Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Technologie Die Chipindustrie trotzt der Krise – und investiert Milliarden

Trotz Krise starten die Konzerne eine Investitionsoffensive. Samsung baut eine Fabrik in Korea, TSMC in Amerika. Die Motive sind nicht nur wirtschaftlicher Natur.
31.05.2020 - 15:33 Uhr Kommentieren
Bei den Chipzulieferern bahnt sich eine Übernahme an. Quelle: Bloomberg
Chipindustrie

Bei den Chipzulieferern bahnt sich eine Übernahme an.

(Foto: Bloomberg)

München Noch hat die Coronakrise die Welt fest im Griff. Die Chipindustrie allerdings rüstet sich bereits für die Zeit nach der Pandemie: Die führenden Hersteller investieren derzeit so viel wie schon lange nicht mehr.

So begann der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung in diesen Tagen mit dem Neubau einer hochmodernen Halbleiterfabrik. Das Werk südlich von Seoul ist Teil einer Investitionsoffensive über insgesamt 116 Milliarden Dollar und soll Ende nächsten Jahres in Betrieb gehen. Es wird unter anderem Chips für den neuen Mobilfunkstandard liefern.

Samsung gehört zu mehreren Konzernen, die gerade tief in die Kasse greifen. Parallel dazu macht sich der Rivale TSMC daran, einen neuen Standort in Arizona zu erschließen. Die Taiwaner sind der weltgrößte Auftragsfertiger, das heißt, sie stellen Chips für andere Halbleiterfirmen her. Zwölf Milliarden Dollar nimmt der Konzern nun in die Hand für die neue Fab, wie die Werke in der Branche heißen. Sie soll in vier Jahren fertig sein.

Gleichzeitig haben chinesische Staatsfonds mehr als zwei Milliarden Dollar in ein Werk des einheimischen Herstellers SMIC in Schanghai gesteckt. Der Ausstoß der Fabrik soll sich in Zukunft vervielfachen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Unabhängigkeit vom Ausland

    Hinter den gewaltigen Investitionen steckt wirtschaftliches, aber auch politisches Kalkül. Denn US-Präsident Donald Trump versucht seit Jahren, die Chipproduktion zurück nach Amerika zu holen. Daher investiert TSMC jetzt erstmals in den USA.

    Gleichzeitig erschwert es der Politiker den Halbleiterherstellern weltweit immer mehr, Huawei zu beliefern. Im Mai erhöhte Trump die Hürden noch einmal deutlich.

    Der Konzern ist eines der bedeutendsten Technologieunternehmen Chinas. Daher ist es für die Volksrepublik wichtig, die eigene Chipindustrie zu stärken, um nicht mehr so abhängig vom Ausland zu sein.

    Und es gibt einen weiteren Grund für die hohen Investitionen: Während sich etwa die Autobranche auf eine lang anhaltende Flaute einstellt, rechnen die Chiphersteller in den nächsten Jahren mit einem wachsenden Geschäft. Schon heute läuft es in der Branche zudem besser als in vielen anderen Industrien.

    Grafik

    Beispiel Nvidia: Um mehr als ein Drittel ist der Umsatz des Chipherstellers im ersten Quartal des Geschäftsjahrs in die Höhe geschossen. Es endete am 26. April und beinhaltet daher eine längere Phase der Kontaktbeschränkungen in weiten Teilen der Welt. Der Gewinn der Amerikaner hat sich in dem Zeitraum mehr als verdoppelt.

    Nvidia profitiert davon, dass die Betreiber von Rechenzentren massiv aufrüsten, um den durch Corona gestiegenen Datenverkehr zu bewältigen. Der Konzern liefert die Prozessoren, also die Herzstücke der Netzwerkrechner.

    Außerdem produzieren die Kalifornier auch Prozessoren für leistungsstarke Gaming-Rechner – Videospiele sind angesichts der in vielen Ländern geltenden Quarantäne besonders gefragt.

    Eine Milliarde in ein paar Stunden

    Und auch für Micron läuft es trotz Krise und schwächelnder Weltwirtschaft vergleichsweise gut. Der amerikanische Speicherchip-Produzent hat gerade erst verkündet, dass das vor wenigen Tagen beendete dritte Quartal des Geschäftsjahrs besser gelaufen sei als erwartet.

    So werde der US-Konzern bis zu 5,4 Milliarden Umsatz erzielen, das sind 200 Millionen mehr, als das Unternehmen bislang im besten Fall erwartet hatte. Auch der Gewinn soll deutlich höher ausfallen als noch im März prognostiziert. Gründe dafür nannte Micron allerdings nicht.

    Die Investoren sehen die Hersteller denn auch wohlwollend. So gelang es Infineon gerade erst, eine Kapitalerhöhung über gut eine Milliarde Euro binnen weniger Stunden zu platzieren. Dabei bekam der Dax-Konzern deutlich mehr Geld pro Aktie als noch vor Jahresfrist.

    Bei einer ersten Kapitalerhöhung vergangenen Juni hatte Deutschlands größter Chiphersteller noch zehn Prozent neue Papiere ausgeben müssen, um 1,5 Milliarden Euro zu erlösen, nun reichte eine Aufstockung um vier Prozent für 1,06 Milliarden. Die Münchener verwenden das Geld für den jüngst abgeschlossenen Kauf des US-Rivalen Cypress für neun Milliarden Euro.

    Druck durch Samsung

    Die Chips von Nvidia, aber auch von anderen US-Technologiekonzernen wie Apple oder Qualcomm stammen unter anderem aus den Fabriken von TSMC. Bislang fertigt der Konzern vor allem in seiner Heimat Taiwan, aber auch in der Volksrepublik China. Nun bekommt die weltgrößte sogenannte Foundry ein wesentliches Standbein in Amerika.

    Dort könnten Halbleiter entstehen, die besonders sicherheitsrelevant sind für das Land. Der Plan sei ein „Zeichen, dass die politische Agenda von Präsident Trump zu einer Renaissance der fertigenden Industrie in Amerika geführt hat“, jubelte Handelsminister Wilbur Ross. Die Vereinigten Staaten seien nun der „attraktivste Platz der Welt, um zu investieren“.

    Ein Strategieschwenk und der Abschied aus Asien ist die Standortentscheidung allerdings nicht. Denn zwölf Milliarden Dollar sind zwar viel Geld. Die gesamte Summe soll aber erst bis Ende des Jahrzehnts fließen. Zudem sind andere Fabs noch viel teurer: So geht in Taiwan dieses Jahr eine Fabrik von TSMC in Betrieb, die 17 Milliarden Dollar kostet.

    Dazu kommt: TSMC steht unter Druck – und zwar durch Samsung. Die Koreaner sind seit Jahren weltgrößter Hersteller von Speicherchips. Nun wollen sie auch noch das Geschäft als Auftragsfertiger erobern und dringen damit in die Domäne von TSMC ein. 116 Milliarden Dollar stünden für Investitionen in die Chipsparte künftig zur Verfügung, kündigte der Konzern vergangenes Jahr im April an.

    Nun schreiten die Asiaten trotz Krise zur Tat und fangen mit dem Fabrikneubau an. „Das eröffnet uns neue Möglichkeiten und sorgt für solides Wachstum unseres Foundry-Geschäfts”, sagte ES Jung, Chef der Auftragsfertigung von Samsung. Noch bevor das neue Werk in Pyeongtaek Ende 2021 in Betrieb gehen wird, fährt der Elektronikkonzern im Herbst bereits eine ebenso teure neue Fabrik in Hwaseong im zweiten Halbjahr hoch.

    Die Chipbranche scheint also gut gerüstet, wenn die Weltwirtschaft wieder richtig anspringt und es neue Aufträge gibt.
    Mehr: So profitiert Infineon vom kontaktlosen Bezahlen.

    Startseite
    Mehr zu: Technologie - Die Chipindustrie trotzt der Krise – und investiert Milliarden
    0 Kommentare zu "Technologie: Die Chipindustrie trotzt der Krise – und investiert Milliarden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%