Start-up Superlist: Christian Reber will Microsoft erneut Konkurrenz machen
Berlin. Der Berliner Seriengründer Christian Reber will es wieder mit Microsoft aufnehmen. Die To-do-App Superlist, der Nachfolger der an den US-Softwarekonzern verkauften App Wunderlist, startet nun nach einer zwölfmonatigen Betaphase den Regelbetrieb. „Es soll das neue Zuhause für alle Listen sein – privat wie auch beruflich“, sagt Reber dem Handelsblatt.
Ähnlich wie der Vorgänger soll es Superlist den Nutzern ermöglichen, ihre Aufgaben – sortiert nach Tagen und Wochen – in Form von Listen zu ordnen und abzuhaken. Dabei können sie zwischen privaten und beruflichen Projekten hin- und herwechseln, Mitglieder ein- und ausladen, den Zugriff verwalten und Listen ein- und ausblenden. Eine Künstliche Intelligenz strukturiert Nachrichten und E-Mails und erstellt daraus Aufgaben.
Mit dem Schritt sucht Reber den schnellen beruflichen Neuanfang: Erst im Januar hatte er den Chefposten bei dem von ihm mitgegründeten Online-Präsentationsanbieter Pitch nach einer Restrukturierung und Massenentlassungen aufgegeben.
Blinkist-Gründer Jansen als Firmenchef geholt
Mit Listen kennt sich Reber aus. 2015 verkaufte er den Superlist-Vorgänger Wunderlist für einen dreistelligen Millionenbetrag an Microsoft. Das bereute er allerdings ziemlich schnell: „Wir haben realisiert, dass da noch Potenzial übrig war. Wir haben zu früh verkauft“, sagt er.
Auf ein Rückkauf-Angebot wollte Microsoft damals allerdings nicht eingehen und stellte Wunderlist 2020 stattdessen ein. Übrig geblieben ist lediglich die deutlich schmalere Aufgabenlisten- und Verwaltungs-App Microsoft To Do, die Reber als Hauptkonkurrent ausgemacht hat, aber laut dem Gründer nicht an das Superlist-Angebot heranreicht.
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Für die modernere Wunderlist-Neuauflage holte Reber den Gründer des Sachbuch-Start-ups Blinkist, Niklas Jansen, als Unternehmenschef an Bord. Jansen hatte Blinkist im vergangenen Sommer für einen dreistelligen Millionenbetrag an die australische E-Learning-Firma Go1 veräußert. Reber selbst ist Vorsitzender des Verwaltungsrats.
Investoren glauben an Superlist
Das Interesse von Investoren hat Superlist bereits geweckt, sicherlich auch aufgrund der vergangenen Exits von Jansen und Reber. Insgesamt hat Superlist seit der Gründung 13,5 Millionen Euro an Wagniskapital eingesammelt – unter anderen von Cherry Ventures und EQT.
„Obwohl viel Software im Markt ist, ist es an der Zeit für ein Produkt, das die Komplexität von Projekten und To-dos auf einfache und intuitive Weise angeht“, sagte Filip Dames vom Berliner Investor Cherry und ergänzte mit Blick auf die während der Betaphase entstandene Nachfrage: „Die Warteliste ist lang.“
Die Fehler der Vergangenheit will Reber nun kein zweites Mal machen. Bei Wunderlist setzte er damals lange nur auf Privatkunden, die das Angebot gebührenfrei nutzen konnten. Superlist habe allein in der Testphase 500 zahlende Nutzer gewonnen, sagt Reber jetzt.
Zwar können Interessierte eine limitierte Version im Abonnement kostenlos nutzen. Wer aber das KI-Angebot ebenfalls haben will und mehr Speicherplatz und weitere Optionen, zahlt als Einzelperson monatlich acht Dollar und im Team zehn Dollar. Bereits in zwei Jahren soll die Firma mit aktuell 20 Mitarbeitern profitabel sein.
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Es gebe auch keinen Druck, eine neue Finanzierungsrunde zu stemmen, sagte der Berliner. Beim Powerpoint-Konkurrenten Pitch hatte er während des Coronabooms zu lange nur auf Wachstum gesetzt und die Profitabilität hintangestellt.
Das war auch ein Grund dafür, warum im Januar die Belegschaft um 80 Mitarbeiter auf 40 geschrumpft wurde. „Es tut mir sehr leid, dass das passieren musste, und ich übernehme die volle Verantwortung dafür, Pitch an diesen Punkt geführt zu haben“, schrieb Reber damals auf LinkedIn.
Die Personalkosten waren ihm zufolge zu hoch und der Umsatz zu gering für die Firmenbewertung, die lange bei einer halben Milliarde Euro lag. Das ist seit dem Ausstieg des internationalen Investors Tiger Global nicht mehr der Fall. Inzwischen gehört den Mitgründern wieder die Mehrheit an Pitch, die die Firma nun so schnell wie möglich in die schwarzen Zahlen führen wollen.
„Wunderlist-Deal war Appetizer“
Bei Superlist will es Reber nun noch mal richtig wissen: „Das Marktpotenzial ist riesig. Jetzt müssen wir beweisen, dass wir eine Software gebaut haben, die beim Verbraucher gut ankommt.“
Nur dann dürfte die Anwendung, die mit anderen Anwendungen von Google, Microsoft, Slack, Github, Linear und Figma vernetzt werden kann, ausreichend Kunden gewinnen. Die Konkurrenz ist groß und reicht von Microsofts To-Do-Programm über die Notiz-Apps von Apple und Google bis zu den Angeboten von Start-ups wie Task Coach.
Auf gar keinen Fall will Reber die Firma zu früh verkaufen – wie damals bei Wunderlist. „Der Deal war ein Appetizer, aber noch nicht das Hauptgericht“, sagte Reber. Das Ziel sei es nun, als Unternehmer „in der Champions League zu spielen“.