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Softbank Internet-Revolutionär Masayoshi Son mutiert zum Finanzinvestor

Der Softbank-Gründer wettete auf etablierte US-Tech-Konzerne. Anleger sind verunsichert: Was versteckt sich in den Büchern des Konzerns?
08.09.2020 - 16:29 Uhr Kommentieren
Der Softbank-Gründer steht bei seiner nächsten Bilanzshow im November noch stärker im Mittelpunkt. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Masayoshi Son

Der Softbank-Gründer steht bei seiner nächsten Bilanzshow im November noch stärker im Mittelpunkt.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Tokio Softbank-Gründer Masayoshi Son zu vertrauen, das bedeutet, auf das Unwägbare zu wetten. Als Japans Starinvestor im Jahr 1981 sein Unternehmen gründete – einen kleinen Softwarehändler –, da versprach er seinen ersten Angestellten, einen Großkonzern aufzubauen. Einige hätten gleich wieder gekündigt, erinnerte er sich kürzlich.

Und jetzt? Verstört Son die Anleger mit einer seinen jüngsten Wetten.

Seitdem die „Financial Times“ Ende vergangener Woche riesige Optionsgeschäfte Softbanks mit amerikanischen Tech-Aktien enthüllt hatte, stürzte Softbanks Kurs um 10,7 Prozent auf 5845 Yen ab (46,70 Euro). Einzelanleger, die die Softbank-Aktie eigentlich optimistisch einschätzten, machen sich nun Sorgen um die Zukunft und verkaufen ihre Positionen, erklärte Masayuki Otani von Securities Japan in der Wirtschaftszeitung „Nikkei“.

Selbst Unternehmenskenner, die schon viele Kapriolen des 63-jährigen Son miterlebt haben, reagieren überrascht auf die Enthüllungen. „Mir klappte die Kinnlade herunter, als ich vorige Woche von Sons massiven Investitionen in Derivate las“, sagt Kirk Boodry, Leiter des Analyse-Unternehmens Redex Holdings. Und die Wall Street sorgt sich, dass Softbank nun vom größten Investor in Start-ups zum mächtigen Hedgefonds an den Börsen mutiert.

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    Die „FT“ erklärte Softbank sogar zum „Wal“, der durch seinen großen Hunger nach Aktien und Aktienoptionen von Firmen wie Amazon, Googles Mutter Alphabet und Netflix die rasanten Kursanstiege von US-Tech-Aktien ausgelöst hatte.

    Son gründete eine Investmentgesellschaft

    Dabei hatte Son die Welt über die jüngste Wende informiert. Erst im August teilte er der Finanzwelt in seiner vierteljährlichen Bilanzshow mit, dass Softbank eine interne Investmentgesellschaft gründet. Ein Drittel der Anteil hielt er selbst. Das Ziel hörte sich für die Anleger durchaus vernünftig an: Son versprach, durch kurzfristige Investitionen in liquide Großunternehmen der Tech-Welt das Bargeld zu vermehren, das Softbank mit seinem riesigen Corona-Hilfsprogramm eingenommen hatte.

    Als Softbanks Aktienkurs im März mit dem Coronacrash ins Bodenlose zu fallen schien, hatte Son überraschend angekündigt, Aktien im Wert von 38 Milliarden Euro zu verkaufen. Mit dem Geld wollte er etwa zur Hälfte Aktien zurückkaufen und aus dem Verkehr ziehen sowie einen Teil der hohen Schulden tilgen, um den Kurssturz aufzuhalten.

    „Verteidigung ist immer wichtig im Kampf“, erklärte er den Schachzug. Und für ein Unternehmen wie Softbank, das viele Schulden hat, sei in der Krise Cash die Verteidigung der Wahl. Das Manöver hatte Erfolg.

    Getragen von der globalen Erholung der Börsen verdreifachte sich Softbanks Aktienkurs von März bis Anfang August nahezu auf 7077 Yen. Doch dank des Börsenbooms verwandelte sich der wachsende Geldpuffer schnell zum Luxusproblem. Denn auf der Bank gibt es keine Zinsen, während am lebhaften Aktienmarkt Kursgewinne winkten. Prompt vollzog Son den nächsten logischen Schritt in seiner größten Transformation.

    Wandel zum Finanzmagnaten

    Über mehr als drei Jahrzehnte war Son eine Mischung aus Unternehmer und Investor. Doch als er im Jahr 2016 erst den saudischen Pensionsfonds und dann andere Staatsfonds und Unternehmen überredete, gemeinsam fast 100 Milliarden Dollar in den Softbank Vision Fund zu stecken, wurde er zum Finanzmagnaten vom Schlage eines Warren Buffett.

    Das eingesammelte Geld wurde in atemberaubendem Tempo in insgesamt 88 Megastart-ups wie den Mitfahrdienst Uber oder den Bürovermittler WeWork gesteckt, Softbank-Firmen an die Börse gebracht, die Holding zum Finanzinvestor umgemodelt.

    Zuerst klang es, als ob alles beim Alten geblieben wäre: Son wolle mit diesem Schwarm hungriger Unternehmen sein altes Ziel, die Informationsrevolution, verfolgen, erklärte er immer wieder. Nicht einmal diverse Fehlgriffe wie bei WeWork, das fast kollabierte, gefährdeten seinen Elan. Aber Weggefährten bemerkten dennoch einen Wandel.

    Hatte Son bis dahin lange an seinen Investitionen wie der chinesischen Online-Handelsplattform Alibaba festgehalten, war die Trennung durch Börsengänge oder Anteilsverkäufe nun fester Bestandteil seiner Strategie. Oder wie es ein Unternehmerfreund des umtriebigen Visionärs ausdrückte: „Ich sehe in meinen Firmenkäufen meine Kinder, für Son sind sie nur Investitionen.“

    Die Investoren lernen nun die Aggressivität des neuen Son kennen.

    Das Problem ist jetzt für Anleger wie Analysten, dass sie noch weniger wissen, ob sich Freude oder Schrecken in Softbanks Büchern verbergen. Daher wird Softbank wieder um rund 50 Prozent unter seinem Buchwert gehandelt. Aber Son dürfte das nicht stören: Denn dank des Spannungseffekts steht er bei seiner nächsten Bilanzshow im November noch stärker im Mittelpunkt.

    Mehr: Vom Crash zum Rekordhoch: Der Softbank-Gründer gibt sich wieder optimistisch.

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