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Dax-Konzern So profitiert Infineon vom kontaktlosen Bezahlen

In der Coronakrise nutzen immer mehr Konsumenten ihre Geldkarten. Für Deutschlands größten Chiphersteller ist der Trend ein Segen in einer ansonsten schwierigen Zeit.
25.05.2020 - 16:26 Uhr Kommentieren
Kontaktlos bezahlen: Immer mehr Konsumenten verzichten auf Bargeld. Das hilft dem Chiphersteller Infineon. Quelle: dpa
Verbraucher zahlen in Corona-Krise häufiger kontaktlos

Kontaktlos bezahlen: Immer mehr Konsumenten verzichten auf Bargeld. Das hilft dem Chiphersteller Infineon.

(Foto: dpa)

München Beim Bäcker, beim Metzger und sogar auf dem Wochenmarkt: Mit der Coronakrise hat sich das kontaktlose Bezahlen auf einen Schlag durchgesetzt. Händler, die sich jahrelang gegen Geldkarten wehrten, stellten wegen der Seuche innerhalb kürzester Zeit ein Lesegerät auf den Tresen. Für Infineon ist das eine gewaltige Chance: Denn der Dax-Konzern ist einer der weltweit größten Hersteller von Chips und Antennen, mit denen die Transaktionen erst möglich werden.

„Viele Menschen lernen etwas kennen, das sie bislang nicht genutzt haben oder mit dem sie sich einfach nicht auseinandersetzen wollten“, sagte Thomas Rosteck, Chef der Infineon-Sparte Digital Security Solutions (DSS), dem Handelsblatt.

Fast die Hälfte aller Chips auf Geldkarten weltweit stammt den Marktforschern von ABI Research zufolge von Deutschlands größtem Halbleiterproduzenten, bei kontaktlosen Lösungen ist der Anteil sogar noch deutlich höher. Wichtigster Wettbewerber ist NXP aus den Niederlanden.

Je mehr Leute kontaktlos bezahlen, umso besser also für Infineon. Und das Wachstumspotenzial ist enorm. Marktforscher gehen davon aus, dass nur knapp zwei Drittel aller neu ausgegebenen Karten dieses Jahr dafür ausgestattet sind, die Rechnung berührungsfrei zu begleichen. Durch Corona könnte sich das nun ändern. Die Münchener dürfen also auf zusätzlichen Umsatz hoffen.

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    Es ist ein Geschäft, das indes vor allem im Ausland stattfinden wird. Hierzulande sind bereits fast alle Karten kontaktlos einsetzbar, und auch 85 Prozent aller Terminals sind dafür geeignet. Weltweit ist allerdings nur gut die Hälfte der Lesegeräte auf diesem Stand.

    Mehr als zwei Milliarden Karten dieses Jahr

    Selbst in Deutschland kann Infineon beim kontaktlosen Bezahlen aber noch zulegen. „Die Karten verschwinden nicht, gleichzeitig kommen neue Bezahlmöglichkeiten dazu“, erläutert Bereichsleiter Rosteck. Einerseits stecken die Bezahlchips inzwischen auch in Smartphones. Andererseits in Uhren, Armbändern und sogar in Ringen. Fachleute sprechen von den sogenannten Wearables, also tragbarer Elektronik. Diese kleinen Geräte können unter anderem die Papier-Tickets im öffentlichen Nahverkehr ersetzen. Manager Rosteck: „Es gibt viel mehr Anwendungsmöglichkeiten als das reine Bezahlen.“

    Marktforscher schätzen, dass die Kunden von Infineon dieses Jahr weltweit rund 2,1 Milliarden Kontaktlos-Karten produzieren. Es sind Firmen wie Giesecke & Devrient aus München oder die französische Thales, die diese meist im Auftrag von Banken herstellen. 2024 sollen es dann bereits 2,8 Milliarden Stück sein.

    In Deutschland ist das kontaktlose Bezahlen derzeit voll im Trend. Drei Viertel der Menschen hierzulande seien gerade bestrebt, Zahlungen mit Bargeld, sooft es geht, zu vermeiden, fand der Technologie-Branchenverband Bitkom in einer repräsentativen Umfrage heraus. Demnach würden sich sieben von zehn Befragten wünschen, sie bekämen mehr Möglichkeiten, kontaktlos bezahlen zu können.

    „Es gibt kaum ein Verhaltensmuster, das durch Corona ähnlich stark verändert wurde wie das Bezahlen an der Kasse“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Das kontaktlose Bezahlen mit Karte oder Smartphone ist nicht nur hygienisch, es geht auch schnell und ist sicher. Alle Händler, Restaurants und Cafés sollten ihren Kunden das kontaktlose Bezahlen ermöglichen.“

    Das Geschäft mit dem kontaktlosen Bezahlen ist einer der Lichtblicke für Infineon in einer wegen der Corona-Pandemie schwierigen Zeit. Denn der Halbleiterproduzent leidet unter der Absatzflaute der Autohersteller. Gut 40 Prozent vom Umsatz erzielt die ehemalige Siemens-Sparte mit den Fahrzeugproduzenten. Daher rechnet Vorstandchef Reinhard Ploss damit, dass der Umsatz aus seinen bisherigen Bereichen im laufenden Geschäftsjahr, es endet am 30. September, um fünf Prozent zurück gehen wird.

    Wegen der Mitte April abgeschlossenen Akquisition des US-Konkurrenten Cypress dürften die Erlöse gegenüber dem Vorjahr allerdings um fünf Prozent auf 8,4 Milliarden Euro steigen. Neun Milliarden Euro gab Ploss für die Firma aus dem Silicon Valley aus. Die Akquisition wirkt sich auch auf DSS aus. „Mit Cypress steigen unsere Möglichkeiten, wir können jetzt viel kompletter Systemlösungen anbieten“, so Rosteck.

    Die Sparte DSS werde dieses Geschäftsjahr leicht schrumpfen, kündigte CEO Ploss Anfang des Monats an. Im jüngsten Quartal stagnierte der Umsatz der Division gegenüber dem Vorjahr bei 162 Millionen Euro, der operative Gewinn blieb mit 23 Millionen fast konstant.

    DSS stand zuletzt zwar nur für acht Prozent vom Konzernumsatz. Der Bereich ist wegen seiner Kompetenzen in der sicheren Datenübermittlung und -aufbewahrung jedoch bereichsübergreifend bedeutend. Zudem hat Ploss der Sparte beim Kauf von Cypress überproportional viel Geschäft zugeschlagen, sodass der Umsatzanteil künftig 14 Prozent betragen wird.

    Fingerabdruck statt PIN-Nummer

    Analysten beurteilen Infineon derzeit zwiespältig. Die kurzfristige Sicht in den für Infineon wichtigen Endmärkten Auto und Industrie sei weiterhin gering, so Alexander Duval von Goldman Sachs. Die starke Ausrichtung des Halbleiterkonzerns auf die krisenanfällige Autobranche belaste das Geschäft erheblich, schrieb zuletzt Barclays-Experte Andrew Gardiner. Trotzdem hat sich der Konzern an der Börse gut gehalten. Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs nur um knapp fünf Prozent zurückgegangen. Der Dax verlor demgegenüber etwa 15 Prozent.

    Noch müssen Konsumenten beim Bezahlen ab einer bestimmten Summe eine Geheimzahl auf dem Terminal eingeben. In Deutschland wurde der Betrag jüngst von 25 auf 50 Euro nach oben gesetzt. Wenn der Einkauf darüber hinausgeht, kommen die Menschen also doch wieder mit einem Gerät in Kontakt, das Tausende Leute jeden Tag anfassen – und sollten sich daher alsbald die Hände waschen.

    Das könnte aber bald Vergangenheit sein. „Mit Fingerabdruck-Sensoren auf der Karte wird das Bezahlen noch bequemer, schneller und hygienischer, ohne Kompromisse bei der Sicherheit machen zu müssen“, sagt Divisionschef Rosteck. Statt mit der PIN-Nummer auf dem Terminal registriert sich der Nutzer mit seinem Fingerabdruck auf der eigenen Karte, muss also keine fremde Oberfläche mehr berühren.

    Solche Sensoren stellt Infineon zwar nicht her, integriert sie aber über Software in das System. Eine Million dieser innovativen Karten würde dieses Jahr weltweit getestet, so Rosteck. Wenn es funktioniert, könnte es dem berührungslosen Zahlen in Zukunft weiteren Schub verleihen.

    Mehr: So ermöglicht Infineon das kontaktlose Leben.

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