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Telekombranche 1&1 muss wegen Datenschutzverstoß Millionenstrafe zahlen

Der Bundesdatenschutzbeauftragte verhängt ein Bußgeld in Höhe von 9,55 Millionen Euro gegen den Technologiekonzern. Die Firma will gegen die Strafe klagen.
09.12.2019 - 18:33 Uhr 1 Kommentar
Dem Internetunternehmen droht ein Bußgeld in Höhe von zehn Millionen Euro. Quelle: dpa
1&1 in Montabur

Dem Internetunternehmen droht ein Bußgeld in Höhe von zehn Millionen Euro.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber hatte ein härteres Vorgehen gegen Unternehmen bei Verstößen angekündigt. Am Montag verhängte seine Behörde ein Bußgeld in Höhe von 9,55 Millionen Euro gegen den Telekommunikationsdienstleister 1&1.

Kelber sagte zu dem Schritt: „Datenschutz ist Grundrechtsschutz. Die ausgesprochenen Geldbußen sind ein klares Zeichen, dass wir diesen Grundrechtsschutz durchsetzen werden.“ 1&1 habe Informationen seiner Kunden nicht ausreichend geschützt, befand Kelber.

Seine Behörde wirft dem Unternehmen vor, an der Kundenhotline zu leichtfertig „weitreichende Informationen zu weiteren personenbezogenen Kundendaten“ herausgegeben zu haben. In einem konkreten Fall habe es ausgereicht, den Namen und das Geburtsdatum eines Kunden zu nennen, um an weitreichende Informationen zu gelangen.

1&1 kündigte eine Klage gegen den Bußgeldbescheid an. Die Datenschutzbeauftragte des Unternehmens, Julia Zirfas, sagte: „Das Bußgeld ist absolut unverhältnismäßig.“ Die Berechnung der Bußgelder am Umsatz der Unternehmen sei überzogen und nicht in der Datenschutz-Grundverordnung vorgesehen, argumentierte Zirfas.

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    Das Unternehmen führte aus: „Der fragliche Fall ereignete sich bereits 2018. Konkret ging es um die telefonische Abfrage der Handynummer eines ehemaligen Lebenspartners.“ Die Mitarbeiterin an der Hotline habe sich an die damals üblichen Sicherheitsrichtlinien gehalten. Mittlerweile seien die Vorgaben weiter verschärft worden.

    Das Bußgeld trifft 1&1 mitten in einer wichtigen Phase. Die Muttergesellschaft United Internet kündigte am Montag an, die Überkreuzbeteiligung mit dem Start-up-Entwickler Rocket Internet mit zwei Aktienrückkäufen auflösen zu wollen.

    „Die Beteiligung an Rocket Internet hat keinen großen strategischen Wert mehr für uns“, sagte eine United-Sprecherin in Montabaur. United Internet war kurz vor dem Börsengang des Berliner Unternehmens vor fünf Jahren bei Rocket eingestiegen, musste das Anteilspaket 2016 aber um eine Viertelmilliarde Euro abschreiben, weil die Rocket-Aktie rund die Hälfte ihres Wertes verloren hatte.

    Samwer kann Beteiligung an Rocket ausbauen

    Nun will Rocket Internet die verbliebene Beteiligung von 7,4 Prozent für 241 Millionen Euro zurückkaufen. Im Gegenzug kauft United einen Großteil des Aktienpakets von 5,5 Prozent, das Rocket erst vor einem Monat gemeldet hatte, für den gleichen Betrag zurück. Die Vorstandschefs und Großaktionäre Ralph Dommermuth (United Internet) und Oliver Samwer (Rocket) gelten als enge Vertraute.

    Dommermuth hatte bereits lange vor der Gründung von Rocket in einen Start-up-Fonds Samwers investiert. Rocket Internet war auf der Suche nach attraktiven Anlagemöglichkeiten für das Geld der Aktionäre kürzlich mit 12,3 Prozent bei Tele Columbus eingestiegen.

    Dommermuth ist bei dem Kabelnetzbetreiber mit 29,7 Prozent größter Aktionär. Zuletzt saß Rocket Internet nach dem Börsengang von mehreren Beteiligungen auf 2,6 Milliarden Euro.

    Zu den Motiven für die Entflechtung wollte sich eine Rocket-Sprecherin nicht äußern. Samwer hatte kürzlich Spekulationen dementiert, er wolle Rocket Internet von der Börse nehmen, um autonomer investieren zu können. Mit dem Rückkauf von insgesamt zehn Prozent der Rocket-Aktien und der anschließenden Einziehung der Papiere kann er seine Beteiligung von zuletzt 44 Prozent nun in Richtung 50 Prozent treiben.

    Wenn United Internet sein Anteilspaket im Zuge des Aktienrückkaufs nicht ganz losbekommt, weil sich zu viele andere Aktionäre dafür bewerben, will Samwer die restlichen United-Anteile zum gleichen Preis selbst übernehmen.

    Rocket bietet von Mittwoch an bis zum 18. Dezember je 21,50 Euro für seine eigenen Aktien – weniger als den Börsenkurs und insgesamt 324 Millionen Euro. Am Montag stiegen die Papiere im Xetra-Handel um 4,6 Prozent auf 22,75 Euro.

    United Internet will bis zu 4,4 Prozent seiner Aktien für 267 Millionen Euro kaufen, knapp vier Prozent will allein Rocket Internet abgeben. Auch hier liegt der Angebotspreis mit 29,65 Euro unter dem Börsenkurs von 30,47 Euro.
    Mit Material von Reuters.

    Mehr: United Internet konkretisiert seine Pläne, zum vierten Netzbetreiber aufzusteigen. Die Strategie ist auf Jahre angelegt – und wird Milliarden verschlingen.

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    1 Kommentar zu "Telekombranche: 1&1 muss wegen Datenschutzverstoß Millionenstrafe zahlen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ob der Datenschutzbeauftragte von der SPD auch beim Staatsunternehmen Telekom so draufgeschlagen hätte? Nein, da wird ein Einzelfall beim Privatunternehmen aufgeblasen und öffentlich angeprangert, und gleich geht die Aktie des betroffenen Unternehmens in den Keller. Aber die Aktio der SPD ist ja auch schon im Keller... Hier ist jede Verhältnismäßigkeit überschritten, es riecht nach politischer Motivation.

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