Mistral AI: Pariser KI-Start-up sammelt 385 Millionen Euro ein
Düsseldorf. Das erst sechs Monate alte Start-up Mistral AI aus Paris hat in einer neuen Finanzierungsrunde 385 Millionen Euro eingesammelt. Zu den Investoren zählt die berühmte US-Wagniskapitalgesellschaft Andreessen-Horowitz. Nach Handelsblatt-Informationen handelt es sich um die drittgrößte Finanzierungsrunde für eine Firma, die sich mit Künstlicher Intelligenz (KI) in Europa beschäftigt.
Die Bewertung des Jungunternehmens soll damit Medienberichten zufolge nun auf rund zwei Milliarden Euro steigen. Damit gilt Mistral als sogenanntes Einhorn.
Neben der Heidelberger Firma Aleph Alpha ist die Firma aus Paris Europas größter Hoffnungsträger im KI-Wettrennen. Beide Unternehmen entwickeln KI-Sprachmodelle für Unternehmenskunden. Diese Modelle werden mit großen Mengen an Daten trainiert und sind so in der Lage, Spracheingaben zu verarbeiten und Texte zu produzieren, Computercode zu schreiben und logische Aufgaben zu lösen.
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Führend sind bei der neuen Technologie bisher US-Unternehmen wie OpenAI, Microsoft und Google, die jeweils mehrere Milliarden Dollar in die Technologie investiert haben. Mistral AI hatte bereits im Juni auf sich aufmerksam gemacht, weil die Firma 113 Millionen Euro von Investoren einsammeln konnte, noch bevor sie ein Geschäftsmodell oder gar ein Produkt hatte. Inzwischen beschäftigt Mistral 22 Mitarbeiter und hat zwei KI-Modelle veröffentlicht sowie eine Entwicklerplattform gebaut.
Im Gegensatz zu den Tech-Riesen aus den USA und China setzt das Gründerteam um CEO Arthur Mensch auf verhältnismäßig kleine Sprachmodelle, die aber durch besondere Architekturen und Trainingsprozesse genauso leistungsstark sein sollen wie größere Modelle der Konkurrenten. Dabei stellt Mistral den Code seiner Modelle als Open-Source-Software zur Verfügung, macht ihn also frei zugänglich.
Mit der Veröffentlichung des Codes will Mistral dafür sorgen, dass die Entwicklung der Technologie nicht nur in der Hand weniger liegt. Das Unternehmen tritt dafür ein, dass durch „die Veröffentlichung und Förderung von Beiträgen aus der Community eine glaubwürdige Alternative zum entstehenden KI-Oligopol“ aufgebaut werden könnte.
Anjney Midha, General Partner bei Andreessen Horowitz, leitete für die Wagniskapitalfirma die Verhandlungen mit Mistral AI. Er sagte der „New York Times“: „Wir glauben einfach, dass KI offen sein sollte.“ Durch das weite Teilen des zugrundeliegenden Codes könnten „mehr Menschen die Technologie überprüfen, ihre Fehler finden und daran arbeiten, diese zu entfernen oder abzumildern“.
Konkurrenz zu Meta: Modell von Mistral AI konnte andere Modelle schlagen
Bereits im September hatte Mistral die erste Version seines Sprachmodells freizugänglich veröffentlicht. Mit 7,3 Milliarden Parametern ist es nur halb so groß wie das Llama-2-Modell mit knapp 13 Milliarden Parametern von Meta. Tests des Unternehmens zeigten jedoch, dass das Modell von Mistral jenes vom Facebook-Mutterkonzern schlagen konnte.
Die Anzahl der Parameter ist eine wichtige Kenngröße, um Sprachmodelle miteinander zu vergleichen. Gemeinhin gilt: je größer, desto besser. Nicht mithalten konnte das bisherige Modell allerdings mit Gemini von Google oder GPT-3.5 von OpenAI.
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Mit seinem neuen Modell Mixtral 8x7B kombiniert Mistral mehrere kleine Modelle. Viet Le aus dem Investmentteam von La Famiglia erklärt, dass man sich jedes dieser Netze wie Experten vorstellen könne. Das Modell entscheide zunächst, welche zwei Experten am besten geeignet sind, um eine Aufgabe zu lösen, und weise ihnen die Aufgaben zu.
Jeannette zu Fürstenberg, Gründerin von La Famiglia, sagt: „Das ist viel effizienter, als jede Aufgabe durch ein einzelnes großes Modell laufen zu lassen.“
Patrick Glauner, Professor an der Hochschule Deggendorf sagt, Mistral verfolge einen innovativen Architekturansatz. „Die Veröffentlichungen sehen interessant aus – wie gut das Modell wirklich funktioniert, müssen jetzt eigene Tests zeigen.“
Mit der Modellarchitektur soll die Firma erneut große Wettbewerber übertroffen haben. „Mixtral erreicht oder übertrifft die Modelle Llama 2 (70B Parameter) sowie GPT-3.5 bei den meisten Benchmarks“, heißt es in einer Mitteilung. Vom Start-up veröffentlichte Testergebnisse zeigen, dass Mixtral in drei Punkten besser abschneidet als GPT-3.5: beim Verständnis alltäglicher Aufgaben, beim Programmieren und beim Lösen von Rechenaufgaben auf Grundschulniveau.
Schafft Mistral AI die KI-Revolution aus Europa?
Erfahrung beim Bau von Sprachmodellen sammelten die drei Gründer bei der Konkurrenz. CEO Arthur Mensch hat in den vergangenen drei Jahren für Googles KI-Firma Deepmind gearbeitet. Chef-Wissenschaftler Guillaume Lample und Technologiechef Timothée Lacroix haben bei Meta das Sprachmodell Llama entwickelt.
Das überzeugte die Investoren. Neben Andreesen Horrowitz und La Famiglia beteiligt ist auch Lightspeed Ventures beteiligt.
Zudem sollen der Chipriese Nvidia und das Softwareunternehmen Salesforce rund 120 Millionen Euro als Convertible Debt beisteuern. Das bedeutet, dass sie Mistral Geld leihen und zu einem späteren Zeitpunkt und zu einer festgelegten Bewertung in Anteile des Start-ups umwandeln.
Die neue Finanzierungsrunde will das französische Start-up dafür nutzen, um sein Team zu vergrößern und in Infrastruktur zu investieren. Jeannette zu Fürstenberg sagt: „Mit der neuen Finanzierungsrunde sollen auch die Enterprise-Plattform und Produktpartnerschaften ausgebaut werden.“ So will Mistral laut eigenen Angaben die „KI-Revolution von Europa aus gestalten“. Die Investorin ist überzeugt: „Die nächste Modellgeneration könnte GPT-4 bereits übertreffen.“