Halbleiter: Infineon verspricht kräftiges Wachstum – Aktie steigt deutlich
Der deutsche Chiphersteller Infineon rechnet mit deutlichem Umsatzwachstum.
Foto: ReutersMünchen. Der Münchener Chipkonzern Infineon geht davon aus, dass sein Kerngeschäft mit der Autoindustrie weiter deutlich wächst. Bereichschef Peter Schiefer sagte am Dienstag, er erwarte für den Umsatz ein Plus im niedrigen zweistelligen Prozentbereich im gerade begonnenen Geschäftsjahr: „Wir werden wachsen, selbst wenn die Autoverkäufe stagnieren.“
Die Autosparte steht für rund die Hälfte vom Umsatz des größten deutschen Halbleiterherstellers. Entsprechend positiv reagierte die Börse. So legte der Aktienkurs am Nachmittag zwischenzeitlich um fast fünf Prozent auf 32,67 Euro zu. Infineon lag mit 32,40 Euro auch zum Börsenschluss an der Spitze der Dax-Gewinner.
Schiefer versprach den Investoren auch höhere Gewinne: Die operative Marge werde höher sein als in der Vergangenheit, unterstrich der Manager. Er rechne mit 25 bis 28 Prozent. Das sind etwa zehn Prozentpunkte mehr als noch vor fünf Jahren.
Mit einem Marktanteil von gut zwölf Prozent ist Infineon der größte Anbieter von Chips für die Autoindustrie weltweit. An zweiter Stelle folgt NXP aus den Niederlanden vor dem französisch-italienischen Anbieter STMicroelectronics.
Die Halbleiterfirmen profitieren davon, dass moderne Autos immer mehr Chips enthalten. So stecken in einem Elektrofahrzeug heute Chips im Wert von rund 1300 Dollar, bis Ende des Jahrzehnts könnten es laut Marktbeobachtern sogar 2000 Dollar werden. In einem Auto mit Verbrennungsmotor stecken im Schnitt nur Chips im Wert von knapp 700 Dollar. So kommt es, dass Infineon auch bei einer gleichbleibenden Anzahl von Autos mehr Umsatz erzielt.
Infineon wächst in China trotz zunehmender Konkurrenz
Es ist aber nicht nur die Elektromobilität, die Infineon zugutekommt. Auch die immer populärer werdenden Assistenzsysteme sowie ein aufwendigeres Infotainment sorgen für steigende Erlöse. Dazu kommt, dass Divisionschef Schiefer zufolge der Preisdruck abgenommen hat. Die Kunden hätten angesichts der Lieferschwierigkeiten in der Pandemie jetzt lang laufende Verträge abgeschlossen.
Auch in China werde Infineon stark wachsen, unterstrich Schiefer. Analysten hatten zuvor befürchtet, dass Infineon unter Druck gerät, weil die lokale Konkurrenz wächst. „Ja, es kommen chinesische Wettbewerber“, führte Schiefer aus. Aber es helfe Infineon, dass viele Kunden in der Volksrepublik einen hohen Qualitätsanspruch hätten – das gelte gerade für jene, die exportieren würden. Zudem gebe es zu den meisten Produkten der Münchener keine vergleichbaren Alternativen aus China.
Infineon ist am 1. Oktober in das neue Geschäftsjahr gestartet. In den vergangenen Wochen hatten die Investoren den Konzern eher skeptisch betrachtet. So fiel der Aktienkurs in den vergangenen drei Monaten um mehr als zehn Prozent. Vergangene Woche senkte Barclays das Kursziel von 54 auf 51 Euro. Der Ausblick könnte in der gesamten Branche negativer ausfallen, als der Markt erwarte, warnte Analyst Simon Coles.
Zumindest bei Infineon dürften die Banker nun deutlich zuversichtlicher auf die nächsten Monate blicken. Vorstandschef Jochen Hanebeck wird die Zahlen des vergangenen Geschäftsjahrs Mitte November präsentieren und dabei auch eine Prognose für den Gesamtkonzern abgeben.