Energie: Europa steckt in einer Gaspreiskrise – Das sind die Folgen für die Versorgung in Deutschland
Die Großhandelspreise für Erdgas steigen und steigen. Zugleich sind die Speicher in Deutschland deutlich weniger gefüllt als vor der Heizsaison üblich.
Foto: imago images/Future ImageDüsseldorf. In Großbritannien könnte das Fleisch knapp werden, in Italien gehen die Energiepreise durch die Decke, und in Deutschland fürchten Verbraucher gar einen „Heatout“ (Ausfall der Wärmeversorgung). Kurz vor dem Winter sind Europas Erdgasspeicher gefährlich leer.
Russel Hardy, Chef des weltgrößten Erdölhändlers Vitol, warnte auf der internationalen Gastech-Konferenz in Abu Dhabi vor einer „höchst angespannten Situation“. Die Speicher müssten jetzt unbedingt aufgefüllt werden. „In den nächsten Monaten kann die Produktion die erhöhte Nachfrage bei einem kalten Winter sonst nicht mehr decken.“
Die deutschen Erdgasspeicherunternehmen wiegeln indes ab: „Eine Gefahr für die Versorgungssicherheit besteht für die erste Winterhälfte derzeit nicht“, sagt Sebastian Bleschke, Vorsitzender der Initiative Erdgasspeicher (INES), auf der Handelsblatt-Gastagung. In dem Verband sind gut 90 Prozent aller deutschen Erdgasspeicherunternehmen organisiert. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gibt vorerst Entwarnung: „Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist weiterhin hoch“, sagte eine Sprecherin in Berlin.
Waren die unterirdischen Lagerstätten zu dieser Zeit im Vorjahr noch zu über 90 Prozent gefüllt, sind es aktuell gerade mal 64 Prozent. In einer Studie von 2015 rechnet das Bundeswirtschaftsministerium allerdings vor, dass zur Absicherung gegen Risiken, beispielsweise einen kalten Winter, ein Speicherstand von 90 Prozent vorgehalten werden sollte. Die Einspeicherung von Erdgas dauert aus technischen Gründen jedoch mehrere Wochen und funktioniert nicht von heute auf morgen.