Corona-Pandemie: Long Covid – Welche Symptome können nach einer Corona-Infektion auftreten?
Long-Covid-Patienten klagen häufig über Erschöpfung, Kurzatmigkeit und verminderte Konzentrationsfähigkeit.
Foto: dpaDüsseldorf. Wochen oder Monate nach einer Corona-Infektion sind einige Menschen sind auch nach der Genesung von Krankheitssymptomen betroffen. Diese können Betroffene körperlich, kognitiv und psychisch einschränken.
In den Pandemiejahren 2020 und 2021 haben die Fälle, die an Langzeitfolgen leiden, stark zugenommen. Umgangssprachlich hat sich der Begriff „Long Covid“ etabliert.
Wissenschaftliche Studien liefen immer mehr Erkenntnisse, noch ist das Krankheitsbild aber uneindeutig.
Was genau Long Covid ist, welche Symptome damit einhergehen und wer betroffen sein kann – ein Überblick mit den wichtigsten Fragen und Antworten.
Was ist Long Covid und Post Covid?
Während der Begriff Long Covid in der Öffentlichkeit schon länger verbreitet war, definierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Krankheitsbild im Oktober 2021 erstmals unter dem Namen „Post-COVID-19“. Mit dem Long-Covid-Syndrom gehen laut WHO Symptome einher, die in der Regel drei Monate nach Ausbruch einer Sars-CoV-2-Infektion auftreten und anderweitig nicht erklärbar sind. Dazu gehören auch Fälle, die über mindestens zwei Monate anhalten, in wechselnder Stärke auftreten, wieder nachlassen oder wieder auftreten.
Die WHO weist daraufhin, dass ihre Long-Covid-Definition bislang nur vorläufig ist. Gerade was fest definierte Zeiträume für Symptome oder die Übertragbarkeit auf Kinder und Jugendliche angehe, müssten weitere Forschungsergebnisse abgewartet werden.
Das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) unterscheidet zwischen Symptomen, die vier bis zwölf Wochen nach einer Infektion auftreten (Covid-19) und solchen, die länger als zwölf Wochen bestehen (Post-Covid-19-Syndrom).
Welche Symptome treten bei Long Covid auf?
Zu den häufigsten Symptomen von Long Covid zählen laut WHO und dem Robert Koch-Institut (RKI) Müdigkeit, Erschöpfung, Kurzatmigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme (umgangssprachlich auch „brain fog“), Muskelschmerzen und Schlafstörungen. Auch psychische Veränderungen wie depressive Verstimmungen oder Angstzustände sind demnach durch Long Covid möglich.
Mit Blick auf die betroffenen Organe sind Erkrankte häufig von einer verschlechterten Lungenfunktion betroffen. Neu auftreten können außerdem Herzmuskelerkrankungen sowie Stoffwechsel- und Niereninsuffizienzen.
Eine Long-Covid-Erkrankung kann ebenfalls zum Absterben von Hirnzellen und einer Schrumpfung des Gehirns führen. Forscher berichten in einer Studie im Nature-Magazin, dass die Gehirne von untersuchten Long-Covid-Patienten 0,2 bis zwei Prozent an Hirnmasse verloren. Betroffen sind demnach vor allem Teile, die an Emotionen und Denkleistungen beteiligt sind.
Mittlerweile sind aus vielen Disziplinen der Medizin Berichte über mögliche Corona-Folgeerkrankungen veröffentlicht worden. Eine Zusammenfassung gibt es in der Fachzeitschrift Nature. Allerdings ist nicht immer klar abzugrenzen, ob auftretende Beschwerden tatsächlich einer Form von Long Covid zuzuordnen sind. Wissenschaftler verweisen deshalb darauf, dass auch soziale Belastungen durch die Pandemie zu Krankheitssymptomen führen oder diese zumindest begünstigen können.
Wer ist von Long Covid betroffen?
Fest steht: Wer wegen einer Corona-Infektion stationär behandelt werden musste, hat ein deutlich höheres Risiko längerfristig zu erkranken. Darauf weisen neben der WHO mehrere Studien hin, etwa aus China, Italien und den USA.
In einer italienischen Studie berichteten zum Beispiel mehr als 80 Prozent der untersuchten Teilnehmer von mindestens einem Long-Covid-Symptom, nachdem sie nach einer Corona-Infektion aus dem Krankenhaus entlassen worden waren. 55 Prozent klagten über drei oder mehr Symptome.
Ältere Menschen oder jene mit körperlichen oder psychischen Vorerkrankungen dürften nach RKI-Angaben und Studien zufolge ein höheres Long-Covid-Risiko haben. Ebenso seien Menschen in Gesundheitsberufen und Menschen in sozial benachteiligten Regionen betroffen. Nach jüngsten WHO-Erkenntnissen ist die Wahrscheinlichkeit, an Long Covid zu erkranken, bei Frauen doppelt außerdem so hoch wie bei Männern. Studien zeigen, dass dies insbesondere Frauen im jungen und mittleren Erwachsenenalter trifft.
Wer während einer Corona-Infektion weniger Antikörper gegen das Virus gebildet hat oder von einer hohen Viruslast betroffen sind, dürfte im Mittel stärker von Long Covid betroffen sein. Das gilt auch für Menschen, die nachweislich mit dem Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber) infiziert waren.
Blickt man auf die gesamte Bevölkerung, fallen die Zahlen geringer aus, wenn man auch Menschen mit milden oder keinen Symptomen nach einer Corona-Infekt einbezieht. Laut RKI berichten 2 bis 20 Prozent aller Corona-Infizierten auch über Long-Covid-Symptome. Auch hier muss weitere Forschung abgewartet werden.
Wie häufig tritt Long Covid auf?
Die WHO gibt an, dass 2020 und 2021 mindestens 17 Millionen Menschen in den 53 Staaten der Europäischen Region der WHO von Long Covid betroffen gewesen sein könnten. Das RKI verweist darauf, dass sich die Häufigkeit je nach Virusvariante unterscheiden kann, da Langzeitfolgen vor allem nach einem Krankenhausaufenthalt auftreten können.
Ist Long Covid nach der Corona-Impfung möglich?
Studien ergaben, dass eine Corona-Impfung das Risiko von Corona-Langzeitfolgen mindert, erklärt der Corona-Expertenrat der Bundesregierung in einer Stellungnahme aus Mai. Vereinzelnd können allerdings Long- oder Post-Covid-Symptome auftreten.
Wie groß ist das Risiko für Long Covid durch die Omikron-Variante?
Die Datenlage ist in diesem Fall begrenzt. Eine britische Studie aus Juni hat ermittelt, dass Omikron-Infizierte seltener an Long Covid leiden als unter dem Delta-Subtyp. Die untersuchten Daten entstammen Nutzerangaben aus der Covid Symptom Study App, die vier Wochen oder später an Symptomen litten. Unter den rund 56.000 Omikron-Fällen erlitten gut fünf Prozent Symptome, unter Delta rund elf Prozent.
>> Lesen Sie dazu: BA.5 – Inkubationszeit und Symptome der Corona-Variante
Wie kann ich mich vor Long Covid schützen?
Vom RKI empfohlen wird die Einhaltung der gängigen Infektionsschutzmaßnahmen, um eine Corona-Erkrankung vorzubeugen. Auch eine vollständige Impfung schützt vor schweren Verläufen und kann auftretende Long Covid-Symptome mildern. Bisherige Studien hierzu kommen jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen, es gibt also noch keine klaren Erkenntnisse zur Vorbeugung.
>> Lesen Sie dazu: Ärzte verschreiben mehr Corona-Mittel
Wie wird Long Covid behandelt?
Wenn Sie Symptome feststellen, die auf Long Covid hindeuten, sollten Sie zunächst Ihren Hausarzt aufsuchen, empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Bei einigen Symptomen kann die Überweisung an einen Facharzt vonnöten sein. Alternativ können Sie sich an eine Covid-19-Schwerpunktpraxis wenden oder eine Krankenhaus-Sprechstunde aufsuchen. In einigen Fällen geht dies auch ohne Überweisung. Betreuungsmöglichkeiten sind auf dem Website-Angebot der BZgA gelistet.
Eine ursächliche Therapie existiert bisher nicht. Aktuell erfolgt die Behandlung nach Symptomen.
Oftmals sind bei Long Covid mehrere Organe oder Organsysteme betroffen. Deshalb müssen Erkrankte häufig interdisziplinär versorgt werden. Dabei kombinieren Ärzte Behandlungsmethoden aus verschiedenen Bereichen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auch auf der Rehabilitationsmedizin. Denn Patienten mit dem Long-Covid-Syndrom müssen von Ärzten oft über einen längeren Zeitraum betreut werden. Einige Rehakliniken bieten daher die Behandlung für Long Covid an.
Für Menschen, die bereits von Long Covid betroffen sind, könnte eine Impfung unter bestimmten Umständen sinnvoll sein. Wenn ihre Symptome nämlich von Bestandteilen des Coronavirus ausgelöst werden, dürfte eine Impfung die Immunantwort gegen das Virus verstärken. Belastbare Daten dazu gibt es derzeit allerdings noch nicht.
Können Kinder und Jugendliche von Long Covid betroffen sein?
Wie Erwachsene können auch Kinder und Jugendliche unter Long Covid leiden. Ihre Symptome unterscheiden sich dem RKI zufolge nicht wesentlich von denen, die auch bei Erwachsenen auftreten.
Eine Metaanalyse aus Mai hat 27 Studien zu langfristigen Symptomen bei Kindern und Erwachsenen untersucht. Es zeigt sich, dass diese Limitationen in der Erhebung aufweisen, etwa, dass es an Kontrollgruppen mangelt oder auch nicht-infizierte Kinder eingezogen wurden. Das Risiko von Long Covid zu ermitteln, sei mangels ausreichender Datenlage zu unterschiedlichen Altersgruppen herausfordernd.