Technologiekonzern: Japans Technologieinvestor Softbank schreibt tiefrote Zahlen
Unternehmensgründer Masayoshi Son hat massiv in Tech-Werte investiert, die aktuell stark an Wert verlieren.
Foto: ReutersUnterm Strich steht der größte Quartalsverlust in der Geschichte des japanischen Unternehmens. Insgesamt summierte sich der Fehlbetrag im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 1,7 Billionen Yen (rund 12,5 Milliarden Euro).
Der Absturz ist groß: Noch im Vorjahr hatte Softbank mit fünf Billionen Yen (rund 36,7 Milliarden Euro) den höchsten Reingewinn seiner Geschichte bilanziert. Doch der rapide Wertverlust der Tech-Beteiligungen im Portfolio hat den umtriebigen Investor kalt erwischt.
Softbank passt den Wert seiner Beteiligungen vierteljährlich an und verbucht Gewinne und Verluste in ihrem Abschluss, auch wenn sie nicht realisiert sind. Die Fondssparte verzeichnete daher nun einen Verlust von 2,64 Billionen Yen, so viel wie noch nie zuvor.
Der Wandel vom technologischen Mischkonzern zum Investmentkonzern, der in den vergangenen Jahren massiv vorangetrieben wurde, rächt sich nun. Gründer Masayoshi Son hatte zwei Milliardenfonds aufgelegt, um in Start-ups zu investieren, denen er disruptives Potenzial einräumt: Allein der Vision Fund gilt als 100 Milliarden Dollar schwer, der Nachfolger Vision Fund 2 kommt auf weitere 51 Milliarden Dollar.
Doch Technologieaktien standen in den vergangenen Monaten weltweit stärker unter Druck als viele klassische Konzerne. Neben Sorgen um die weltweite Konjunktur sind es vor allem die steigenden Zinssätze, die den Höhenflug vieler Start-ups gebremst haben. In China, einem wichtigen Markt für Softbanks Investitionen, bremst die strengere Regulierung den einstigen Boomsektor.
Hinzu kommen Probleme bei nicht börsennotierten Technologiefirmen, deren Bewertungen ebenfalls massiv unter Druck stehen. Das macht sich vor allem beim Vision Fund 2 bemerkbar, der unter anderem Geld in das Berliner Solar-Start-up Enpal, den Logistik-Dienstleister Forto und die E-Scooter-Firma Tier gesteckt hat. Ähnlich erging es jüngst auch Konkurrenten wie Tiger Global.
Grab und Didi im Tiefflug
Im abgelaufenen Geschäftsjahr waren die Japaner auch zum größten Einzelaktionär bei der Deutschen Telekom hinter dem Bund aufgestiegen. Softbank will künftig enger mit dem Bonner Dax-Konzern zusammenarbeiten. Um an frisches Kapital zur Finanzierung des milliardenschweren Aktienrückkaufprogramms zu kommen, hat das Unternehmen zuletzt auch Aktien der Telekom-Tochter T-Mobile US an die Bonner verkauft.
Gewinne zieht Softbank aktuell vor allem aus seinem japanischen Mobilnetz Softbank und dem britischen Chipdesigner Arm, dessen Fusion mit dem Grafikkartenhersteller Nvidia gescheitert ist. Doch die können die hohen Verluste aus den Beteiligungen aktuell nicht ausgleichen.
Für Softbank-Chef Son ein Grund zu bremsen: „Nun ist es an der Zeit, eine defensive Position einzunehmen“, erklärte er bei der Vorstellung der Bilanz. Beteiligungen sollen verkauft werden, um größere Bargeldreserven aufzubauen. Für neue Investitionen gelten striktere Kriterien. Er will aber weiter in Unternehmen investieren. Allerdings könne die Summe dieses Jahr abhängig von den Marktbedingungen im Vergleich zu 2021 um 50 oder 75 Prozent sinken.
Son hatte bereits vor zwei Jahren – auf dem Höhepunkt der Coronapandemie – Anteile im Wert von 4,5 Billionen Yen verkauft, um Schulden abzubauen und eigene Aktien zurückzukaufen. Damit konnte er damals den Kurs der Softbank-Aktie stabilisieren. Steigende Kurse trieben dann Softbanks Aktienkurs nach oben, sodass Son plötzlich seine vermeintlichen Rettungsgelder in eine erneute Expansion stecken konnte.
Arm-Börsengang bleibt große Hoffnung
Doch so viel Kraft für die Kurspflege entfaltet Son dieses Mal nicht. Bereits im vergangenen Jahr hatte Softbank angekündigt, sich von Aktien im Wert von einer Billion Yen trennen zu wollen. Son kündigte keine neuen Rückkäufe an, auch keine zusätzliche Monetarisierung. Die sei inzwischen Tagesgeschäft, sagte er. Voriges Jahr erzielte Softbank 5,6 Billionen Yen durch Börsengänge und Verkäufe.
Die große Hoffnung für dieses Jahr ist der Börsengang des britischen Chipdesigners Arm, der unter anderem beim iPhone-Hersteller Apple den US-Chiphersteller Intel als Chippartner ersetzt hat. Der Schritt ist zwar für Son nur Plan B. Ursprünglich hatte er auf eine Fusion mit Nvidia gesetzt, die Wettbewerbshüter in mehreren Märkten aber ablehnten.
Nachdem ein Managementstreit bei der chinesischen Landesniederlassung der Chipexperten laut Son in den vergangenen zwei Wochen gelöst wurde, scheint der Weg an die Börse nun frei. Der IPO solle in „absehbarer Zukunft“ stattfinden, sagte Son. Einen genauen Zeitplan blieb er schuldig.
Seinen Optimismus hat Son mit dem Wertverlust der Beteiligungen aber nicht verloren. Der Netto-Vermögenswert sei seit Dezember nur leicht auf 18,5 Billionen Yen gesunken, der Verschuldungsgrad habe sich sogar verbessert, betonte er. Der Konzern habe aus Börsengängen seiner Portfoliounternehmen und Aktienverkäufen mehr eingenommen, als er in neue Firmen investiert habe. „Unser Ökosystem funktioniert“, gab sich der Softbank-Chef kämpferisch.