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TechnologieZwischen Boom und Rezession: Der heikle Balanceakt des neuen Infineon-Chefs

Jochen Hanebeck hat einen glänzenden Start erwischt an der Spitze des Dax-Konzerns. Nun steht der Ingenieur vor seiner ersten großen Bewährungsprobe als CEO.Joachim Hofer 03.08.2022 - 15:10 Uhr Artikel anhören

Der Chipkonzern wächst stärker als erwartet.

Foto: Bloomberg

München. . Start nach Maß für Jochen Hanebeck: In seinem ersten Quartal an der Spitze von Infineon hat der Ingenieur die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Mehr noch: Der neue Chef des Münchener Chipherstellers hat die Prognose für das Geschäftsjahr um eine halbe Milliarde auf 14 Milliarden Euro angehoben.

Es könnte also nicht besser laufen. Trotzdem befindet sich der 54-Jährige in einer schwierigen Lage. Auf der einen Seite muss Hanebeck investieren, um den kräftig wachsenden Bedarf seiner Kunden zu befriedigen. „Lieferengpässe sind weit verbreitet“, sagte Hanebeck am Mittwoch bei der Bekanntgabe der Geschäftszahlen für das dritte Quartal.

Auf der anderen Seite aber ist völlig ungewiss, wie lange der Boom noch dauert. Die Folgen des Ukrainekriegs, das Gerangel um Taiwan, die Lockdowns in China: Von allen Seiten droht Übles – und damit mögliche Überkapazitäten und hohe Kosten für den Fall, dass die Nachfrage einbricht.

Hanebeck ist sich des Balanceakts bewusst: „Wir beobachten die Marktentwicklung genau und sind darauf vorbereitet, umgehend zu handeln“, sagte der Manager.

Auf den ersten Blick scheint es so, als könnte sich Hanebeck beruhigt zurücklehnen. Beim Dax-Konzern stehen Aufträge über 42 Milliarden Euro in den Büchern. Das sind fünf Milliarden Euro mehr als Ende Juni. Selbst wenn sich das Orderbuch halbierte, würde ihn das nicht nervös machen, betonte der Manager in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Infineon zeigt sich robust

Andererseits ist Hanebeck lange genug im Chipgeschäft, um zu wissen: Auf einen steilen Aufstieg folgt meist ein tiefer Fall. Und so berichtete der Vorstandschef am Mittwoch auch davon, dass sich das Geschäft mit Chips für konsumnahe Anwendungen bereits deutlich beruhigt habe. „Es scheint, dass wir uns dem Ende eines langen Aufschwungs nähern“, warnte Hanebeck.

„Der Markt kühlt sich ab“, sagt auch Gartner-Analyst Richard Gordon, „und der Chipmangel findet langsam ein Ende.“ Angesichts der vielen wirtschaftlichen Unwägbarkeiten gäben die Konsumenten weniger Geld für Computer und Smartphones aus als erwartet.

Das trifft Infineon allerdings weniger als Halbleiterhersteller wie AMD, Intel oder Samsung. Denn vor allem das für Infineon wichtige Autogeschäft zeigt sich robust. So rechnen die Marktforscher von Gartner wegen des Booms der Elektrofahrzeuge mit einem zweistelligen Plus bei Autochips über die nächsten drei Jahre.

Derzeit enthalte ein Auto im Schnitt Halbleiter im Wert von 712 Dollar. 2025 sollen es 931 Dollar sein. Auch für das autonome Fahren benötigen die Automarken mehr Chips.

Der Manager hat die Prognose erhöht und erfreut damit die Anleger.

Foto: dpa

Es wäre nicht die erste Krise, die Hanebeck zu bewältigen hätte. Der Manager hat sein gesamtes Berufsleben bei Deutschlands größtem Chiphersteller verbracht. Der gebürtige Dortmunder fing 1994 als Entwicklungsingenieur bei den Speicherchips an. Später führte er mehrere Jahre lang die Autodivision, den größten und wichtigsten Bereich.

Bis zum Sprung auf den Chefsessel am 1. April war er als Chief Operating Officer unter anderem für die Werke verantwortlich. Unmittelbar vor seiner Beförderung eröffnete Hanebeck vergangenen Herbst eine neue Fabrik für Leistungshalbleiter in Villach - drei Monate früher als geplant.

Von den langfristigen Wachstumschancen des Konzerns ist Hanebeck fest überzeugt. Noch unter seinem Vorgänger Reinhard Ploss haben die Münchener zu Jahresbeginn eine wegweisende Entscheidung gefällt: Für zwei Milliarden Euro entsteht eine neue Fabrik in Kulim in Malaysia. Mit dem Werk will Hanebeck künftig jährlich einen zusätzlichen Umsatz von zwei Milliarden Euro erzielen.

Analysten warnen vor Überkapazitäten

So wie Infineon, so investieren die Chiphersteller weltweit massiv in neue Werke. Früher oder später sei daher weltweit mit Überkapazitäten zu rechnen, meint Gartner-Analyst Gordon. So werde der Umsatz der Chipbranche kommendes Jahr um knapp drei Prozent schrumpfen.

Allerdings sind Chips für die Autobranche und Industrieanwendungen, wie sie Infineon anbietet, nach wie vor stark gefragt und die Produktionskapazitäten auf absehbare Zeit knapp. Denn es dauert, bis die Fabriken stehen. „Die großen Investitionen in reifere Technologien starten jetzt. Daher wird es noch einige Jahre dauern, bis die Angebotslücke geschlossen ist“, sagt Peter Fintl, Chipexperte der Beratungsgesellschaft Capgemini.

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Die Börse betrachtete Infineon zuletzt eher skeptisch. Seit Hanebecks Amtsantritt ist der Kurs um rund 15 Prozent gesunken. Der Dax gab im selben Zeitraum lediglich sieben Prozent nach. Und auch wichtige Wettbewerber wie NXP oder STMicroelectroncis schlugen sich besser auf dem Parkett.

Mit den jüngsten Quartalszahlen und der höheren Prognose konnte Hanebeck die Anleger am Mittwoch indes überzeugen: Der Aktienkurs kletterte um gut zwei Prozent, damit gehörte Infineon zu den größten Gewinnern im Dax.

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