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US-Softwareunternehmen Palantir: Viel Geheimniskrämerei statt offenem Diskurs

Der CEO des Softwareunternehmens Palantir Alex Karp gibt sich als moderner Hippie. Das Bild, das er von sich zeichnet, passt jedoch nicht zu der Firma, die er leitet.
11.03.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Blick auf das Palantir-Hauptquartier in Palo Alto.
Palantir

Blick auf das Palantir-Hauptquartier in Palo Alto.

Düsseldorf Alex Karp gibt sich als Freidenker. In Interviews erzählt er von seiner wilden Studienzeit in Deutschland, wo er in Philosophie promovierte und nebenher das Nachtleben erkundete. Er lässt wissen, dass er sein Leben als eine „künstlerische Reise“ verstehe, die es ihm erlaube, kreativ zu sein. Und er lässt sich beim Tai Chi mit Kollegen fotografieren.

Dieses Bild will jedoch nicht zur Firma passen, die der 52-jährige Amerikaner leitet: Palantir Technologies entwickelt Software für die Datenanalyse, die Geheimdienste und Ermittlungsbehörden bei der Suche nach Terroristen und Kriminellen einsetzen. Zu den Details äußert sich das Management nur vage. Geheimniskrämerei statt offenem Diskurs, Big Data statt kritischer Theorie.

Dabei zählt das Start-up aus Palo Alto mit einer Bewertung von mutmaßlich 20 Milliarden Dollar zu den Stars des Silicon Valley. Und mit seiner Technologie ist es bei Polizeibossen und Sicherheitsbehörden ein gefragter Gesprächspartner. Auch in Deutschland, wo mehrere Behörden die Software einsetzen oder an der Einführung arbeiten – unter argwöhnischer Beobachtung von Bürgerrechtlern und Datenschützern.

Die Idee entwickelte Peter Thiel: Der Mitgründer von Paypal überlegte in seiner Zeit beim Zahlungsdienstleister, dass sich Technologie zur Entdeckung von Betrügereien auf andere Lebensbereiche übertragen lassen müsste – zum Beispiel die Suche nach Terroristen. Er kontaktierte seinen Freund Alex Karp, den er von der Universität Stanford kannte – gemeinsam mit drei weiteren Freunden begannen sie 2003, zwei Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center, mit dem Aufbau des Start-ups.

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    Der Name stammt aus der Buchreihe „Herr der Ringe“, die auch im Silicon Valley zahlreiche Fans hat, und er soll Programm sein. Ein Palantir ist in dieser Fantasiewelt ein Kristall, der einen Blick durch die Augen eines anderen ermöglicht – und damit als mächtiges Instrument für Aufklärung und Spionage dient. Ironie der Geschichte: Neben den Helden nutzen auch Schurken wie der dunkle Herrscher Sauron solche sehenden Steine – und oft sind die Bilder irreführend.

    Der CEO von Palantir baute im Jahr 2003 gemeinsam mit Peter Thiel das Start-up auf. Quelle: Reuters
    Alex Karp

    Der CEO von Palantir baute im Jahr 2003 gemeinsam mit Peter Thiel das Start-up auf.

    (Foto: Reuters)

    Was Palantir macht, hat indes wenig mit Magie zu tun, viel mit Technik. Das Start-up ist aufs Data Mining spezialisiert, also die Analyse großer Datenmengen. Seine Systeme analysieren E-Mails, Einträge in Datenbanken, Veröffentlichungen in sozialen Medien oder Bilder von Überwachungskameras – die Maschine findet Trends, Querverbindungen und Zusammenhänge, die Menschen mühevoll zusammensuchen müssten. Dafür braucht sie intelligente Statistik und leistungsfähige Hardware.

    Diese Technologie vermarktet Palantir Technologies einerseits an Sicherheitsbehörden wie Polizeistellen und Geheimdienste. So mancher Terroranschlag sei auf diese Weise verhindert worden, behauptet Karp, freilich, ohne Details zu nennen. Angesichts dieser Verflechtung bezeichnet die amerikanische Bürgerrechtsorganisation ACLU das Start-up als eine Schlüsselfirma der Überwachungsindustrie.

    Joint Venture mit Merck

    Andererseits arbeitet Palantir mit Unternehmen zusammen, in der Liste stehen Namen wie Airbus, Credit Suisse, JP Morgan Chase und Ferrari. Der Pharmahersteller Merck, einer der wichtigsten Kunden in Europa, steht dafür exemplarisch. Das Darmstädter Unternehmen nutzt die Analyseinstrumente seit 2017, und zwar auf ganz andere Weise als die Sicherheitsbehörden: Es will globale Lieferketten mit Datenanalysen flexibler organisieren und neue Substanzen entwickeln.

    Mithilfe von Palantir arbeitet Merck beispielsweise interne Daten aus der eigenen Forschung sowie dem Konzern vorliegende, anonymisierte Patientendaten auf. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen sollen neue Therapien gegen Krebs beschleunigt und die Patientenversorgung verbessert werden. Ende 2018 gründete Merck mit Palantir zudem ein Gemeinschaftsunternehmen namens Syntropy.

    Es soll laut Konzernchef Stefan Oschmann zu einer Plattform für die Krebsforschung werden, das Daten von Wissenschaftlern und Forschungszentren aus aller Welt aggregiert – Informationen aus der frühen Krebsforschung in Arzneifirmen und Instituten liegen bisher nur isoliert vor. Das Angebot richtet sich beispielsweise an große Forschungszentren.

    Solche Beispiele zeigen: Palantir hat sich etabliert. 2018 betrug der Umsatz nach Informationen des „Wall Street Journal“ 880 Millionen Dollar. Dabei tat sich das Start-up anfangs schwer, Geldgeber zu finden. In-Q-Tel, die Risikokapitalgesellschaft der CIA, sprang in die Bresche, zudem schoss Mitgründer Thiel 30 Millionen Dollar des Startkapitals hinzu. Heute dürfte sein Anteil ein Vielfaches wert sein: Bei einer Finanzierungsrunde wurde das Unternehmen angeblich mit 20 Milliarden Dollar bewertet.

    Auch Alex Karp, der promovierte Philosoph und Sohn von Hippies, dürfte nun ein reicher Mann sein und erst recht, wenn Palantir eines Tages an die Börse gehen sollte, wie es Beobachter bereits seit einiger Zeit erwarten. Nicht dass es ihm etwas bedeuten würde: In einem Podcast behauptete er, nicht über die Bewertung des Unternehmens nachzudenken. Das Geld biete ihm viel Freiheit, frei von Druck zu leben.

    Mehr: Merck-CDO James Kugler will mit der Analyse von Daten den Pharma- und Chemiekonzern effizienter machen. Am Ende steht auch die Hoffnung auf neue Therapien.

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    1 Kommentar zu "US-Softwareunternehmen: Palantir: Viel Geheimniskrämerei statt offenem Diskurs"

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    • Als BARC Technologie-Analyst kann ich ergänzen, dass die Geheimniskrämerei auch auf bei der Software weitergeht. Wir unterstützen viele Unternehmen bei der Evaluation und Auswahl von Softwarelösungen und erhalten hierfür Informationen und Testzugänge von allen Softwareanbietern, egal ob ganz groß oder klein, ob im Silicon Valley oder in Deutschland - mit einer einzigen Ausnahme: Palantir.
      Der Verkauf läuft strategisch über die Vorstandsetage, die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Lösung oder ob sie z.B. hinsichtlich Kosten-Nutzenverhältnis überhaupt die richtige Wahl ist spielt dabei scheinbar keine große Rolle. Bei so viel Geheinminskrämerei wäre hier aus unserer Sicht etwas mehr Sorgfalt bei der Auswahl angebracht und Berichte von Personen in Unternehmen, die mit der Lösung dann tatsächlich arbeiten, bestätigen diesen Eindruck.

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