Gernot Marx: Digitalpionier ist neuer Intensivmediziner-Präsident
„Die Intensivmedizin ist ein zentraler Schrittmacher für die Digitalisierung im Gesundheitswesen.“
Foto: ImagoDüsseldorf. Mitten in der wohl größten Herausforderung für die deutsche Intensivmedizin tritt Gernot Marx an die Spitze des Fachgebiets. Er übernimmt das Amt des Präsidenten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Trotz oder gerade wegen des großen Drucks durch die Corona-Pandemie plant Marx, die Digitalisierung zum zentralen Baustein seiner Amtszeit zu machen.
Marx leitet die Klinik für Operative Intensivmedizin am Universitätsklinikum Aachen und behandelt dort selbst tagtäglich Covid-19-Patienten. Der 54-Jährige studierte Medizin in Hannover und promovierte dort bereits zur Beatmung in der Intensivmedizin.
„Die Intensivmedizin ist ein zentraler Schrittmacher für die Digitalisierung im Gesundheitswesen“, sagt er Handelsblatt Inside. Bei intensivmedizinisch behandelten Patienten fallen mehr als tausend Datenpunkte pro Stunde an. „Damit entsteht ein riesiger Datenschatz, der Grundlage und Voraussetzung für den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Medizin ist“, erklärt Marx.
An der Uniklinik Aachen hat der Facharzt für Anästhesie- und Intensivmedizin beispielsweise ein System mitentwickelt, mit dem Blutvergiftungen anhand von Daten zwölf Stunden früher als gewöhnlich erkannt werden können. Weltweit könne so ein System abertausende Leben retten, schätzt Marx. „Wenn in der Intensivmedizin jeder die Krankheitsanzeichen sieht, ist es oft schon sehr spät. Künstliche Intelligenz wird es uns ermöglichen – zum Beispiel bei der Sepsis –, frühzeitiger eine Diagnose zu stellen und die Therapie zu beginnen.“