Gematik-Auftrag: Telekom beantwortet Fragen zum E-Rezept
Die App wird von der Gematik entwickelt, Fragen dazu soll die Telekom per Hotline beantworten.
Foto: gematik GmbHDüsseldorf. Die Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung steht vor ihrer ersten richtigen Bewährungsprobe. Mit dem elektronischen Rezept (E-Rezept) startet eine Massenanwendung der Telematikinfrastruktur (TI). Bislang lief lediglich die Prüfung der Stammdaten der Versicherten in den Arztpraxen über die TI, die technisch und in der Anwendung aber nicht sonderlich komplex ist. Alle anderen TI-Anwendungen, ob Patientenakte, Notfalldaten oder Medikationsplan, sind freiwillig.
Das E-Rezept hingegen, das ab Juli in der Region Berlin-Brandenburg erprobt wird, soll ab 2022 verpflichtend von potenziell allen 73 Millionen gesetzlich Versicherten genutzt werden. Entsprechend viele Fragen werden aufkommen. Das Ministerium hatte die Gematik mit der Entwicklung der E-Rezept-App beauftragt. Bei der Betreuung der Nutzer holt sich diese nun Unterstützung durch die Telekom.
Der Bonner Konzern hat die Ausschreibung zur Einrichtung einer Service-Hotline für das E-Rezept gewonnen. Das geht aus Mitteilungen von der Telekom und der Gematik hervor, die Handelsblatt Inside vorliegen. Die Telekom wird beim Aufbau des „Help Desk“ mit dem Kölner Unternehmen Capita Customer Service zusammenarbeiten, einem Spezialisten für Kundenbetreuung.
Die Hotline für Fragen aus der Bevölkerung bietet Beratung rund ums E-Rezept und zur E-Rezept-App. Sie wird ab dem ersten Juli montags bis freitags von acht bis 20 Uhr erreichbar sein. Florian Hartge, Leiter des operativen Geschäfts bei der Gematik, sagt: „Wir möchten die Bürgerinnen und Bürger bei der Einführung intensiv begleiten und mit Rat und Tat insbesondere im Umgang mit der App zur Seite stehen.“
E-Rezept: zu klein gedacht
Gematik und Telekom würden sich auf Fragen wie „Was mache ich, wenn ich kein Smartphone habe?“, „Wie kann ich mich in der E-Rezept-App anmelden?“ und „Kann ich das E-Rezept von Verwandten einlösen?“ vorbereiten. Der telefonische Service soll die bestehenden Online-Informationen der Gematik, etwa die eigene E-Rezept-Internetseite, ergänzen.
Marcel Weigand, Digitalisierungsbeauftragter der Unabhängigen Patientenberatung, nennt die Hotline einen guten Anfang. Doch die Gematik und die Politik sollten über das E-Rezept hinaus Unterstützung anbieten. „Neben dem E-Rezept gibt es mit der Patientenakte, digitalen Gesundheitsanwendungen oder der elektronischen Krankschreibung so viele weitere Themen, die für offene Fragen sorgen“, sagt Weigand.
Doch dabei würden die Nutzer kaum unterstützt, denn Angebote zur digitalen Gesundheitskompetenz würden weitgehend fehlen. Mit mehreren Forschern hat er einen wissenschaftlichen Artikel veröffentlicht, der der staatlichen Digitalisierungsstrategie im Gesundheitswesen einen mangelnden Informationsfluss gegenüber den Bürgern bescheinigt.
Dass die Gematik über das E-Rezept informiert, hängt mit der besonderen Rolle der Gesellschaft in diesem Fall zusammen. Bislang hatte die Gematik bloß die Rahmenbedingungen für die TI-Anwendungen festgelegt. Bei der E-Rezept-App wurde sie erstmals selbst zum Entwickler, weil die Politik eine neutrale Anlaufstelle beim E-Rezept gewünscht hatte.
In ihrer sonst üblichen Rolle als Standardisierer verweist die Gematik stets darauf, kein Budget für besondere Informationsangebote zu haben und auch entsprechende Aufträge nicht zu erhalten. Patientenvertreter Weigand hält das für einen Zustand, der geändert werden müsse: „Wenn die Gematik die nationale Gesundheitsagentur sein will, so wie sie es beansprucht, sollte sie auch für die anderen digitalen Anwendungen Informationsangebote schaffen oder koordinieren.“
Telekom bereitet sich auf neue Telematikinfrastruktur vor
Für die Telekom ist der Auftrag von der Gematik wiederum eine Art Rückkehr. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen die Produktion von Konnektoren, also Hardware-Boxen für den TI-Zugang für Arztpraxen, aufgegeben. Einige hatten schon mit einem Abschied der Bonner aus dem Gesundheitswesen gerechnet. Wilfried Bauer, Manager bei der Telekom-Tochter T-Systems und verantwortlich für digitale Gesundheit im Konzern, kündigt hingegen an: „Vernetzte Gesundheit ist ein wichtiges Geschäftsfeld für die Telekom.“
Mit Cloud-Diensten oder digital gespeicherten Identitätsnachweisen wolle der Konzern sich künftig weiter in diesem Markt engagieren. Das ist ein Hinweis auf die TI 2.0, dessen Konzept aktuell erarbeitet wird. Das Netzwerk für das Gesundheitswesen soll dann nicht mehr bloß mit physischen Karten und Konnektoren funktionieren, sondern Online-Anwendungen und virtuelle Identitäten beinhalten.