Energie: US-Investor I Squared kauft deutschen Solar-Pionier Sunfarming
Düsseldorf. Der milliardenschwere Investmentfonds I Squared sichert sich die Mehrheit an dem Berliner Solarunternehmen Sunfarming. In den nächsten drei Jahren will das US-Unternehmen mit Sitz in Miami eine halbe Milliarde Euro in den Ausbau der Photovoltaik in der Landwirtschaft (Agri-PV) investieren – allein in Deutschland.
„Es ist noch eine Nische, aber das Potenzial ist riesig. Wir sind überzeugt, dass Agri-PV in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird“, erklärt I-Squared-Deutschlandchef Yves Meyer-Bülow im Gespräch mit dem Handelsblatt.
Sunfarming ist einer der ältesten deutschen Solarkonzerne und einer der größten im Bereich Agri-PV. Seit 2004 plant und baut das Unternehmen Photovoltaik-Projekte, die landwirtschaftliche Produktion mit der Erzeugung von Solarstrom kombinieren. Im Fachjargon nennt sich das Agrophotovoltaik, kurz Agri-PV. I Squared will das Geschäft des Mittelständlers jetzt deutlich ausbauen.
Strom vom Acker spart Platz, kostet aber mehr
Mit einem verwalteten Vermögen von knapp 40 Milliarden US-Dollar ist I Squared einer der größten Infrastrukturinvestoren weltweit. Davon sind bislang sieben Milliarden Dollar im Energiebereich angelegt: von konventioneller Solarenergie über schwimmende Photovoltaik-Anlagen bis zu Windkraft und Stromnetzinfrastruktur.
Mit Sunfarming will der US-Investor jetzt den nächsten Markt erschließen, sagt Deutschlandchef Meyer-Bülow. „I Squared hat sehr viel Erfahrung mit der Skalierung von Plattformen. Viele unserer Investitionen beginnen im Kleinen und entwickeln sich zu hochprofessionellen Unternehmen.“
Um Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen zu nutzen, gibt es mehrere Möglichkeiten: als multifunktionales Sonnensegel, aufgeständert in sechs Meter Höhe oder vertikal installiert neben grasenden Kühen und Schafen. Das spart Platz, kostet aber Geld.
Zwischen sieben und zwölf Cent kostet es, eine Kilowattstunde Strom vom Acker zu produzieren. Zum Vergleich: Dieselbe Menge Strom gibt es hierzulande aus einem großen Solarpark für gerade mal zwei bis vier Cent. Trotzdem steigt mit der Nachfrage nach Ökoenergie auch das Interesse an Agri-PV.
Weltweit sind derzeit 14 Gigawatt der Photovoltaik auf Ackerflächen mit gleichzeitiger landwirtschaftlicher Nutzung verbaut. Frankreich und Japan gelten als Vorreiter, aber auch China, die USA und Südkorea fördern Agri-PV schon seit Jahren. Seit 2023 gibt es für solche Projekte auch in Deutschland die Möglichkeit einer Förderung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).
Agri-PV in Deutschland: Vier Millionen Hektar Potenzial
Bis 2030 will Deutschland Solaranlagen für 215 Gigawatt installieren. Die Hälfte davon auf freier Fläche und damit auch auf dem Acker. Der maximale Zubau von Freiflächenanlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen soll bis 2030 nicht mehr als 80 Gigawatt betragen. Davon ist man zwar noch weit entfernt, noch sind lediglich kleinere Projekte am Netz. Aber das Potenzial ist laut Experten groß.
Allein für Deutschland schätzt das Öko-Institut das Potenzial auf über vier Millionen Hektar. Ein Prozent der deutschen Ackerfläche könnte, mit Agri-PV ausgerüstet, bereits knapp neun Prozent des deutschen Strombedarfs decken. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Universität Hohenheim.
Im Schnitt sind Agri-PV-Module aufgrund der darunter wachsenden Nahrungsmittel allerdings zwischen 40 und 50 Prozent lichtdurchlässiger als herkömmliche Solaranlagen. Damit sinkt die Stromausbeute um fast die Hälfte. Und auch der Landwirt fährt weniger Ernte ein.
Trotzdem investieren Unternehmen wie I Squared, oder Baywa-Re in den Sektor. „Im Moment liegt der Fokus auf den staatlich geförderten Projekten, aber in Zukunft wird auch die Direktvermarktung, zum Beispiel an Rechenzentren, eine wichtige Rolle spielen“, begründet Meyer-Bülow das Interesse. Der steigende Energieverbrauch der Anlagen wird in Zukunft noch weiter von der wachsenden Nutzung Künstlicher Intelligenz verstärkt. Aufgrund strenger Klimaziele müssen die Tech-Unternehmen deswegen vor allem grüne Energie zukaufen.
Auch Portugals größter Energiekonzern EDPR sichert sich vorsorglich Kapazitäten über den deutschen Solarkonzern Kronos Solar. Anfang des Jahres hat das Unternehmen knapp 70 Prozent der Anteile des deutschen Agri-PV-Spezialisten übernommen.
Neben Kronos ist Sunfarming eines der größten Unternehmen zur Planung und Installation von Agri-PV-Parks. Unter anderem planen die Berliner aktuell Europas größtes Projekt in Brandenburg. Ab 2026 soll der Solarpark auf einer Fläche von 500 Hektar 753 Megawatt Grünstrom liefern. Fast so viel wie ein großes Kohlekraftwerk.