günstigeren iPhone-Reihe SE doch nicht 2024 herausbringen will. In dieser Reihe wollte Apple seine selbst entwickelten Chips zuerst testen, bevor sie in den Spitzengeräten wie dem iPhone 16 zum Einsatz kommen.. Eine neue Version dieser günstigeren iPhones werde es im nächsten Jahr jedoch nicht geben. Darüber seien die Handyfertiger bereits informiert worden.

Apple könnte noch einen anderen Schritt gehen, um sich unabhängiger zu machen, und auch seine eigenen Displays einsetzen. Vom Ende des kommenden Jahres an plane Apple, die Bildschirme in den hochpreisigen Uhren des Konzerns, Apple Watch genannt, nicht länger von Zulieferern wie Samsung und LG zu beziehen, sondern selbst zu entwickeln. Das berichtet ebenfalls Bloomberg.

Der koreanische IT-Konzern Samsung muss um seinen Kunden Apple fürchten.

Foto: Bloomberg

Apple selbst äußert sich dazu nicht. Schon heute kauft das Unternehmen keine Standard-Displays von den koreanischen Konzernen Samsung und LG ein, sondern beauftragt die Unternehmen mit sehr spezifischen Vorgaben. Die jüngsten Spekulationen dürften darauf hindeuten, dass Apple noch mehr Baugruppen von eigenen Teams entwickeln lassen will. Mit der Endfertigung dürften aber weiter Zulieferer beauftragt werden.

Bei seinem neuen Kurs kommt Cook zugute, dass US-Präsident Joe Biden mit Unterstützung von Demokraten und Republikanern ein milliardenschweres Subventionsprogramm für die Halbleiterfertigung in Amerika auf den Weg gebracht hat. TSMC, Samsung und Intel errichten derzeit riesige neue Chipwerke in Amerika. So viel Auswahl unter möglichen Produzenten für seine selbst entwickelten Halbleiter hatte Apple noch nie.

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Erstpublikation: 13.01.2023, 04:00 Uhr.

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