Häppi: Wenn die Arztpraxis zur Teamzentrale wird
Berlin. In vielen Regionen Deutschlands wird der Hausarztbesuch zur Geduldsprobe. Die Praxen sind überfüllt, Termine rar. Und die Lage wird sich weiter zuspitzen: Laut einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung plant rund ein Viertel der Hausärztinnen und Hausärzte, innerhalb der nächsten fünf Jahre in den Ruhestand zu gehen. Schon heute sind bundesweit etwa 5000 Hausarztsitze unbesetzt.
„Wir müssen die hausärztliche Versorgung zukunftsfähig machen“, sagt Nicola Buhlinger-Göpfarth, Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands. Ihre Antwort: „Häppi“ – das steht für „Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung interprofessionell“.
Das Modell setzt auf Teamarbeit: Neben Ärztinnen und Ärzten arbeiten dort auch speziell geschulte medizinische Fachangestellte (MFA) oder Physician Assistants – das sind akademisch ausgebildete Gesundheitsfachkräfte. Sie übernehmen Aufgaben wie Infektsprechstunden, Haus- und Pflegeheimbesuche oder Patientenschulungen. „Die Verantwortung bleibt dabei beim Arzt oder der Ärztin“, unterstreicht Buhlinger-Göpfahrt, aber viele Tätigkeiten könnten delegiert und effizienter organisiert werden.
Digitalisierung schafft Freiraum für Gespräche
„In Kombination mit Digitalisierung entsteht so die Freiheit für das, was Ärzte wirklich brauchen“, sagt Wolfgang von Meißner, Hausarzt in Baiersbronn und Mitentwickler des Häppi-Konzepts, „nämlich Zeit für die komplexen Fälle“.