Sponsoring geplatzt: Schalke streitet mit Immobilienfirma um drei Millionen Euro
Düsseldorf. Man wünschte sich Erfolg und Vertrauen, heraus kamen Abstieg und offene Rechnungen. Am 19. Januar 2023 stellte der Fußballbundesligist Schalke 04 einen neuen Werbepartner vor: das Immobilienunternehmen Whitefield. Erwartete Einnahmen für den Verein: etwa drei Millionen Euro.
Bernd Schröder, zu jener Zeit Schalkes Vorstandsvorsitzender, freute sich: „Wir sind davon überzeugt, dass wir die Zusammenarbeit in den nächsten Monaten gemeinsam und erfolgreich fortführen werden.“ Die Chefjuristin von Whitefield, Tanaz Vakili, sagte bei Vertragsabschluss: „Das Zusammenkommen in den letzten Wochen mit dem FC Schalke 04 war der Beginn einer vertrauensvollen Partnerschaft.“
Es kam anders. Schalke verlor zwei Tage später 0:3 gegen Eintracht Frankfurt, dann 1:6 im Heimspiel gegen den RB Leipzig. Vier Monate später stand der Traditionsverein auf dem 17. Tabellenplatz. Die Saison war vorbei, Schalke abgestiegen. Und Whitefield hatte noch keinen Cent gezahlt.
Nach Informationen des Handelsblatts geht der Fußballverein aus dem Ruhrpott juristisch gegen seinen Sponsor aus Berlin vor. Vergangenes Jahr reichte Schalke eine Klage gegen die Whitefield Landbanking Fund beim Landgericht Berlin ein.
„Der Kläger macht Zahlungsansprüche gegen die Beklagte wegen einer Nichtzahlung von Entgeltansprüchen aus einem Werbepartnervertrag nach einer Schuldübernahme in Höhe von 2.975.000 Euro geltend“, bestätigt eine Gerichtssprecherin.
Whitefield präsentierte sich als Retter
Die hohen Ansprüche ergeben sich schon aus der Zeit vor dem eigentlichen Sponsorendeal: Harfid, ein Bauunternehmen aus Essen, war 2018 als Geldgeber bei Schalke eingestiegen und rückte zur Saison 2021/2022 zum Ärmelsponsor der Königsblauen auf. Im Zuge der Immobilienkrise geriet Harfid Mitte 2022 in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Harfid fürchtete die Insolvenz, Schalke drohte der Ausfall von Millionen.
Dann trat Whitefield auf den Plan. Anfang Oktober 2022 übernahm die Berliner Gruppe die Mehrheit an der Harfid Holding. Geplant sei eine Sanierung von Harfid und eine Übernahme der Verpflichtungen gegenüber Dritten. „Als langfristig orientierter Investor dient unsere Beteiligung dazu, unsere Aktivitäten als Projektentwickler und Asset Manager vor allem in Nordrhein-Westfalen auszubauen“, sagte damals Whitefield-Vorständin Eda Manav.
>> Lesen Sie außerdem: Lars Windhorst und Hertha BSC Berlin – ein Desaster mit Ansage
Der Plan misslang. „Wir haben die Reißleine gezogen und werden den Vertrag mit Harfid auflösen“, hieß es am 17. Februar 2023 aus Berlin, vier Monate nach der angekündigten langfristigen Orientierung von Whitefield. Und auch für Schalke hatten die Immobilienmanager schlechte Nachrichten.
„Das betrifft eine Altschuld aus Verträgen zwischen Harfid Holding sowie Schalke 04“, sagt ein Whitefield-Sprecher auf die Frage nach den fehlenden Sponsoring-Millionen. „Da leider die Anteile der Harfid Holding nie in den Besitz der Whitefield gelangen konnten, da diese verpfändet waren, wurde Schalke informiert, dass Whitefield dieser Verpflichtung von Harfid nicht nachkommen werde.“
Nun liegt der Fall vor Gericht – und ein weiterer Streit ist entbrannt. Nach Informationen des Handelsblattes schlossen Schalke und Whitefield im Januar 2023 auch einen eigenen Sponsoringvertrag. Hier geht es um eine sechsstellige Summe. Auch diese Gelder kamen offenbar nie an und sollen nun eingetrieben werden. Ein Schalke-Sprecher: „Diese Gelder sind nicht Teil der Klage, sondern wurden einem Inkasso-Unternehmen übergeben.“
Whitefield bestreitet, seiner Verpflichtung aus dem eigenen Sponsoring-Vertrag nicht nachgekommen zu sein. „Nach den uns vorliegenden Umsatznachweisen wurde das Geld bezahlt“, sagte ein Sprecher. Es steht Aussage gegen Aussage.
Die Effenberg-Bank mischte mit
Fast hätte sich Schalke sogar darauf eingelassen, mit dem Immobilienunternehmen einen weiteren Deal abzuschließen. „Was das Sponsoring Saison 2023/2024 betraf, war man sich einig als Hauptsponsor einzusteigen“, meint ein Sprecher Whitefields. Das Unternehmen legte dazu ein Bestätigungsschreiben der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden vor. Das Kreditinstitut war in der Vergangenheit wegen fragwürdiger Immobiliengeschäfte und einer Geschäftsbeziehung zu Ex-Fußballer Stefan Effenberg in Verruf geraten und trägt seitdem den Spitznamen Effenberg-Bank.
Whitefield bezeichnet das Geldhaus als „unsere Bank“. In dem Bestätigungsschreiben ist zu lesen, dass der Whitefield-Gesellschafter den Wunsch geäußert habe, als Hauptsponsor bei Schalke einzusteigen. Die VR-Bank sollte dafür einen Betrag von fünf Millionen Euro zwischenfinanzieren. Am 14. Juli 2023 schreibt die Bank, dass man in den kommenden 14 Tagen handlungsbereit sei und den Antrag final prüfen könne. Die Bank wollte sich dazu mit Verweis auf das Bankgeheimnis nicht äußern.
Veltins springt in der Not ein
Ein Vertrag kam nicht zustande – und Schalke hätte zum Start der Saison 2023/2024 fast ohne Brustsponsor dagestanden. Erst in letzter Minute erklärte sich die Brauerei Veltins bereit, dem Verein in dieser Notlage zu helfen und als Hauptsponsor einzuspringen. Am 30. Juli 2023 gab der FC Schalke 04 bekannt, dass der Vorstandsvorsitzende Schröder den Verein „im gegenseitigen Einvernehmen“ verlässt.
Schröder hatte als Schalke-Boss den Deal mit Whitefield mit eingefädelt. In einem WhatsApp-Chat schrieb Schröder an Whitefields Vertreter Aydin Tasci: „Ich hoffe, dass wir demnächst Gelegenheit haben werden, uns besser und tiefer kennen zu lernen. Ich freue mich auf die gemeinsame Zukunft. Glück auf.“
Alle Nettigkeiten halfen nichts. Schalke wartet heute nicht nur auf Millionen, sondern auch auf den Erfolg. Aktuell liegt Schalke in der zweiten Liga auf Platz 14, zwei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt.