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SoftwareGewerkschaften sind wieder im Aufsichtsrat von SAP vertreten

Es ist ein Prestigeerfolg für die Gewerkschaften: Vertreter von IG Metall und Verdi ziehen in den Aufsichtsrat von SAP ein. Die Wahl steht aber noch unter juristischem Vorbehalt.Christof Kerkmann 29.04.2024 - 17:38 Uhr
Die SAP-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter haben ihre Aufsichtsratsvertreter gewählt.  Foto: dpa

Düsseldorf. Im Aufsichtsrat von SAP sind künftig zwei große deutsche Gewerkschaften vertreten. Bei der Wahl der Arbeitnehmervertreter erhielt Eberhard Schick von der IG Metall, der dem Betriebsrat der Konzernmutter SE vorsitzt, ein Mandat. Verdi-Mitglied Andreas Hahn zog über die europäische Mitarbeitervertretung in das Gremium ein.

Es ist ein Prestigeerfolg für die Gewerkschaften: Im Aufsichtsrat des größten europäischen Softwareherstellers und des wertvollsten Dax-Konzerns waren seit der vergangenen Wahl vor vier Jahren keine Mitgliedsorganisationen des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) mehr vertreten.

Darüber hinaus wählten die SAP-Mitarbeiter in Deutschland den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Lars Lamadé und Margret Klein-Magar als Vertreterin der leitenden Angestellten wieder. Neu dabei ist die Personalmanagerin Nina Straßner.

Weitere Arbeitnehmervertreter kommen aus Frankreich, Belgien, Tschechien und Spanien. Das teilte der europäische Betriebsrat am Montag in einer internen E-Mail zum Abschluss des Wahlverfahrens mit, das sich aufgrund seiner Komplexität über mehrere Wochen gezogen hatte.

Der neue Aufsichtsrat konstituiert sich nach der Hauptversammlung am 15. Mai. Das Gremium steht vor einem großen Umbruch, nicht nur auf der Arbeitnehmerseite: Nach 23 Jahren an der Spitze des Kontrollgremiums scheidet Mitgründer Hasso Plattner aus – für den Vorsitz ist der frühere Nokia-Vorstand Pekka Ala-Pietilä vorgesehen.

SAP: Vorbehalte gegenüber den Gewerkschaften

Die großen Gewerkschaften tun sich bei SAP traditionell schwer, im Management wie in Teilen der Belegschaft gibt es Vorbehalte. Nun haben die Gewerkschaften allerdings an Einfluss gewonnen: Die Personalpolitik des Konzerns mit Stellenstreichungen und mehreren Gehaltserhöhungen unterhalb der Inflation sorgt für Diskussionen.

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Bei der vergangenen Wahl zum Betriebsrat der Konzernmutter SAP SE im Frühjahr 2022 hatten die Listen mit Unterstützung von IG Metall und Verdi 15 der 45 Sitze gewonnen. Das ist beim Softwarehersteller ein historischer Höchststand – auch wenn die Gewerkschaften in Industriebetrieben in der Regel deutlich stärker vertreten sind.

Dieser Trend macht sich bei der Aufsichtsratswahl zumindest bedingt bemerkbar: Mit Eberhard Schick wurde ein Gewerkschaftsvertreter direkt gewählt, knapp 30 Prozent der Wähler entschieden sich für ihn und seine Ersatzkandidatin. „Das stärkt uns in der betrieblichen Mitbestimmung enorm den Rücken“, sagte Schick. Er könne nun sowohl als Betriebsratsvorsitzender als auch als Aufseher Einfluss nehmen – ein Standard in vielen deutschen Industriekonzernen wie etwa VW.

Andreas Hahn wiederum wurde in einem separaten Verfahren vom europäischen Betriebsrat gewählt. Der Softwareexperte ist mit den Abläufen im Aufsichtsrat vertraut: Bereits von 2015 bis 2019 war er Mitglied des Gremiums. Dem Gewerkschaftslager zuzurechnen ist auch der belgische Mitarbeiter Pascal Demat.

Wahlanfechtung vor Gericht

Allerdings steht die gesamte Wahl unter juristischem Vorbehalt. Beim Arbeitsgericht Mannheim liegen zwei Anträge vor, das Ergebnis zu annullieren. In einem Schriftsatz heißt es nach Angaben aus Betriebsratskreisen, es habe Verstöße gegen „wesentliche Wahlvorschriften“ gegeben, die das Ergebnis möglicherweise beeinflusst hätten.

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So habe eine Kandidatin ihre globale Rolle im Unternehmen nutzen können, um entgegen des Neutralitätsgebots Wahlwerbung für sich zu machen. Eine Bewerberin um das Mandat für die leitenden Angestellten erfülle nicht die Kriterien für diese Position. Zudem seien Wahlzettel nicht ausschließlich über den Wahlvorstand, sondern teilweise auch über einen Betriebsrat eingereicht worden.

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