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KommentarLars Windhorst und Hertha BSC Berlin – ein Desaster mit Ansage

Der deutsche Finanzinvestor soll den Ex-Vereinspräsidenten bespitzelt lassen haben. Das Projekt Champions League ist krachend gescheitert – und sein Geld futsch.Sönke Iwersen 07.10.2022 - 12:30 Uhr Artikel anhören

Eine Lehrstunde über das Aufeinandertreffen eines ungehemmten Großkapitalisten mit verbohrten Vereinsmeiern.

Foto: IMAGO/Fotostand

Düsseldorf. Dass Fußballfans ein schizophrenes Verhältnis zum Geld haben, ist gut dokumentiert. Dieselben Schalke-Anhänger, die den Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp einen Hurensohn nennen, jubelten jahrelang unter dem Gazprom-Logo. Gladbacher Fans beschimpfen den RB Leipzig als „reines Markenprodukt“, während ihre Mannschaft von Audi, Bitburger und Puma gesponsert wird.

Lars Windhorst hätte es also besser wissen können. 374 Millionen Euro hat der Finanzinvestor seit 2019 in Hertha BSC Berlin gesteckt. Windhorst wollte mit dem Hauptstadtclub in die Champions League. Im ersten Jahr nach seinem Einstieg landete das Team auf Tabellenplatz 10, ein Jahr später auf Platz 14, zuletzt wäre Hertha beinahe abgestiegen.

Das ganze Projekt ist ein Desaster. Eine Lehrstunde über das Aufeinandertreffen eines ungehemmten Großkapitalisten mit verbohrten Vereinsmeiern. Die Führung von Hertha BSC hat Lars Windhorst nie ernst genommen, nur sein Geld ausgegeben. Hinter den Kulissen wurde getuschelt und gestichelt.

Schmutzkübel werden ausgegossen

Windhorst reagierte, wie er immer agiert: mit allen Mitteln. Nun werden die Schmutzkübel öffentlich ausgegossen. Dies Spiel kennt keine Gewinner. Der Verein ist in Aufruhr, Windhorst muss sich wegen des mutmaßlichen Einsatzes von Detektiven gegen Ex-Präsident Werner Gegenbauer womöglich strafrechtlich verantworten.

Das Schlimmste an dem Drama ist, dass es kein Ende findet. Windhorst hat Hertha angeboten, seine Anteile für 374 Millionen Euro zurückzukaufen. Der Verein kann nicht zahlen. Es lässt sich auch kein anderer denken, der das wollte. So bleiben Hertha und Windhorst aneinandergekettet.

Überall in der Bundesliga können die Fans nun neue Hassplakate malen. Die Scheinmoral bleibt erhalten. Beim Vorzeigeclub der Liga ist mit Uli Hoeneß ein verurteilter Steuerbetrüger Ehrenpräsident, der FC Bayern reist zum Training seit Jahren in den Sklavenstaat Katar. Es gilt: Geld stinkt nur, solange es keine Tore schießt.

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