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Video-App Oracle-Einstieg bei Tiktok: Hat Larry Ellison sich diesmal verrechnet?

Der Oracle-Mitgründer befindet sich im Zentrum des Streits um die chinesische Video-App Tiktok. Doch es ist nicht das erste Mal, dass der Milliardär hoch pokert.
21.09.2020 - 14:24 Uhr Kommentieren
Der Mitgründer von Oracle gehört zu den reichsten Menschen der Welt. Quelle: Bloomberg
Larry Ellison

Der Mitgründer von Oracle gehört zu den reichsten Menschen der Welt.

(Foto: Bloomberg)

Larry Ellison geht keinem Risiko aus dem Weg. Das hat der Mitgründer des US-Unternehmenssoftwarekonzerns Oracle schon eindrucksvoll bewiesen. 1998 beispielsweise geriet der begeisterte Kunstflieger und Hochsee-Segler vor Australien mit seiner Jacht in einen Sturm, der zu einem echten Hurrikan heranwuchs. Bei der Regatta starben fünf Menschen. Ellison blieb unverletzt, später sprach er einmal von einer „Nahtod-Erfahrung“.

Jetzt läuft Ellison, 75 Jahre alt und mittlerweile Chef des Verwaltungsrats bei Oracle, wieder Gefahr, in einen ausgewachsenen Hurrikan hineinzusegeln. Allerdings geht es diesmal nicht um einen Wettbewerb auf See, sondern um Geopolitik.

Der bekennende Fan – und große Spendensammler – von US-Präsident Donald Trump wird aller Voraussicht nach maßgeblich an einem der riskantesten Wirtschaftsdeals des Jahrzehnts beteiligt sein. Es geht um die Zukunft der chinesischen Video-App Tiktok in den USA.

Oracle und der US-Einzelhändler Walmart wollen 12,5 beziehungsweise 7,5 Prozent an einer neu zu gründenden Tochter von Tiktok Global zu erwerben, die das Geschäft außerhalb Chinas betreiben soll. Weitere US-Investoren unter den Eigentümern der Tiktok-Mutter Bytedance sollen sicherstellen, dass die Mehrheit in den Händen von US-Amerikanern liegt. Ein Börsengang ist geplant. Am Wochenende hatte Trump nach langem Hin und Her grundsätzlich einem Weiterbetrieb von Tiktok in den USA zugestimmt.

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    Doch Bytedance erklärte am Montag, das globale Tiktok-Geschäft werde weiterhin als Tochter geführt. Es seien „Gerüchte“, dass die Mehrheit in den Händen von US-Akteuren liegen werde. Der Streit ist voll entbrannt - und Ellison mittendrin.

    Tiktok-Deal kann große Konsequenzen haben

    Ellison, laut Berechnungen des US-Magazins „Forbes“ mit 72 Milliarden Dollar der fünftreichste Mensch der Welt, will künftig als „sicherer Technologiepartner“ dafür geradestehen, dass jegliche Probleme mit unerwünschtem Daten- und Inhaltetransfer von und nach China zur Muttergesellschaft unterbleiben. Dies soll die „nationale Sicherheit“ in den USA wiederherstellen und war laut Präsident Trump der Grund für den erzwungenen Teilverkauf, bei dem sein Unterstützer Ellison den Auftrag erhalten soll, mit der Oracle Cloud die gesamte Technologie von Tiktok zu betreiben.

    Die Sache hat nur einen Haken für Ellison: Bytedance, der chinesische Eigner von Tiktok, wird weiter die Rechte an den Software-Algorithmen halten, die zum Beispiel auch entscheiden, ob mehr oder weniger Trump-freundliche Inhalte auf den Bildschirmen der über 100 Millionen US-Nutzer erscheinen. Oracle kann sie, nach heutigem Stand, nicht umschreiben, neu schreiben oder entfernen. Das hat die chinesische Regierung durch ein neues Gesetz festgelegt.

    Für Ellison kann das herbe Konsequenzen haben: Wenn der Deal in den Augen der Öffentlichkeit scheitert und Tiktok inhaltlich und datentechnisch in den Augen von Trump „außer Kontrolle“ bleiben sollte, wird es keine Fehlentscheidung des Präsidenten gewesen sein. Dann werden Ellison und Oracle-Vorstandschef Safra Catz verantwortlich gemacht. Tiktok ist damit für beide eine Zeitbombe.

    Doch es wäre nicht das erste Mal, dass Ellison hoch pokert. Aufgewachsen in einfachsten Einwandererverhältnissen in Chicago, begann der Schulabbrecher, sich selbst das Programmieren beizubringen, und arbeitete kurze Zeit beim Technologieunternehmen Ampex. Später gründete er zusammen mit zwei Bekannten Oracle und verkaufte Datenbanken.

    Larry Ellison ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Silicon Valley

    Doch weil niemand im Silicon Valley eine fehlerbehaftete „Version 1.0“ eines Produktes kauft, startete Ellison sein Unternehmen einfach ohne Umschweife mit der Datenbank-Version „Oracle 2.0“. Das erzählte er später einmal mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen.

    Mit seinem großen Verkaufstalent ist Ellison eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Silicon Valley. Er besitzt zahllose Immobilien, eine Insel auf Hawaii, er residiert in „Larryland“, seinem eigenen Dorf mit originalgetreu erbauten Häusern in japanischem Stil. Er besitzt Düsenjagdflugzeuge und hat die Segeltrophäe „America’s Cup“ nach San Francisco geholt.

    Dass Ellisons Vermögen schneller steigt als der dümpelnde Aktienkurs von Oracle, liegt an seinem Freund Elon Musk. Im Dezember 2018 zog Ellison in den Aufsichtsrat des E-Autobauers Tesla ein und kaufte drei Millionen Aktien für zusammen 948 Millionen Dollar. Die sind derzeit Milliarden wert. Ellisons Motto: „No risk, no fun.“

    Mehr: Die US-Regierung ist mit der Einigung zwischen Oracle, Walmart und der Tiktok-Mutter Bytedance zufrieden. China hat noch nicht zugestimmt.

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