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Telekommunikation Ein Jahr nach der Milliardenauktion: So steht es um das deutsche 5G-Netz

6,5 Milliarden Euro haben Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch für die 5G-Frequenzen bezahlt. Sie liefern sich ein Wettrennen um den Netzaufbau – erste Ziele sind in Reichweite.
11.06.2020 - 17:30 Uhr Kommentieren
Die Mobilfunkfirmen wollen bis zum Ende des Jahres große Teile des Landes mit 5G abdecken. Quelle: dpa
5G Ausbau

Die Mobilfunkfirmen wollen bis zum Ende des Jahres große Teile des Landes mit 5G abdecken.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Genau ein Jahr ist es nun her, dass die neuen Frequenzen des Echtzeitmobilfunks 5G versteigert wurden. Deutschland soll in der Zukunftstechnologie immerhin zum Leitmarkt werden, wünscht sich die Regierung. Doch was ist seit den milliardenschweren Auktionen wirklich passiert? Welcher der großen Konzern-Akteure hat überhaupt schon mit dem Ausbau begonnen? Und wann werden die Konsumenten überhaupt 5G zur Verfügung haben?

Das Handelsblatt hat den aktuellen Stand und die Ausbaupläne der Mobilfunkunternehmen analysiert. Die Bestandsaufnahme zeigt, dass jetzt die Phase des massiven Ausbaus beginnt. Sie zeigt zudem, dass sich Gewinner und Nachzügler abzeichnen.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sagte dem Handelsblatt, es liege nun an den „Unternehmen, die Frequenzen zu nutzen und das Netz weiter auszubauen“. Teams der Mobilfunkunternehmen Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch lieferten einen harten Wettstreit.

Immer wieder überboten sich die Unterhändler der Konzerne, um einen möglichst lukrativen Zugang zu dem Zukunftsnetz zu bekommen. Insgesamt gaben die Firmen 6,5 Milliarden Euro aus. Die Zahlung dürften sie jedoch über rund ein Jahrzehnt strecken, wofür sie zugleich hohe Auflagen bekommen haben.

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Standort erkennen

    Dazu zählt, dass alle Autobahnen und Zugverbindungen mit dem schnellen Netz versorgt werden müssen. Homann kündigt an: „Wir werden die Umsetzung der Versorgungsauflagen genau überwachen.“ Aus gutem Grund. Bei der letzten Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen gab es trotz Auflagen viel zu viele Funklöcher.

    Die Ausgaben für das Funkspektrum waren für die Firmen jedoch nur der erste Schritt. Jetzt müssen sie ihre Infrastruktur für die neue Technik aufrüsten. 5G verspricht Datenübertragungen nahezu in Echtzeit. Die fünfte Mobilfunkgeneration soll nicht nur deutlich schneller als der aktuelle Standard 4G sein, sondern dank der geringen Latenz neue Anwendungen möglich machen. Vor allem die Industrie möchte mit der Technik ihre Produktion besser vernetzen.

    In den vergangenen zwölf Monaten haben die Unternehmen ihre Pläne für 5G konkretisiert. Besonders Deutsche Telekom und Vodafone überbieten sich mit immer neuen Ankündigungen. Gleichzeitig richten sich die Blicke auf Neueinsteiger 1&1 Drillisch, der mit einem eigenen Netz zum vierten Betreiber in Deutschland aufgestiegen ist.

    Das Handelsblatt hat zum Jahrestag der 5G-Versteigerung alle Netzbetreiber zum aktuellen Stand ihrer 5G-Netze und den weiteren Plänen befragt. Fazit: Noch gibt es wenige 5G-Standorte, bis Ende des Jahres soll die Technik aber schon großflächig ausgerollt sein.

    Wettkampf von Telekom und Vodafone

    Deutsche Telekom und Vodafone liegen beim bisherigen Stand ihres Ausbaus etwa gleichauf. Mit 220 5G-Mobilfunkstandorten bei der Telekom und 160 Standorten bei Vodafone ist der Unterschied nicht groß. Beide Firmen haben sich dazu entschlossen, zunächst vor allem die deutschen Großstädten fit für das neue Netz zu machen.

    Bis zum Jahresende dürfte der Abstand zwischen den beiden Anbietern jedoch deutlich größer werden. Während die Telekom 14.500 Standorte mit 5G-Mobilfunk anstrebt, hat Vodafone eine Zielmarke von 3000 Standorten ausgegeben.

    Der zum Ende des Jahres ausscheidende Deutschlandchef der Telekom Dirk Wössner kündigte an, noch innerhalb des Jahres 2020 rund 40 Millionen Deutsche mit 5G versorgen zu wollen. Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter gab für den gleichen Zeitraum die Zielmarke von zehn Millionen Kunden aus.

    Grafik

    Die Telekom will Vodafone übertrumpfen. Dem Rivalen war es gelungen, als erster Netzbetreiber schon Mitte Juli 2019 – wenige Wochen nach Ende der Auktion – sein Netz an einigen Stellen auf die neue Mobilfunkgeneration umzurüsten. Die Telekom bewarb zwar auch schon im Juli 5G-fähige Tarife für ihre Kunden. Aber erst im September wurde das Netz in den ersten Städten auch für Endkunden freigeschaltet.

    Über diesen Fall war auch Dirk Wössner intern stärker in die Kritik geraten, wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfuhr. Im Februar teilte der Konzern in einer knappen Meldung mit, Wössner habe beschlossen, seinen Ende 2020 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Der Präsidialausschuss des Aufsichtsrats habe „die Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis genommen“, hieß es in der Mitteilung. Das sonst oft übliche Lob für die Leistungen eines scheidenden Managers blieb aus. Bis heute hat die Telekom keinen Nachfolger für Wössner benannt.

    Der Rückstand beim 5G-Ausbau kam in der Konzernzentrale in Bonn nicht gut an. Das galt besonders, da die Telekom eigentlich bessere Voraussetzungen für den Umstieg auf 5G mitbrachte als die Rivalen.

    Denn um Mobilfunkstandorte verlässlich auf 5G umrüsten zu können, ist ein Anschluss mit Glasfaser nötig. Die Technik liefert auch unabhängig von Wettereinflüssen einen hohen Datendurchsatz. Die Telekom gibt den Anteil der Standorte, die bereits mit Glasfaser versorgt sind, mit etwa 75 Prozent an.

    Vodafone ist nicht so weit. Vor einiger Zeit hatte der Konzern aufgehört mitzuteilen, wie viele Standorte mit Glasfaser angeschlossen sind. Auf Nachfrage sagte ein Firmensprecher lediglich, in „Gebieten mit hohem Bedarf“ seien 90 Prozent der Standorte mit Glasfaser versorgt. Das sagt jedoch nichts über die Gesamtzahl aus.

    Vodafone-Deutschlandchef Ametsreiter hatte öffentlich argumentiert, neuester Richtfunk könne eine ähnlich gute Leistung wie Glasfaser bieten. In Branchenkreisen ist jedoch Konsens, dass nur Glasfaser die langfristig nötige Leistung und Verlässlichkeit bringen wird.

    Nachzügler Telefónica

    Als dritter Betreiber hängt Telefónica (Marke O2) deutlich hinter Telekom und Vodafone zurück. Auch ein Jahr nach Ende der Auktion hat der Ausbau des 5G-Netzes noch nicht begonnen. Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas hatte nach der Versteigerung der Frequenzen deutlich gemacht, dass sein Unternehmen zunächst das bestehende Netz verbessern wolle.

    Das ist auch nötig. Im April fing sich Telefónica eine deftige Rüge der Bundesnetzagentur ein. Die Behörde mahnt an, dass keiner der Netzbetreiber die Frist für Auflagen zur Mobilfunkversorgung bis Ende des Jahres 2019 eingehalten habe. Doch keine Firma hat die Vorgaben so stark verfehlt wie Telefónica. Anders ausgedrückt: Das Netz des Betreibers ist zu schlecht – und das hat nichts mit 5G zu tun.

    In allen 13 Flächenbundesländern seien die Versorgungsauflagen verfehlt worden, kritisierte die Bundesnetzagentur. Zudem seien die Hauptverkehrswege nur zu etwa 80 Prozent versorgt. Behördenchef Jochen Homann sagte: „Wir wollen in den nächsten Monaten nachprüfbare Verbesserungen sehen, die sicherstellen, dass die Auflagen bis zum Jahresende vollständig erfüllt werden.“

    Die wichtigsten Fragen zu 5G

    Diese Woche erhielt Telefónica nun eine große Chance, die Position auf dem deutschen Markt zu verbessern. Für 1,5 Milliarden Euro verkaufte das Unternehmen rund 10.000 Mobilfunkstandorte. Sollte das Geld in den Netzausbau investiert werden, könnte die Firma versuchen, zu Vodafone und Telekom aufzuschließen.

    Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas kündigte an: „Wir werden 5G in Deutschland massenmarktfähig und bezahlbar machen.“ Im laufenden Geschäftsjahr will der CEO 30 Prozent mehr in den Netzausbau investieren als im Vorjahr. Seit Jahren steckt Telefónica deutlich weniger in sein Netz als Telekom oder Vodafone.

    Für das Jahr 2020 wollte sich Telefónica noch auf keine Ziele für den 5G-Ausbau festlegen. Der Konzern kündigte lediglich an, bis 2022 insgesamt 30 Großstädte mit 16 Millionen Einwohnern mit 5G erreichen zu wollen. Das ist noch weit von einer Flächenversorgung entfernt. Zum Vergleich: Die Telekom will bis Ende 2025 mindestens 99 Prozent der Bevölkerung Deutschlands und 90 Prozent der Fläche mit 5G erreichen.

    Neueinsteiger 1&1 Drillisch wartet ab

    Als vierter Spieler war 1&1 Drillisch in das Wettrennen um 5G eingestiegen. CEO Ralph Dommermuth hatte Telekom, Vodafone und Telefónica vorgeworfen, ein Oligopol zu bilden. „Da braucht es einfach mehr Wettbewerb“, hatte er im Interview mit dem Handelsblatt gesagt. Für rund eine Milliarde Euro ersteigerte sein Unternehmen Frequenzen bei der 5G-Auktion.

    Im Gegensatz zu seinen Rivalen hat Dommermuth jedoch kein Netz, das er für 5G aufrüsten kann. Er muss neu bauen. Doch das wird Jahre dauern. Dommermuth will daher zumindest zwischenzeitlich den Zugang für seine Kunden auf bestehenden Netzen anmieten können.
    Doch noch konnten sich die Unternehmen nicht einigen. Dem Handelsblatt bestätigten die Unternehmen, dass sowohl von Telekom als auch von Vodafone und Telefónica Angebote für die Nutzung ihrer Netze vorliegen. Eine Unterschrift steht jedoch aus. 1&1 Drillisch sind die Angebote zu teuer.

    Die vergangenen zwölf Monate hat das Unternehmen dazu genutzt, einen detaillierten Plan für den Ausbau des Netzes zu entwickeln. Joachim Groß hat die Pläne ausgearbeitet. Der ausgebildete Nachrichtentechniker hat zehn Jahre bei Arcor gearbeitet und anschließend ein Jahrzehnt die Netze von Vodafone geplant, bis er 2018 abgeworben wurde.

    Er hat sich das Netz des japanischen Mobilfunkers Rakuten als Vorbild genommen, der seine Infrastruktur weitgehend virtualisiert hat. Das bedeutet, dass viele Eigenschaften des Netzes digital gesteuert werden können und aufwendige Konfigurationen der Netzkomponenten wegfallen. Im April startete das Netz in vier japanischen Großstädten.

    Die Planung für Deutschland sei weitgehend abgeschlossen, es fehlten aber noch zwei Unterschriften, sagte Groß dem Handelsblatt. Zunächst müsse eine Einigung mit einem Betreiber über die Mitnutzung seines Netzes stehen, das sogenannte National Roaming. Dann werde 1&1 Drillisch einen Vertrag mit einem Ausrüster für die Technik schließen. Drei Angebote lägen vor. Das Unternehmen habe sich aber noch nicht entschieden.

    Sind die Unterschriften getätigt, wird es jedoch noch Jahre dauern, bis 1&1 Drillisch weite Teile Deutschlands mit 5G versorgen kann. Ein Plan sieht vor, dass die Firma zwischen dem Jahr 2021 und dem Jahr 2030 rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung mit ihrem Netz erreichen wird.

    Je länger 1&1 Drillisch wartet, desto weiter ist die Technik entwickelt. Gleichzeitig steht die Firma jedoch unter Druck. Der Aufbau des 5G-Netzes soll das langfristige Geschäftsmodell des Unternehmens sichern. Seit dem Jahr 2018 hat es an der Börse mehr als 60 Prozent des Wertes eingebüßt. Allzu lange kann sich 1&1 Drillisch nicht mehr Zeit lassen.

    Mehr: Die Chancen und Risiken des neuen Mobilfunkstandards 5G.

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