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Technologie Homeoffice beschert der Chipbranche steigende Umsätze

In Coronazeiten rüsten viele Arbeitnehmer ihr Büro auf. Darum kommen die Halbleiterhersteller deutlich besser durch die Krise als erwartet.
30.06.2020 - 14:50 Uhr Kommentieren
Die Heimarbeit während der Coronakrise sorgt für gute Geschäfte der Hersteller. Quelle: Moment/Getty Images
Computerchips

Die Heimarbeit während der Coronakrise sorgt für gute Geschäfte der Hersteller.

(Foto: Moment/Getty Images)

München Bricht die Halbleiterindustrie ein, dann geht es sechs Wochen später auch mit der Weltwirtschaft bergab. Eine Regel, die über viele Jahre galt – und heute nicht mehr gilt. Denn im Frühjahr 2020 hat sich die Branche erstmals von der Konjunktur abgekoppelt.

Bis Ende April seien die Umsätze trotz der Coronakrise weltweit leicht gestiegen, teilte der Branchenverband ZVEI an diesem Dienstag mit. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor. „Es wird mehr Elektronik verbraucht“, begründete ZVEI-Marktexperte Sven Baumann die überraschende Entwicklung. Das liege wiederum daran, dass die Menschen rund um den Globus angesichts der Pandemie zu Hause arbeiten würden und sich dafür mit dem nötigen Equipment eindecken.

Die Weltwirtschaft ist derweil im freien Fall. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge wird sie dieses Jahr um 4,9 Prozent einbrechen. Im April hatte der IWF einen Rückgang um drei Prozent vorhergesagt. Im Januar, vor der Ausbreitung des Coronavirus, hatte der IWF noch mit solidem Wachstum gerechnet.

Der große Aufschwung, auf den die Chipindustrie gehofft hatte, bleibt dieses Jahr trotzdem aus. Denn 2019 ist der Branchenumsatz um gut zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Aber angesichts der gewaltigen Wirtschaftsflaute können die Chipkonzerne durchaus zufrieden sein. „Der Mikroelektronikmarkt bleibt stabil“, erläuterte Baumann.

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    Der ZVEI geht davon aus, dass die Branche ungeachtet der Pandemie bis 2024 im Schnitt jedes Jahr um gut fünf Prozent wachsen wird. Wenn die Vorhersage zutrifft, wird der Industrieumsatz von 412 Milliarden Dollar im Jahr 2019 auf 532 Milliarden Euro in vier Jahren klettern.

    Das heißt allerdings nicht, dass alle Hersteller gleichermaßen profitieren. Für die europäischen Halbleiterproduzenten wie Infineon oder NXP ist die Autoindustrie der wichtigste Abnehmer. Sie leiden darunter, dass der Fahrzeugabsatz in den vergangenen Monaten rund um den Erdball massiv zurückgegangen ist. An die niedrigen Stückzahlen müssten sich die Konzerne gewöhnen, fürchtet der ZVEI. Das Niveau von 2019 werde wohl erst 2024 wieder erreicht.

    Immer mehr Chips im Auto

    Trotzdem können die Produzenten mit steigenden Erlösen ihrer Autosparten rechnen. So erwartet der ZVEI ein jährliches Umsatzplus mit Kfz-Halbleitern von 5,3 Prozent bis 2024. Das liege einerseits daran, dass immer mehr Hybrid- und Elektrofahrzeuge verkauft würden. Darüber hinaus würden Fahrer-Assistenzsysteme immer populärer. So steige der Chipverbrauch pro Wagen von derzeit 560 Dollar auf 710 Dollar in vier Jahren. Der globale Umsatz der Branche in diesem Segment wachse von 50 Milliarden Dollar im Jahr 2019 auf 65 Milliarden Dollar im Jahr 2024.

    Infineon ist mit der Übernahme des kalifornischen Rivalen Cypress dieses Frühjahr zum größten Autochiphersteller der Welt aufgestiegen. Neun Milliarden Euro legte Deutschlands wichtigster Halbleiterhersteller für die Amerikaner auf den Tisch. Der Münchener Dax-Konzern überholte mit der Akquisition NXP aus den Niederlanden.

    Die ehemalige Siemens-Sparte kassierte zuletzt zwar die Jahresprognose. Im laufenden Geschäftsjahr, das am 30. September endet, werde der Umsatz organisch um rund fünf Prozent zurückgehen, teilte Infineon mit. Damit verfehlt Vorstandschef Reinhard Ploss seine Prognose aus dem vergangenen Herbst deutlich. Damals hatte der Ingenieur ein Plus von fünf Prozent in Aussicht gestellt.

    Grafik

    Außerdem werde die operative Marge sinken. Der Grund dafür ist vor allem die geringere Auslastung der Werke. Angesichts der weltweiten Wirtschaftsflaute schlägt sich der Dax-Konzern dennoch wacker. Von dramatischen Umsatz- und Ergebnisrückgängen, wie sie zuletzt andere große deutsche Firmen veröffentlichten, sind die Bayern weit entfernt.

    Ob sich die Chipbranche allerdings dauerhaft von der Weltwirtschaft abkoppeln kann, ist offen. Es sei unklar, wie sich die Pandemie längerfristig auf das Geschäft auswirken werde, warnte Baumann.

    Eine Entwicklung scheint jedoch unaufhaltsam: „China rennt allen davon“, so Baumann. In der Volksrepublik erzielten die Halbleiterhersteller vergangenes Jahr 35 Prozent vom weltweiten Umsatz, noch einmal gut einen Prozentpunkt mehr als 2018. China ist der mit Abstand wichtigste Markt für die Produzenten, und er wird jedes Jahr bedeutsamer. Zuletzt war China auch das einzige große Land, in dem wieder mehr Autos verkauft wurden.

    Für Firmen wie Infineon oder NXP ist der Markt in Fernost auch aus einem anderen Grund hochattraktiv: Die einheimischen Hersteller spielen im Moment noch keine große Rolle, so Baumann. Ihr Anteil an der Welthalbleiterproduktion liegt bei nur fünf Prozent.

    Die Chipindustrie ist ohnehin ein äußerst exklusiver Klub. Zählt man die EU als ein einziges Land, so vereinen sechs Nationen 99 Prozent der globalen Chipproduktion.

    Mehr: Trump gegen China: Der Kampf um die Chipindustrie

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