Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gründerkongress Virtuelle Bits & Pretzels: Kein Oktoberfest, kein Obama – keine Langeweile

Die Coronakrise zwingt die Veranstalter der Start-up-Messe zu einem rein digitalen Programm. Die Macher sehen sich bestens darauf vorbereitet.
26.09.2020 - 15:50 Uhr Kommentieren
In diesem Jahr findet die Konferenz digital statt. Quelle: dpa
Bits & Pretzels

In diesem Jahr findet die Konferenz digital statt.

(Foto: dpa)

Hamburg Eins ist bereits klar gewesen, schon bevor Barack Obama im vergangenen September die Bühne der Münchener Messehalle überhaupt betreten hatte: Die Veranstalter der Start-up-Konferenz Bits & Pretzels würden es schwer haben, die Begeisterung zu toppen. Für 2020 müssten sie sich etwas Besonderes einfallen lassen.

Damals war nicht absehbar, wie schwer es für die Veranstaltungsmacher Andreas Bruckschlögl, Bernd Storm vans Gravesande und Felix Haas angesichts der Corona-Pandemie wirklich werden würde. Statt neuer Highlights fallen sogar bisherige Markenzeichen aus, allen voran der gemeinsame Besuch des Oktoberfests, während dessen das üblicherweise dreitägige Event stattfindet. Nun geht die Bits & Pretzels vom 27. September bis zum 2. Oktober rein digital über die Bühne.

Trotzdem soll die Konferenz Erlebnis bieten. „Einfach nur stundenlange Präsentationen im Videostream anzugucken – darauf hätten wir schließlich auch selbst keine Lust“, sagte Haas kurz vor Auftakt der Konferenz.

Das ist auch die Lehre aus einem kurzfristig organisierten Probelauf im Lockdown Ende März. Damals hatte die Bits & Pretzels zum virtuellen Gründerfrühstück mit vielen prominenten Gästen geladen. Eine Beobachtung: Nach sechs Minuten Redezeit schalteten viele Nutzer ab. Die Präsentationen werden nun auf sechs bis zehn Minuten begrenzt – bis auf besonders hochrangige Speaker wie Ex-Google-Chef Eric Schmidt oder Basketballlegende Dirk Nowitzki. „Die Konferenz soll so sein, dass wir selbst Lust hätten teilzunehmen“, erklärt Haas.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Digitale Zufallsbekanntschaften

    „Vorträge müssen im digitalen Format viel kürzer sein als bei einer Präsenzveranstaltung“, bestätigt Jörg Schüler vom Dresdener Beratungsunternehmen Hightech Startbahn. Er bereitet derzeit die High Tech Venture Days vor, die im Oktober in Dresden stattfinden. Er weitet für dieses Treffen von Start-ups und Investoren die digitalen Konferenztage aus – über eine eigens angepasste Konferenzsoftware. „Was richtig gut läuft ist das digitale Matchmaking“, sagt er. Digital könnten sich die Parteien viel gezielter zu Treffen verabreden als an der Kaffeebar vor Ort. Allerdings: Der informelle Plausch zwischen den Investoren fällt in diesem Jahr aus – zumindest für diejenigen, die nicht für den vorgeschalteten Konferenztag vor Ort in der Gläsernen VW-Manufaktur nach Dresden reisen.

    Die drei Bits-&-Pretzels-Macher wollen dieses Dilemma virtuell lösen: „Ich freue mich besonders darauf, mit allen Teilnehmern unser Business-Lunch-Roulette auszuprobieren“, sagt Bruckschlögl. Dabei werden die Leute zufällig zusammengeschaltet – wie beim Videodienst „Chat Roulette“. Der 31-Jährige hofft dabei auf interessante Zufallsbegegnungen.

    Der wichtigste Teil das Programms findet abends statt, sodass Nutzer nach der Arbeit teilnehmen können. Entsprechend wird die Konferenz auf sechs Tage ausgeweitet. Ähnlich gehen die Dresdener Veranstalter vor: Auch sie rechnen damit, dass die Leute im Homeoffice oder am Computer keine ganzen Tage für die Veranstaltung reservieren.

    Rechnen soll sich die Bits & Pretzels dennoch. Einerseits fallen die Kosten für Hallen und Catering weg, andererseits sind die Sponsoren laut Haas weitgehend an Bord geblieben. Auch für ein virtuelles Event fielen spürbare Kosten an, sagt Haas. Die Teilnehmer sollen daher ebenfalls zahlen – zwischen 169 und 259 Euro. Es gebe bereits eine vierstellige Zahl von Anmeldungen, weitere Tickets sollen noch während der Konferenz verkauft werden.

    Nebengeschäft Konferenzsoftware

    Ihr gut zehnköpfiges Team konnten die Macher so halten. Anders als bei anderen Veranstaltern gab es nur wenige Wochen Kurzarbeit. Alle Ideen ließen sich dennoch nicht umsetzen: Zunächst hatten die Veranstalter angekündigt, aus Studios in mehreren Weltmetropolen senden zu wollen. Den Plan vereitelte die Pandemiesituation.

    Stattdessen erarbeitet sich die Veranstaltung eine zusätzliche Erlösquelle: Die zusammen mit dem Münchener Softwarehaus Mayflower entwickelte Konferenzlösung „Mingle Cloud“ soll an andere Veranstalter vermarktet werden. „Unsere Technologie für virtuelle Events ist für uns ab jetzt ein neues Geschäftsmodell“, sagt Haas. Die Messe München, die zehn Prozent an der Bits & Pretzels hält, habe mit dem System bereits eine virtuelle Ausgabe der Sportmesse Ispo umgesetzt. „Von heute auf morgen mussten wir denken wie eine Software-Company“, ergänzt der 45-jährige Storm. Dabei habe geholfen, dass die drei Konferenzgründer hauptberuflich selbst Start-ups leiten.

    Storm ist seit Jahresbeginn Chef der Allianz-Gründung Iconicfinance, die die Finanz-App Heymoney entwickelt. Zuvor gründete der ehemalige Fujitsu-Manager unter anderem Aboalarm und Finlytics.

    Der 39-jährige Haas wiederum hat IDNow gegründet, einen Dienst zur Online-Identifikation. Zudem ist er beim Risikokapitalfonds Flex Capital aktiv, der in den Software-Mittelstand investieren will. Bruckschlögl hat eine Agentur für Social-Media-Marketing mitgegründet. Sein 2012 gegründetes Unternehmen Ryte optimiert Websites.

    Eine komplette Rückkehr zum alten Konzept für ihre Konferenz erwarten die drei nicht. In der Coronakrise seien Videokonferenzen so normal geworden, dass hybride Veranstaltungskonzepte auch nach dem Ende der Pandemie die Regel würden, erwarten sie. Nur auf das Oktoberfest möchten sie nach Möglichkeit nicht noch einmal verzichten.

    Mehr: So lief das Gründerfrühstück der Bits & Pretzels.

    Startseite
    Mehr zu: Gründerkongress - Virtuelle Bits & Pretzels: Kein Oktoberfest, kein Obama – keine Langeweile
    0 Kommentare zu "Gründerkongress: Virtuelle Bits & Pretzels: Kein Oktoberfest, kein Obama – keine Langeweile"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%