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HotellerieDie lukrativen Tricks der Hotelbranche

Während Messen und Events schnellen Hotelpreise in die Höhe. Selbst Frühbucherrabatte helfen oft nur den Bettenburgen, nicht den Gästen. Zur Tourismusmesse ITB in Berlin erleben Reiseveranstalter das am eigenen Leib.Patrick Schwarz 03.03.2014 - 17:01 Uhr Artikel anhören

Vor dem Eingang zur ITB in Berlin: Auch wenn die Experten der Tourismusbranche in die Hauptstadt reisen, steigen die Preise für Hotelübernachtungen.

Foto: dpa

Düsseldorf. Der Hotelbranche geht es gut. Im Februar verkündete der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, Ernst Fischer, dass im Vorjahr öfter in deutschen Hotels übernachtet wurde als je zuvor: 410,8 Millionen Mal insgesamt. Das ist der vierte Übernachtungsrekord in Folge.

Besonders gut geht es der Hotellerie während Messen und Großveranstaltungen. „Wir erhöhen die Preise zu Großveranstaltungen um 400 Prozent“, verrät ein Hotelmanager. Ähnliches gilt auch für die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin, die am Mittwoch startet: Denn auch wenn Reiseveranstalter und Hoteliers zu ihrer Messe kommen, steigen die Preise in den Unterkünften. Wie ein Reiseexperte berichtet, lagen diese vor wenigen Jahren noch während der ITB um bis zu 400 bis 500 Prozent höher.

Übernachten: Alternativen zum Hotel
Bis zu 900 Prozent mehr zahlen für eine Übernachtung in einem Hotel während Großveranstaltungen? Das muss nicht sein. Die Vor- und Nachteile der beliebtesten Hotelalternativen im Überblick.
Von Apartments und Zimmern zu Baumhäusern und Booten: Auf Unterkunftsvermittlungen wie Airbnb findet man vielfältige Alternativen zum Hotel. Vorteil: Auch wenn die meisten Hotels ausgebucht sind, gibt es bei den Portalen meist noch erschwingliche Privatangebote.
Nachteil: Auch die privaten Anbieter wissen, dass die Preise während Messen steigen. Die Folge: Immer wieder berichten Airbnb-Kunden von Abzockern. So wurde einem Gast kurz vor der Anreise gesagt, dass das private Zimmer nun nicht mehr verfügbar wäre, man aber ein nettes Hotel in der Nähe empfehlen könne. Und von einem anderen Gast verlangte der Wohnungsanbieter vor Ort einen Messeaufschlag von 100 Euro.
Im näheren Umkreis von Großstädten wie München und Hannover gibt es Ferienwohnungen speziell für Messegäste. Vorteil: Schon ab 25 Euro ist eine Zimmer für eine Nacht in solchen Unterkünften zu haben. Damit sind sie deutlich günstiger als die meisten Hotels.
Nachteil: Viele Ferienwohnungen liegen außerhalb der Großstädte. So muss man am nächsten Tag mit dem Auto zur Messe fahren oder ist auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen.
Vorteil: Auch kurzfristig noch in einer Messestadt unterkommen und am nächsten Morgen vielleicht sogar noch ein Frühstück in netter Gesellschaft? Mit Kontakt zu Freunden oder Verwandten geht das. Meist zahlt der Arbeitgeber auch noch einen Zuschuss, wenn man privat unterkommt.
Nachteil: So entspannt wie in einem Hotel ist es privat oft nicht. Sich intensiv auf die anstehende Veranstaltung vorzubereiten, ist bei Freunden schwierig.
Billighotels sind in Deutschland nicht sehr beliebt, nur etwa jedes zehnte Hotel hat hierzulande einen oder zwei Sterne. Vorteil: Selbst kurzfristig bieten die niederklassigen Unterkünfte noch bezahlbare Zimmer. Meist handelt es sich um private Hotels, in denen man von den Betreibern noch einen Insider-Tipp für den Abend nach einem Messetag bekommen kann.
Nachteil: In puncto Service und Komfort muss man Abstiche machen. Außerdem kommt in diesem Segment Abzocke deutlich häufiger vor, weil die Hotels nicht wie bei einer Kette von einer Zentrale aus kontrolliert werden

Seitdem sind zwar zahlreiche Hotelzimmer in Berlin gebaut wurden, aber die Aufschläge sind immer noch deutlich. Wer Mitte Februar für die Messetage ein Mittelklasse-Hotel in Berlin buchen wollte, dem zeigten Preissuchmaschinen etwa 200 Euro pro Nacht an. Jenseits der ITB kostete ein vergleichbares Zimmer 89 Euro.

Selbst die Profis können dem nicht aus dem Weg gehen. „Das ist ein Übel, das wir in Kauf nehmen müssen“, kommentiert Frank Hoppmann, Travel Manager bei TUI, die Messepreise. Wenn Mitarbeiter des weltweit agierenden Konzerns in die Zentrale nach Hannover reisen, organisiert er ihre Unterkünfte. Zwar handelt er mit ausgewählten Hotels Sonderkonditionen für das Touristikunternehmen aus. Aber die Verträge gelten nicht zu Spitzenzeiten, also während der großen Hannoveraner Messen wie Cebit oder Agritechnica. „Da haben wir überhaupt keine Verhandlungsmöglichkeit“, sagt Hoppmann. Deshalb versuche TUI Geschäftsreisen in die eigene Zentrale während der Messen zu vermeiden.

Wenn es keine Ausweichtermine gibt, helfen Hoppmann nur noch seine guten Beziehungen zu Hotelmanagern. So konnte er auch während einer Messe vier französische Kollegen für 180 statt der eigentlich verlangten 350 Euro unterbringen. Ansonsten hätten nur noch Hotels aus dem Zwei- bis Drei-Sterne-Segment erschwingliche Zimmer gehabt.

Auch Preisanalysen großer Reiseportale zeigen die steigenden Übernachtungskosten zu Messezeiten. Laut Preisvergleichsportal Kayak haben sich die Hotelpreise zur Cebit in Hannover im vergangenen Jahr durchschnittlich verdoppelt. Check24 analysierte die Unterkünfte mit den höchsten Preissteigerungen und fand heraus, dass Hotels während der Leipziger Buchmesse um bis zu 280 Prozent teurer waren, während der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin bis zu 400 Prozent und während des Oktoberfests in München sogar bis zu 900 Prozent.

Um den Preisschock zu mildern, setzen Hotels auf einen neuen Trend, den sie sich bei Fluggesellschaften abgeschaut haben: Frühbucherangebote. „Das hat sich in der letzten Zeit immer stärker durchgesetzt“, sagt Bianca Spalteholz, Unternehmensberaterin für Hoteliers. An sich eine tolle Sache: Der Gast bucht sein Hotelzimmer einige Zeit im Voraus und erhält dafür einen Preisnachlass zwischen zehn und 25 Prozent. Er muss sich allerdings sehr sicher sein, dass er tatsächlich auch anreist. Denn stornieren kann er die Buchung nicht.

Gerade während Messen ist das für die Übernachtungsstätten ein gutes Geschäft. Reist der Kunde nicht an, können die Hoteliers zumindest in den ersten Tagen der Veranstaltung das Zimmer sicher wieder vermieten und verdienen so doppelt. Lediglich zehn bis 20 Prozent müssen sie für die nicht benutzte Bettwäsche oder das ausgelassene Frühstück zurückerstatten.

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Auch wenn die Stornierung in den Klauseln der Frühbucherrabatte ausgeschlossen wird, könnte ein Gast sein Geld zurückbekommen – wenn er nachweisen könnte, dass der Hotelinhaber das Zimmer weitervermietet hat. In der Praxis passiert das allerdings selten, berichtet Kerstin Hoppe vom Bundesverband der Verbraucherzentralen: „Da ist der Kunde in einer schwierigen Position, weil er nachweisen muss, dass sein Zimmer an eine andere Person gegangen ist.“

Wie das funktionieren könnte, erklärt Tourismusanwältin Grit Andersch: „Einfach einen Freund kurz vor der geplanten Anreise anrufen und nach einem Übernachtungsplatz fragen lassen.“ Wenn das zurückgegebene Zimmer dann auch schon wieder weg ist, kann der Kunde sein Geld zurückverlangen.

Um solche Auseinandersetzungen von Beginn an zu verhindern, hat sich der Deutsche Hotel-und Gaststättenverband Nordrhein-Westfalen etwas einfallen lassen. Fast 200 Hotels mit dem Gütesiegel „FairFairs“ versprechen, schon ein Jahr vor einer Messe einen Maximalpreis festzulegen. Hat man gebucht und kann die Reise doch nicht antreten, ist der Hotelier verpflichtet, das Zimmer weiterzuvermieten. In diesem Fall bleibt der verhinderte Gast nur dann auf Kosten sitzen, wenn das Zimmer beim zweiten Mal zu einem geringeren Preis vermietet wird. Bislang gibt es ein solches Gütesiegel allerdings noch in keinem anderen Bundesland.

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