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Fahrdienstleister Uber entlässt Tausende – und tritt trotzdem aufs Gas

Das US-Unternehmen entlässt ein Viertel seiner Mitarbeiter und geht gleichzeitig voll ins Risiko: Essenslieferungen und E-Scooter sollen das leidende Taxi-Geschäft ausgleichen.
19.05.2020 - 02:25 Uhr Kommentieren
Uber will einem Bericht zufolge, weitere 3000 Mitarbeiter entlassen. Quelle: AFP
Das Uber-Logo am Hauptsitzt des Unternehmens in San Francisco

Uber will einem Bericht zufolge, weitere 3000 Mitarbeiter entlassen.

(Foto: AFP)

San Francisco Uber – die Hybris ihres Gründers Travis Kalanick trägt der Fahrdienstleister bereits im Namen. Das deutsche Wort „Über“ stand Pate für ein Unternehmen, das einst jeden Markt, jeden Konkurrenten, jeden Regulierer dominieren wollte.

Derlei Weltbeherrschungs-Ambitionen werden seit langem zurückgefahren, seit der Coronakrise in noch höherem Tempo als zuvor. Am Montag berichtete das „Wall Street Journal“, dass Uber weitere 3000 Mitarbeiter entlassen und 45 Büros weltweit schließen will. Eine Milliarde Dollar will das Unternehmen so sparen. Die Aktie stieg als Reaktion zeitweise um mehr als sieben Prozent und schloss 3,5 Prozent im Plus. „Es ist schmerzhaft, aber Uber erledigt eine Menge an Aufräumarbeiten“, sagt Lloyd Walmsley, Technologie-Analyst bei der Deutschen Bank dem Handelsblatt. „Uber wird als stärkeres, profitableres Unternehmen daraus hervorgehen.“

Zusammen mit der Entlassung von 3700 Mitarbeitern, die Uber vor zwei Wochen verkündete, baut das Unternehmen aus San Francisco ein Viertel seiner Belegschaft ab. Zumindest Ubers Fahrer in Deutschland sind davon nicht direkt betroffen, weil sie bei einem Dienstleister angestellt sind.

Von den globalen Ausgangssperren wird Uber noch härter getroffen als der Rest der Wirtschaft. Wenn Restaurants, Kinos und Büros geschlossen sind, muss kaum noch jemand irgendwohin – und wenn, dann selten mit einem wildfremden Fahrer. Sein Ziel, Ende dieses Jahres Ebitda-profitabel zu werden, hat Uber bereits auf 2021 verschoben.

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    In Deutschland etwa ist das Fahrtengeschäft in vielen Städten um 50 bis 60 Prozent zurückgegangen. Weltweit lag es im April sogar 80 Prozent unter dem Vorjahr. „Wir sehen Zeichen einer Erholung“, schrieb Uber-Chef Dara Khosrowshahi in einer Mail an Mitarbeiter, „aber [wir] kommen aus einem tiefen Loch und können unsere Geschwindigkeit und die Form [des Lochs] nicht absehen“.

    Doch während Ubers Reifen im Schlamm feststecken, tritt Khosrowshahi das Gaspedal durch. Gleich zwei Übernahmen und einen Expansionsschritt hat der seit 2017 amtierende Kalanick-Nachfolger in den vergangenen Wochen angeschoben:

    • Uber führte eine 170-Millionen-Dollar-Finanzierungsrunde für den E-Scooter-Anbieter Lime an, der von Corona ähnlich hart getroffen ist. Zudem fusioniert Uber Lime mit seinem eigenen Scooter- und Fahrrad-Anbieter Jump und wird in die Uber-App integriert. Laut einem Bericht von „The Information“ sollen die Firmen auch über eine Option, Lime nach 2022 komplett zu übernehmen, verhandelt haben.
    • Uber will die US-Essenslieferplattform Grubhub übernehmen – per Aktientausch, um Liquidität zu sparen. Derzeit sollen die Firmen über das genaue Tauschverhältnis verhandeln, ein Preis von sechs Milliarden Dollar ist realistisch. Zwar sollen auch die deutschen Plattform Delivery Hero und Takeaway Just Eat aus Amsterdam laut dem WSJ Interesse an Grubhub haben, aber Uber werden die besten Chancen eingeräumt, Grubhub zu schlucken..
    • Anfang Mai brachte Uber den lateinamerikanischen Supermarkt-Lieferdienst Cornershop, den das Unternehmen Ende 2019 übernommen hatte, in Miami an den Start – die erste Stadt, in der der Konkurrent von Amazons Lieferdienst Fresh verfügbar ist.

    Uber Eats ist in der Krise der größte Lichtblick für das US-Unternehmen, weil die zuhause gefangenen Menschen mehr Essen bestellen. „Das Geschäft gleicht aber derzeit nicht mal annähernd unsere Ausgaben aus“, schreibt Khosrowshahi. Zudem gewann das von Softbank reichlich finanzierte Startup Doordash in den vergangenen Jahren Marktanteile von Uber Eats und vor allem dem Branchenpionier Grubhub. „Als derzeit Drittplatzierter mit einem Marktanteil unter 30 Prozent kann Uber Eats nicht profitabel werden“, sagt Walmsley.

    Mit der Grubhub-Akquisition wäre Uber Eats voraussichtlich Marktführer. Gemeinsam könnte „Gruber Eats“ bei Marketing, Personal und dank Ubers effizientere Streckenführung wohl mehr als 300 Millionen Dollar im Jahr einsparen – allerdings gerade so viel, wie Uber Eats im abgelaufenen Quartal Verlust machte.

    Uber Eats wird immer wichtiger

    Trotzdem wird die von dem Franzosen Pierre-Dimitri Gore-Coty geführte Einheit für Uber immer bedeutender. Im ersten Quartal machte das 2014 gegründete Eats mit 819 Millionen Dollar Umsatz ein Drittel des Umsatzes von Ubers Taxi-Geschäft, mit Grubhub wäre es sogar die Hälfte gewesen. Gemeinsam mit dem Lime-Investment zeichnet sich eine Strategie ab, Uber im Taxi-Geschäft und im Essensliefergeschäft dominant aufzustellen und andere Experimente sein zu lassen.

    So schließt Uber im Rahmen der Entlassungen seinen Produktinkubator und seine recht frei von Ubers Kerngeschäft arbeitende KI-Forschungseinheit, wo Entwickler unter anderem Roboter autonom durch Wohnungen navigieren ließen. Auch seine Logistikplattformen Freight und die Advanced Technologies Group (ATG), wo Uber am autonomen Fahren forscht, sollen überprüft werden. Einige Mitarbeiter verlieren dort ihren Job.

    Die Geschichte von ATG veranschaulicht, wie sich Ubers Ambitionen gewandelt haben: Kalanick hatte einst ATG gegründet, um Ubers Fahrer, die einen Großteil des Umsatzes behalten, durch Software ersetzen zu können. Als ein autonomes Uber-Fahrzeug eine Frau überfuhr, wurden die Ambitionen zurückgeworfen. Vergangenes Jahr musste ATG Mitarbeiter entlassen, zudem holte Uber als externe Investoren wie Toyota, den Zulieferer Denso und den Softbank Vision Fund in das Tochterunternehmen. Als führend im Rennen um das voll-autonome Roboterauto gilt ohnehin eher die Google-Tochter Waymo, nicht ATG.

    Deutsche-Bank-Analyst Walmsley glaubt, dass Uber die unprofitable Einheit mit einem Konkurrenten fusionieren und Minderheitsaktionär bleiben könnte, um ATG aus den eigenen Büchern zu bekommen. In ähnlicher Weise hatte Uber bereits sein unprofitables Taxi-Geschäft in China und sein Eats-Geschäft in Indien gegen Anteile an einem Konkurrenten abgegeben.

    Schritt für Schritt schrumpft Uber seine Ambitionen, zu einem Giganten wie Google zu werden, zusammen. Auch Khosrowshahis eigene Vision, ein „Amazon der Mobilität“ zu werden, rückt mit jeder Sparte, die eingestellt oder kleingespart wird, weiter in die Ferne.

    Der Olymp der Tech-Konzerne mit Billionenbewertung ist weit weg für das Unternehmen, das einmal so selbstbewusst startete. Erst einmal muss sich Uber aus seinem Loch befreien.

    Mehr: Die große Vision von der neuen Mobilitätswelt ist tot. Ein Kommentar.

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