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T-Mobile und Sprint Telekom treibt größte Fusion trotz Corona voran – „Sind für T-Mobile sauber durchfinanziert“

Die größte Integration der Firmengeschichte wird von der Corona-Pandemie überschattet. Dennoch stehen die Chancen für ein starkes US-Geschäft gut.
14.05.2020 - 12:40 Uhr Kommentieren
„T-Mobile US erreicht inzwischen eine Marktkapitalisierung von mehr als 110 Milliarden Dollar.“ Quelle: imago images/sepp spiegl
Telekom-CEO Timotheus Höttges

„T-Mobile US erreicht inzwischen eine Marktkapitalisierung von mehr als 110 Milliarden Dollar.“

(Foto: imago images/sepp spiegl)

Düsseldorf, New York Eigentlich war alles genau vorbereitet. Mit einer großen Kampagne wollte die Deutsche Telekom die Neuaufstellung ihres US-Geschäfts einläuten. Über Nacht sollten die Firmenschilder an den Filialen des einstigen Rivalen Sprint durch die der Telekom-Tochter T-Mobile getauscht werden. Der Ausbruch der Corona-Pandemie in den USA macht das unmöglich. Die Geschäfte waren geschlossen, als beide Konzerne zum 1. April ihren Zusammenschluss bekanntgaben.

Seit Wochen läuft die Telekom im Sondermodus. Die Corona-Pandemie überschattet das Geschäft weltweit. 180.000 Mitarbeiter sitzen im Homeoffice. Gleichzeitig muss der Konzern die größte Fusion der Firmengeschichte vorantreiben.

Der Zusammenschluss von T-Mobile US und Sprint formt eine Firma mit rund 80.000 Mitarbeitern bei einem Umsatz von rund 70 Milliarden Dollar und einem bereinigten Betriebsergebnis (Ebitda) von rund 24 Milliarden Dollar. Die Marke Sprint verschwindet. Der Konzern soll unter einem gestärkten Unternehmen T-Mobile US zusammengeschlossen werden.

Bei der Vorstellung der Quartalszahlen äußerte sich Telekom-CEO Timotheus Höttges erstmals zum Zwischenstand der Integration in den USA. „Schon wenige Tage nach dem Closing hat die neue T-Mobile Anleihen über 19 Milliarden Dollar begeben. Trotz des turbulenten Marktumfeldes“, sagte Höttges.

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    Das Management erwarte, dass der Zusammenschluss Synergien im Barwert von 43 Milliarden Dollar erbringen werde. Telekom-Finanzchef Christian Illek sagte: „Wir sind für die T-Mobile sauber durchfinanziert.“ Eine eigentlich geplante Brückenfinanzierung für die Fusion sei gar nicht nötig gewesen.

    Der Konzern spürt aber auch ersten Gegenwind. Erstmals sei mehreren Jahren konnte T-Mobile US in einem Quartal deutlich weniger als eine Million Neukunden hinzugewinnen. Waren es in den letzten drei Monaten des Vorjahres noch rund 1,1 Millionen neue Kunden, belief sich diese Zahl im ersten Quartal 2020 nur noch auf rund 600.000 eigene Kunden. Hier macht sich die Corona-Pandemie bemerkbar.

    Zudem steht der Konzern vor der Aufgabe, die 80.000 Mitarbeiter, die bis vor wenigen Wochen noch Konkurrenten waren, jetzt in ein gemeinsames Team unter der neuen T-Mobile US zusammenzubringen – und das in Zeiten, in denen viele persönliche Treffen nicht möglich sind.

    Schneller als die Konkurrenz

    Trotzdem stehen die Chancen für einen Erfolg nicht schlecht. T-Mobile hat gute Bedingungen, um die etablierten Anbieter AT&T und Verizon herauszufordern, ist Roger Entner, der Gründer der Branchenberatung Recon Analytics überzeugt.

    „T-Mobile hat dank der Fusion einen Konkurrenten weniger und doppelt so viel Spektrum wie vorher. Sie haben jetzt die Möglichkeit, Marktführer zu werden“, sagte Entner. „T-Mobile wird längerfristig zusammen mit den Kabelanbietern der Gewinner sein, weil sie das beste Netz und die besten Preise bieten“, betont er. T-Mobile könne eine Geschwindigkeit von bis zu 600 bis 700 Megabits pro Sekunde (Mbps) anbieten, während Konkurrenten nur auf Downloadraten von rund 100 Mbps kommen.

    Beide Unternehmen haben lange darauf hingearbeitet, den Angriff auf den US-Markt zu starten. Zwei Jahre hat es gedauert, bis T-Mobile und Sprint endlich die letzten juristischen Hürden genommen hatten. Jetzt sind die Nummer drei und die Nummer vier auch offiziell verschmolzen, und die Telekom-Tochter kann die Vorteile endlich realisieren.

    Grafik

    Kurz vor der Ziellinie konnte T-Mobile sogar noch einen Preisnachlass aushandeln. Die Telekom hat die Kontrolle über das vereinigte Unternehmen, stellt neun der 14 Sitze im Board und hält bei 42 Prozent der Aktien aber 67 Prozent der Stimmrechte.

    Goldman-Sachs-Analyst Brett Feldman erwartet, dass es für T-Mobile weiter bergauf gehen wird. Die Fusion dürfte die Kosten erheblich senken und die Gewinnspannen deutlich erhöhen – auch wenn das Vorhaben erstmal Milliarden verschlingt, weil die Netze zusammengelegt werden müssen.

    Zudem habe das vereinigte Unternehmen beim Ausbau des nächsten Mobilfunkstandards 5G Vorteile gegenüber den Konkurrenten Verizon und AT&T. Feldman traut T-Mobile zu, das ohnehin schon starke Kundenwachstum noch deutlich zu beschleunigen - trotz traditionell hoher Abwanderungsraten bei Sprint.

    Das erste Quartal – das letzte, das T-Mobile alleine ausweist – konnte das Unternehmen erfreulich gut abschließen. Das Nettoergebnis kletterte um fünf Prozent auf einen neuen Rekord von 951 Millionen Dollar. Der Umsatz legte ganz leicht auf 11,1 Milliarden Dollar zu.

    Geschlossene Shops, weniger Neukunden

    Für das Unternehmen T-Mobile, das bisher mit seinen aggressiven Angeboten den anderen Anbietern die Kunden abgejagt hat, bedeuten weniger offene Läden auch ein langsameres Wachstum. Andererseits heißt das auch, dass die Kunden, die in der Vergangenheit zu T-Mobile gekommen sind, länger bleiben. „Das ist positiv, denn es dauert im Durchschnitt ein Jahr, bis ein Neukunde Geld bringt“, erklärt Entner.

    Theoretisch können Kunden ihren Mobilfunkanbieter auch im Internet wechseln. Aber die meisten Verträge schließen die US-Amerikaner in den Shops ab: „Vor Corona wurden nur zehn Prozent der Kundenabschlüsse im Internet getätigt“, weiß Entner.

    Auch bei den Callcentern wird sich mit der Coronakrise einiges ändern. So sei dort die Krankenquote von 15 Prozent auf acht Prozent gefallen, seit die 40.000 Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten, beobachtet Entner. „Sie werden auch nach der Pandemie nicht mehr 17 Callcenter in Amerika haben, sondern nur noch ein paar für die Schulungen“, prophezeit er.

    Auch bei den Geschäften werde T-Mobile trotz aller Versprechungen seine Strategie anpassen müssen, ist Entner überzeugt. Die Menschen kaufen nicht mehr so ein wie vorher. „Wer will in Zukunft noch einen Mobilfunkvertrag mit 30 Zentimeter Abstand vom Verkäufer abschließen?“, fragt er.

    Schon jetzt hat T-Mobile angekündigt, die Zahl der Geschäfte von Drittanbietern deutlich zu reduzieren. Das Coronavirus könnte ein willkommener Anlass sein, weitere Läden zu schließen.

    Noch werden T-Mobile und Sprint von den Verbrauchern als getrennte Marken wahrgenommen. Aber im Hintergrund seien die beiden Unternehmen bereits zusammengelegt, sagte CEO Mike Sievert diese Woche auf einer JP Morgan -Konferenz. Im Sommer soll dann die Marke T-Mobile auch nach außen für alle eingeführt werden.

    Dafür könnte auch Rückendeckung aus Europa wichtig werden. Bislang steht die Deutsche Telekom stark da. Trotz Corona-Pandemie bestätigte CEO Höttges die Prognose für das laufende Jahr. Demnach soll im laufenden Jahr ein operativer Ertrag (bereinigtes Ebitda ohne Leasingkosten) in Höhe von 25,5 Milliarden Euro erzielt werden. Bislang habe die Telekom durch die Pandemie netto gelitten, sagte Finanzchef Illek. Aufgrund der Streichung von Ausgaben etwa bei Werbung oder Beratungsaufträgen sei der Rückgang ausgeglichen worden.

    Insgesamt konnte die Telekom jedoch einen starken Auftakt in das neue Jahr verbuchen. Die Erlöse stiegen im ersten Quartal um 2,3 Prozent auf 19,9 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebitda erhöhte sich um 10,2 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro.
    Ein Schwachpunkt in der Bilanz des Dax-Konzerns blieb jedoch die Großkundentochter T-Systems. Bei ihr fiel der für das künftige Geschäft wichtige Auftragseingang um 13,4 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Der Umsatz stagnierte bei etwa 1,6 Milliarden Euro.

    Mehr: Die Telekom hat das Innenministerium wissen lassen, dass er beim 5G-Ausbau eng mit dem umstrittenen Ausrüster Huawei kooperieren will. Das führt zu Streit.

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