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  4. Inmitten einer weltweiten Viruspandemie und historisch niedrigen Ölpreisen, stellt der größte Öl- und Gaskonzern Wintershall DEA zehn Monate nach der Fusion seine ersten Zahlen vor.

EnergieÖl- und Gaskonzern Wintershall Dea schaltet in den Corona-Modus

Deutschlands größter Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea legt zum ersten Mal Zahlen vor und reagiert auf die Folgen der weltweiten Corona-Pandemie.Kathrin Witsch, Jürgen Flauger 18.03.2020 - 11:44 Uhr

Eine Ölpreiskrise und die weltweite Viruspandemie stellen Europas größten Öl- und Gaskonzern vor eine Herausforderung. 

Foto: dpa

Düsseldorf. Das Jahr 2020 sollte für Deutschlands größten Öl- und Gaskonzern eigentlich zum Erfolgsjahr werden: Nach der Zusammenlegung der beiden Rohstoffriesen Wintershall und BASF-Tochter Dea vor zehn Monaten war der Börsengang für 2020 schon geplant, die Gewinne sollten nach oben gehen, und es sollte kräftig investiert werden. 

Aber die weltweite Ausbreitung des Coronavirus und ein anhaltender Streit zwischen den Ölriesen aus Russland und Saudi-Arabien macht dem neuen Konzern jetzt einen Strich durch die Rechnung.

„Wir leben in unsicheren Zeiten, in denen man sich auf nichts mehr verlassen kann. Auch wir müssen uns jetzt anpassen“, sagte Vorstandschef Mario Mehren bei der Bilanzpräsentation am Mittwoch via Livestream.

Als Gegenmaßnahme sollen vor allem die geplanten Investitionen signifikant gekürzt werden. Auch die Dividendenzahlungen werden erst einmal ausgesetzt. Trotzdem zeigte sich der Wintershall-Dea-Chef überzeugt, dass man dank einer kosteneffizienten Produktion und einem breit aufgestellten Portfolio für die Herausforderungen gut gerüstet sei. Aber auch Mehren rechnet damit, dass die negativen Folgen des Coronavirus vor allem in den ersten beiden Quartalen massive Auswirkungen auf das Geschäft der fossilen Industrie haben werden. 

Zu dem geplanten Börsengang des neuen Unternehmens zeigte sich der Ölchef dann auch deutlich zurückhaltender als der Chemiekonzern BASF, der mit 67 Prozent die Mehrheit an Wintershall Dea hält. „Wir sind bereit, Mitte des Jahres an die Börse zu gehen. Aber es ist auch kein Geheimnis, dass wir dafür die richtigen Marktbedingungen brauchen“, so Mehren. Und die sind aktuell alles andere als ideal.

Erstmals seit Anfang 2016 notiert der Ölpreis unter der Marke von 30 Dollar pro Barrel (159 Liter). Die US-Sorte WTI rutschte sogar deutlich unter diese Marke. Das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) rechnet in einer neuen Analyse vor, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie sogar dazu führen, dass die weltweite Ölnachfrage zum ersten Mal seit über zehn Jahren zurückgehen wird. Die Analyse liegt dem Handelsblatt exklusiv vor. 

In einer schrumpfenden Weltwirtschaft sinkt auch die Nachfrage nach Rohöl. So haben zahlreiche Airlines einen Großteil ihrer Flüge gestrichen. Das lässt auch die Nachfrage nach Kerosin einbrechen. Benzin und Diesel sind so billig wie lange nicht mehr.

Ölbranche im Krisenmodus

„Die Industrie erlebt gerade sowohl einen Angebots- als auch Nachfrageschock mit Preisdruck“, erklärt BCG-Ölexperte Philip Whittaker im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Nachfrage für 2020 könne so um weit über eine Million Barrel pro Tag zurückgehen. 

Die Branche müsse sich jetzt auf unterschiedliche Entwicklungen vorbereiten – vor allem auf ein dauerhaft niedriges Ölpreisniveau. Schon jetzt sind die Aktienkurse der großen Ölunternehmen innerhalb von einer Woche um bis zu 40 Prozent gefallen. Bei kleineren Unternehmen sogar teilweise um über 50 Prozent. „Die Auswirkungen der Coronakrise auf Big Oil werden schwerwiegend sein“, warnt Whittaker.

Neben den Folgen des Coronavirus, herrscht seit dem Auseinanderbrechen der Allianz der Ölexporteure, Opec+ Anfang März, ein erbitterter Produktionskampf zwischen Saudi-Arabien und Russland. Um die Ölpreisschwächen abzufedern, hatten sich die 24 Staaten eigentlich dazu verpflichtet, weniger Öl zu fördern. Nun wollen Saudi-Arabien, andere Golfstaaten und Russland wieder mehr Öl auf den Markt bringen. 

Und das, obwohl zahlreiche Experten aufgrund der aktuellen Situation ohnehin schon von einem gewaltigen Überschuss an den Ölmärkten ausgehen. Das setzt die Preise weiter unter Druck. Ölexperte Whittaker rechnet damit, dass die Auswirkungen des Opec+-Streits zusätzlich zu den Folgen des Coronavirus „schwieriger und langwieriger werden könnten als bei der Finanzkrise 2008 oder dem Ölpreissturz 2014“.

Davon geht auch Wintershall DEA-Chef Mehren aus: „2020 wird als Jahr der Krise in die Geschichte eingehen.“

Dabei war das Joint Venture aus Kassel und Hamburg 2019 trotz niedrigerer Öl- und Gaspreise noch recht stabil gestartet. Gemeinsam förderten die Unternehmen neun Prozent mehr Öl und Gas als Wintershall und Dea 2018 zusammen. Trotz Produktionsrekord sank der um Sondereffekte bereinigte Überschuss jedoch auf 879 Millionen Euro. Selbst eine höhere Produktion und Sparmaßnahmen konnten die niedrigen Rohstoffpreise nicht ausgleichen.

Im Vergleich zu 2018 ist der Gaspreis im vergangenen Jahr um satte 40 Prozent gefallen, der Ölpreis für die Nordseemarke Brent fiel ebenfalls im Vorjahresvergleich um zehn Prozent. 

Auch im vergangenen Jahr gab es schon mehr Öl auf dem Markt, als die Welt verbraucht. Und auch das Gasangebot übersteigt die Nachfrage derzeit bei Weitem. Hinzu kommt eine schwächelnde Weltwirtschaft. Alles in allem war 2019 schon kein gutes Jahr für die Öl- und Gasindustrie. Nach Corona dürften sich die Ergebnisse 2020 noch einmal deutlich verschlechtern.

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