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InfineonChiphersteller verstärkt Auto-Sparte mit US-Übernahme

Deutschlands größter Chiphersteller übernimmt eine Sparte des US-Rivalen Marvell. Die Münchener bereiten sich damit auf das Fahrzeug der Zukunft vor.Joachim Hofer 10.04.2025 - 10:13 Uhr Artikel anhören
Chipfertigung von Infineon: Die Münchener verstärken sich in Amerika. Foto: dpa

München. Infineon kauft in den USA zu. Für 2,5 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) erwirbt der Münchener Chiphersteller das Automotive-Ethernet-Geschäft des amerikanischen Wettbewerbers Marvell Technology. Das teilte der Dax-Konzern am späten Montagabend mit.

„Der Zukauf ist eine hervorragende strategische Ergänzung für Infineon als weltweit führender Anbieter von Halbleiterlösungen für die Autoindustrie“, sagte Infineon-Chef Jochen Hanebeck. Ethernet sei eine Schlüsseltechnologie für Kommunikations- und Konnektivitätslösungen, die für softwaredefinierte Fahrzeuge entscheidend sei.

Infineon ist den Experten von TechInsights zufolge der weltweit umsatzstärkste Anbieter von Autochips. Dies ist die mit Abstand wichtigste Sparte des größten europäischen Halbleiterkonzerns.

Mit der Akquisition rüstet sich Infineon für eine wesentliche technische Veränderung in Autos: Funktionen und Fähigkeiten der Fahrzeuge werden künftig hauptsächlich durch Software gesteuert und aktualisiert. Hohe Datenübertragungsraten, wie sie sich durch die Ethernet-Technologie erreichen lassen, sind dafür entscheidend.

Infineon werde die Ethernet-Technologie mit dem bestehenden Produktportfolio kombinieren, erklärte Hanebeck, „um unseren Kunden noch umfassendere und führende Lösungen für softwaredefinierte Fahrzeuge anzubieten“.

Infineon hat Erfahrung mit großen Übernahmen

Infineon hat in den vergangenen Jahren immer wieder zugekauft. Die letzte größere Akquisition tätigte der Konzern im Jahr 2023, als Hanebeck den kanadischen Mitbewerber GaN Systems für 830 Millionen Dollar übernahm. Die Firma mit knapp 200 Beschäftigten hatte sich auf das innovative Material Galliumnitrid spezialisiert.

Die größte Transaktion der 25-jährigen Firmengeschichte war der Kauf des amerikanischen Rivalen Cypress im Jahr 2019, für den Hanebecks Vorgänger Reinhard Ploss neun Milliarden Euro zahlte. 2015 hatte der Manager bereits drei Milliarden Euro für International Rectifier aus dem Silicon Valley ausgegeben.

Technologie

Aktienkurs von Saarland-Investor Wolfspeed im freien Fall

Eine vielversprechende Akquisition blieb den Münchenern indes verwehrt: 2017 versuchte Ploss, den US-Konkurrenten Wolfspeed für 850 Millionen Dollar zu erwerben. Der Genehmigungsausschuss der US-Regierung unter dem damals gerade ins Amt gekommenen Präsidenten Donald Trump, das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS), untersagte allerdings die Transaktion. Sie stelle ein Risiko für die nationale Sicherheit dar, lautete die Begründung.

Wolfspeed stellt Stromsparchips aus Siliziumkarbid her. Diese Halbleiter sind auch für die Rüstungsindustrie interessant. Inzwischen schreibt Wolfspeed tiefrote Zahlen. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um mehr als 60 Prozent abgestürzt.

Jochen Hanebeck: Der Infineon-Chef baut die Autosparte aus. Foto: Peter Kneffel/dpa

Zuletzt stand allerdings auch Infineon unter Druck. Im Sommer 2024 verkündete Hanebeck, 1400 Stellen zu streichen und weitere 1400 Arbeitsplätze in Billiglohnländer zu verlagern. Durch die Umstrukturierungen will Infineon die Kosten in den kommenden zwei Jahren um einen hohen dreistelligen Millionenbetrag senken.

Trumps Handelskrieg belastet den Aktienkurs

Vergangenes Geschäftsjahr, das am 30. September endete, hat Infineon seine selbst gesetzten Ziele bei Umsatz und Marge nicht erreicht – und wird sie auch dieses Jahr verfehlen, wenn die jüngste Prognose sich als zutreffend erweist. „Die zyklische Schwäche hält an“, sagte Hanebeck Anfang Februar bei der Präsentation der Quartalszahlen. Gleichzeitig betonte der Manager: „Wir erwarten eine schrittweise Nachfrageerholung.“

Nachdem US-Präsident Donald Trump vergangene Woche massive Zölle verhängte und einen Handelsstreit mit dem Rest der Welt anzettelte, ist der Kurs von Infineon um ein Fünftel eingebrochen. Am Montag gaben die Papiere gut vier Prozent auf 25,11 Euro nach. Zwar habe Trump keine Zölle auf Chips verhängt, urteilte Jefferies-Analyst Janardan Menon. Dennoch würden die Zölle das Geschäft mit Smartphones, Servern, Laptops und Autos negativ beeinflussen und damit auch die Nachfrage nach Halbleitern.

Genehmigung der US-Behörden ist Voraussetzung

So wie die Aktien von Infineon verloren auch die meisten anderen Chiptitel in den vergangenen Tagen deutlich an Wert. Den europäischen Halbleiterunternehmen stünden „unruhige Zeiten“ bevor, urteilte JP-Morgan-Analyst Sandeep Deshpande.

Infineon allerdings hält das nicht von der milliardenschweren Übernahme ab. Im laufenden Jahr werde das hochprofitable neue Geschäft bis zu 230 Millionen Euro Umsatz erzielen. Mehrere Hundert Beschäftigte werden laut Mitteilung zu Infineon wechseln.

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Die Transaktion werde aus liquiden Mitteln und Fremdkapital finanziert. Der Deal soll noch 2025 abgeschlossen werden – falls die amerikanischen Aufseher die Genehmigung erteilen.

Erstpublikation: 07.04.2025, 23:41 Uhr.

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