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Luxushotelbetreiber Bye-bye, Betongold: Hyatt verkauft Immobilien im Wert von drei Milliarden Euro

Der Luxushotelbetreiber schwenkt strategisch um – und trennt sich von Immobilien. Grund ist der Wettlauf um die Spitzenposition im Übernachtungsgewerbe.
27.11.2019 - 17:12 Uhr Kommentieren
Hyatt ist mit zuletzt 4,45 Milliarden US-Dollar Umsatz und 875 Häusern weltweit die Nummer vier. Quelle: 500Px Unreleased/Getty Images
Hyatt-Hotel

Hyatt ist mit zuletzt 4,45 Milliarden US-Dollar Umsatz und 875 Häusern weltweit die Nummer vier.

(Foto:𧋴Px Unreleased/Getty Images)

Zürich Der Baggerführer schwenkt die Schaufel für einen Moment zur Seite, um die Besucher in ihren Gummistiefeln passieren zu lassen. „Grüezi“, ruft er ihnen zu, bevor sie ins Innere des gigantischen Neubaus verschwinden, dessen Hauptraum eine Sporthallen-große Pyramide bildet.

Hier, nur wenige Schritte vom Züricher Flughafen, wo heute noch Baugerüste, rohe Betonstufen und milchige Pfützen den Durchgang erschweren, sollen schon in zehn Monaten bis zu 2500 Konferenzgäste tagen. So will es der US-Hotelkonzern Hyatt.

Umgeben von zwölf Restaurants, Erlebnisshops und Parkanlagen eröffnet er im Herbst 2020 in dem riesigen Neubaukomplex „The Circle“ zwei Nobelhotels mit zusammen 554 Zimmern. „Zürich bekommt damit ein zweites Zentrum“, schwärmt Peter Fulton, im Hyatt-Vorstand verantwortlich für Europa, Afrika, Naher Osten und Südwest-Asien. Und die Hotelkette bekommt ihren zweitgrößten Standort in Europa.

Doch kosten wird er den Konzern – für Hyatt ungewöhnlich – zunächst kaum einen Franken. Die Investitionssumme des „Circle“ von umgerechnet fast einer Milliarde Euro, ein Viertel davon reserviert für den Hyatt-Komplex, trägt ein Konsortium um die Flughafengesellschaft Zürich (51 Prozent) und den Versicherungskonzern Swiss Life (49 Prozent). Auf dessen Rechnung geht auch der Hotelbetrieb, während sich Hyatt mit einer an Umsatz und Gewinn geknüpften Managementgebühr begnügt.

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    Es ist der Wettlauf um die Spitzenposition im Übernachtungsgewerbe, der dem Hotelriesen aus Chicago seit Kurzem einen massiven Strategieschwenk verordnet. Hyatt ist mit zuletzt 4,45 Milliarden US-Dollar Umsatz und 875 Häusern weltweit die Nummer vier. Das Schwergewicht im internationalen Hotelgeschäft schaltet nun um auf „Hotellerie light“.

    Grafik

    War dem 1957 von Jay Pritzker gegründeten Herbergskonzern jahrelang der Hotelbesitz heilig, trennte er sich seit 2017 von Immobilien im Wert von 1,44 Milliarden Dollar, um mit den Einnahmen die Expansion voranzutreiben – über kapitalsparende Management- und Franchiseverträge. Weitere 1,5 Milliarden Dollar, so fordert es Chicago, sollen bis März 2022 noch einmal folgen.

    Daran wird seit Sommer erfolgreich gearbeitet. Seither versilberte Hyatt ein Haus in San Francisco für 120 Millionen Dollar, das Hyatt Regency in Atlanta wechselte den Eigentümer für 355 Millionen, ein Bauprojekt im texanischen Austin, das ein „Hyatt Centric“ beherbergen soll, wurde gleich nach dem ersten Spatenstich verscherbelt.

    Was nicht durch Aktienrückkäufe ausgeschüttet wird – rund 60 Prozent hält die Familie Pritzker –, befeuert die Ausbreitung neuer Hotels. Zählte Hyatt 2009 noch 27.000 Zimmer in der unmittelbaren Planung, befanden sich Ende 2018 stattliche 89.000 in der Pipeline.

    Allein in Frankfurt sollen 2020 (Eschborn) und 2024 (Goetheplatz) zwei neue Hyatt-Häuser an den Start gehen. Standorte in Stuttgart und Heidelberg werden gesucht. Selbst am Tegernsee hätte Europachef Fulton gerne ein weiteres Haus. Allerdings unter der zugekauften Luxusmarke „Alila“, die im Schwerpunkt mit Nachhaltigkeit wirbt.

    Zimmerzahl vervierfacht

    Nimmt man den Nettozuwachs an Zimmern als Maßstab, zeigt sich Hyatt im Hotelgewerbe führend. „In Europa, Afrika, dem Nahen Osten und Südwestasien haben wir die Zahl der Unterkünfte in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht“, rechnet Fulton vor. Nur, ganz freiwillig dürften die Amerikaner die Expansion nicht eingeläutet haben. Mächtige Wettbewerber, so scheint es, drohen Hyatt in den Schatten zu stellen.

    2015 machte die Übernahme von Starwood den amerikanischen Rivalen Marriott zum unangefochtenen Weltmarktführer – mit einem Gesamtumsatz von zuletzt 20,8 Milliarden Dollar. Hyatt, damals als ernsthafter Interessent genannt, hatte das Nachsehen.

    Auch beim Verkauf von NH Hotels ging Hyatt im vergangenen Jahr leer aus, wohl weil man mit dem Angebot zu spät kam. Nun könnte selbst die deutsche Steigenberger-Gruppe, die exakt im selben Luxussegment unterwegs ist, den Amerikanern gefährlich werden. Nach der Anfang November verkündeten Übernahme durch den chinesischen Hotelkonzern Huazhu sollen sich deren Standorte auf 250 verdoppeln.

    „Auch wir halten stets Ausschau nach Zukaufgelegenheiten“, sagt Fulton. Hyatt jedoch wuchs zuletzt durch Übernahmen gerade einmal um 74 Häuser. Ende 2018 übernahm man für 405 Millionen Dollar den in Europa unbekannten Anbieter Two Roads Hospitality. Deren Hotelmarken „Alila“, „Thompson Hotels“ oder „Joie de Vivre“ müssten bei einer Expansion ins Ausland jedoch zunächst teuer beworben werden.

    „Wir brauchen nicht die Größten in der Branche zu sein“, wiegelt Fulton ab. Viele in der Branche sehen das anders. Wer ein großes Angebot besitzt, glaubt etwa Sébastien Bazin, CEO des französischen Wettbewerbers Accor („Pullman“, „Mercure“, „Ibis“), könne in jedem Fall machtvoller gegenüber Hotelportalen wie Booking.com oder Expedia auftreten.

    Und damit deren Kommissionsforderungen drücken. Gleichfalls ließen sich konzernweite Kundenbindungsprogramme mit zunehmender Größe erfolgreicher umsetzen.

    Das weiß offensichtlich auch das Hyatt-Management. Zwischen 2015 und Ende 2018 fügte es dem Unternehmen 66.000 Unterkünfte hinzu, wodurch sich das Angebot um fast die Hälfte auf 211.000 Zimmer erweiterte. Dabei nimmt die Führung um CEO Mark Hoplamazian sogar einen risikoreichen Umbau in Kauf: Nur noch acht Prozent seines Angebots offerierte der Hotelriese Ende 2018 in eigenen oder geleasten Häusern.

    Dabei trugen diese immerhin 47 Prozent zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei. Bis März 2022 sollen die Häuser im Eigenbesitz sogar auf drei Prozent schrumpfen, der Ertragsanteil aus Management- und Franchisegebühren entsprechend von 53 auf 67 Prozent steigen.

    Die Ratingagentur Moody’s sieht dies mit gemischten Gefühlen. Einerseits habe der enorme Eigenbesitz den Hotelbetreiber in der Vergangenheit gegenüber Wirtschaftskrisen anfällig gemacht, glauben deren Analysten. Andererseits gehen sie nun davon aus, dass durch die Verkäufe, Investitionen und Aktienrückkaufprogramme der Verschuldungsgrad in den nächsten zwei Jahren steigt.

    Fulton, der im Züricher „Circle“ sein neues Büro beziehen wird, lässt das kalt. „Die stürmisch steigende Zahl von Reisenden aus China und Indien gibt uns noch reichlich Möglichkeiten zum Wachstum“, sagt er und schaut auf die riesige Baustelle.

    Mehr: Der chinesische Konzern Huazhu kauft Steigenberger-Hotels. Steigenberger soll weiter expandieren.

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