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Mobilfunk United Internet sichert sich Zugriff auf Telefónica-Netz – Meilenstein bei 5G-Ausbau

United Internet kann mit dem Aufbau des 5G-Netzes beginnen: Der Konzern hat weiter Zugriff auf das Netz von Telefónica – ohne geht es erst mal nicht.
15.02.2021 Update: 15.02.2021 - 14:58 Uhr Kommentieren
Der Vorstandsvorsitzende von United Internet will einen vierten Netzbetreiber aufbauen. Quelle: dpa
Ralph Dommermuth

Der Vorstandsvorsitzende von United Internet will einen vierten Netzbetreiber aufbauen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Beim Aufbau eines 5G-Netzes hat United-Internet-Chef Ralph Dommermuth einen wichtigen Schritt gemacht: Das Tochterunternehmen 1&1 Drillisch hat am Montag mit Telefónica Deutschland einen Vertrag über das sogenannte National Roaming abgeschlossen. Damit kann es beim Aufbau einer eigenen Infrastruktur Kapazitäten des Konkurrenten mitnutzen.

„Wir freuen uns über diesen Meilenstein auf unserem Weg zum Netzbetreiber“, erklärte Dommermuth am Montag. Dem Deal gingen langwierige Verhandlungen voraus. Schon im Oktober machte Telefónica Deutschland ein als final bezeichnetes Angebot, das 1&1 Drillisch allerdings als zu teuer ablehnte. Das Unternehmen aus Montabaur schaltete daraufhin die EU-Kommission ein. Ein verbessertes Angebot sei nun Grundlage des Vertrags, heißt es in einer Mitteilung.

1&1 Drillisch will sich neben Telekom, Vodafone und Telefónica als vierter Netzanbieter in Deutschland etablieren. In der langwierigen Aufbauphase, die etliche Jahre dauern dürfte, ist der Herausforderer jedoch auf fremde Infrastruktur angewiesen. Da sich die Vertragsverhandlungen hingezogen haben, hat der Ausbau noch nicht begonnen – der Konzern liegt nach eigenen Angaben bereits ein Jahr hinter dem avisierten Zeitplan zurück.

Die Investoren bewerten den Deal positiv: Die Aktie von 1&1 Drillisch lag Montagnachmittag um knapp sieben Prozent im Plus, die von United Internet um rund zwei Prozent. Ein weiterer Grund für Optimismus dürfte sein, dass der Konzern zeitgleich eine Vereinbarung mit der Deutschen Telekom über die Nutzung von Glasfaser- und Vectoring-Anschlüssen bekannt gab. Die Tochterfirma 1&1 Versatel kann diese an die Endkunden vermarkten.

Auch die Aktie von Telefónica Deutschland notierte leicht im Plus. Vorstandschef Markus Haas erklärte, das Unternehmen habe sich „nach langen, intensiven Verhandlungen durchgesetzt“. Der Manager hob die „langfristige Planungssicherheit“ sowie „signifikante Umsatz- und Ergebnisbeiträge“ in den kommenden Jahren hervor.

Vergebliche Gespräche mit Telekom und Vodafone

Die beiden Telekommunikationsanbieter kooperieren schon seit Jahren: Die EU-Kommission verpflichtete Telefónica Deutschland bei der Übernahme von E-Plus im Jahr 2014 zur Zusammenarbeit mit Konkurrenten. United Internet nutzt das Netz bereits seit einigen Jahren und erhält nun bis maximal 2034 Zugriff.

Nach Handelsblatt-Informationen führte 1&1 Drillisch auch Gespräche mit Deutscher Telekom und Vodafone. Beide Konzerne legten nach Angaben aus Branchenkreisen Angebote vor, allerdings konnten sich die Parteien nicht auf finanzielle Konditionen einigen. Bei Telefónica dürfte Dommermuth aufgrund der kartellrechtlichen Auflagen größeren Verhandlungsspielraum gehabt haben.

Der nun geschlossene Vertrag ermögliche United Internet allerdings nur den Zugang zum schwächsten Mobilfunknetz in Deutschland, warnte Bernd Sörries vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK). Gerade im ländlichen Raum mache sich das bemerkbar. Die Telekom sei in der Netzqualität Marktführer, gefolgt von Vodafone. „Telefónica ist weit hinterher“, sagte Sörries.

Dieser Rückstand bei der Netzqualität könne auch das neue Angebot von Dommermuth bremsen, erklärte Sörries. „Ich habe Zweifel, dass 1&1 eine Premiummarke werden kann“, sagte der Netzexperte. Das Unternehmen könnte versuchen, über den Preis zu punkten. Damit würde der Neueinsteiger vor allem dem Kooperationspartner Telefónica Kunden abjagen.

Derzeit hat 1&1 rund zehn Millionen Mobilfunkkunden, davon acht Millionen mit dem Netz von Telefónica und rund zwei Millionen mit dem Netz von Vodafone. Diese Kunden wird 1&1 bald auf die eigene Infrastruktur übertragen wollen.

„Neues Kapitel des Mobilfunks“

Anfang 2019 machte United Internet erstmals die Ambitionen öffentlich, ein eigenes Mobilfunknetz aufzubauen. „Mit 5G wird ein neues Kapitel des Mobilfunks aufgeschlagen. Das verspricht ein gutes Geschäft zu werden“, sagte Konzernchef Dommermuth dem Handelsblatt. „Da wollen wir dabei sein, auch wenn heute noch niemand genau weiß, was alles auf unsere Branche zukommen wird.“

Dabei setzte der Unternehmer von Anfang an aufs National Roaming – ohne Zugang zu den Netzen von Konkurrenten sei ein Marktzutritt nicht möglich, betonte er stets. Die Bundesnetzagentur nahm die drei großen Anbieter Telekom, Vodafone und Telefónica bei der Ausschreibung für den neuen Mobilfunkstandard 5G mit einem „Verhandlungsgebot“ in die Pflicht und drohte „bei klaren Fällen von Diskriminierung“ Bußgelder an.

Die angekündigte Vereinbarung sei „eine gute Nachricht für die Mobilfunkkunden in Deutschland“, kommentierte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, am Montag. Sie sei ein „Indiz für die Attraktivität und Dynamik des deutschen Mobilfunkmarktes“.

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Bei Ausbau der eigenen Infrastruktur könne der Neueinsteiger vor einer Sondersituation profitieren: Sowohl Telefónica als auch Vodafone haben ihre Funktürme in eigene Gesellschaften abgespalten, die nun zusätzliche Kunden suchen. So will der britische Konzern seine Tochter Vantage Towers bald in Frankfurt an die Börse bringen.

Dennoch steht die Firma vor großen strategischen Herausforderungen. Bei der 5G-Auktion im Sommer 2019 in Deutschland hatte 1&1 Drillisch für rund eine Milliarde Euro Frequenzen ersteigert. Dabei handelt es sich um Kapazitätsfrequenzen, die eine hohe Leistung bieten, aber vor allem für kurze Distanzen gedacht sind.

Für den Netzausbau fehlen der Firma noch Flächenfrequenzen, mit denen sie auch große Regionen versorgen kann. Entsprechende Frequenzen werden in Deutschland zwar im Jahr 2025 versteigert. Aber das Angebot ist sehr begrenzt. „Sie werden für drei Firmen reichen, aber nicht für vier“, warnte Netzexperte Sörries. Es drohe ein harter Bieterwettbewerb.

Ein Ausweg könnten langfristige Roaming-Vereinbarungen sein, sagte Sörries. Ob die allerdings gelängen, sei unklar. Schließlich hatte schon die erste Einigung über das Roaming zwischen Telefónica und 1&1 Drillisch viel länger gedauert als ursprünglich geplant.

Mehr: Netzbetreiber trennen sich von Funktürmen – das birgt Risiken

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