Energietechnik: Siemens Energy steigert Gewinn um 200 Prozent
München. Der Energietechnikkonzern Siemens Energy hat in den ersten drei Monaten des Jahres einen Rekordgewinn verbucht. Es sei das erfolgreichste Quartal seit der Unabhängigkeit, sagte Vorstandschef Christian Bruch bei der Vorstellung der Zahlen am Donnerstag in München. 2020 hatte der Industriekonzern Siemens seine Sparte ausgegliedert und als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht.
„Die Zeichen im Strommarkt stehen auf Wachstum“, erklärte Bruch. Vor allem der steigende Strombedarf führe zu einer hohen Nachfrage nach Netztechnik, Gasturbinen und Transformatoren, die sein Unternehmen fertigt.
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Aufgrund der Rekordzahlen kündigte Bruch an, die staatlichen Garantien in Höhe von 7,5 Milliarden Euro früher als geplant abzulösen. Wegen seiner kriselnden Windsparte war Siemens Energy vor zwei Jahren in finanzielle Not geraten, der Bund half daraufhin mit Bürgschaften in Milliardenhöhe aus.
Eigentlich sollten die erst 2026 abgelöst werden. „Wir arbeiten gerade daran, die Garantien abzulösen, und möchten das gern bis Ende des Jahres tun, also deutlich früher als geplant“, sagte Finanzvorständin Maria Ferraro nun. Wenn das gelinge, könne man ab 2027 auch wieder eine Dividende zahlen.
Nachfrage nach Netztechnologie und Gas auf Rekordhoch
Schon Mitte April hatte das Unternehmen seine Gewinnprognose für das aktuelle Geschäftsjahr angehoben. Rechnete man ursprünglich mit einem Ergebnis um den „Break-even“, also um null herum, soll der Gewinn nach Steuern nun bis zu eine Milliarde Euro betragen.
Die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2024/25 (30. September) erklären den Optimismus: Allein von Januar bis März verbuchte der Konzern einen Gewinn von 501 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung um 200 Prozent.
Die Aktie von Siemens Energy kletterte am Donnerstag auf ein neues Rekordhoch. Seit der Ausgründung des Unternehmens stieg der Kurs damit um über 228 Prozent.
Der größte Gewinnbringer ist mit Abstand das Geschäft mit der Netztechnik. Darunter fallen Herstellung und Bau von Übertragungsleitungen, Schaltanlagen, Transformatoren sowie digitale Netztechnologien und Software. Das Ergebnis vor Sondereffekten stieg um über 128 Prozent auf 511 Millionen Euro. Dazu haben insbesondere Großaufträge in Europa beigetragen, wie der Anschluss eines Offshore-Windparks vor der Küste Großbritanniens.
Größte Wachstumstreiber sind allerdings der Verkauf und die Wartung von Gasturbinen. Von den über 14 Milliarden Euro umfassenden Projekten im Auftragseingang stammt mehr als die Hälfte aus dem Bereich Gas-Service. „In den letzten zehn Jahren haben wir eine solche Nachfrage nach unseren Gasturbinen noch nicht gesehen“, sagte Bruch.
Allein im zweiten Quartal verkaufte Siemens Energy 60 Gasturbinen. Vor allem Saudi-Arabien, die USA und Taiwan treiben die Nachfrage im Geschäft mit dem fossilen Kraftwerksbau. In den USA sei vor allem der Bau zahlreicher neuer Rechenzentren Auslöser für den überraschenden Boom bei Gasturbinen.
„Im ersten Halbjahr haben wir acht Gigawatt in Gasturbinen allein für Rechenzentren in den Vereinigten Staaten reserviert“, so Bruch. Der Hype um Künstliche Intelligenz lässt die Nachfrage nach Rechenzentren weltweit deutlich ansteigen. Experten gehen davon aus, dass sich ihr Anteil am Stromverbrauch in den nächsten fünf Jahren von aktuell 1,5 auf drei Prozent verdoppelt.
Siemens Gamesa reduziert Verluste
Immer noch Sorgen bereitet Siemens Energy dagegen die Windsparte. Denn Siemens Gamesa schreibt weiterhin rote Zahlen. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2024/25 beläuft sich das Minus auf 249 Millionen Euro. Das ist allerdings ein deutlicher Fortschritt: Im Vorjahreszeitraum hatte die Windkraft noch einen Verlust von 446 Millionen Euro ausgewiesen.
Für die Verbesserung sorgte vor allem der Verkauf der Offshore-Turbinen. Bei den Anlagen auf hoher See ist Siemens Gamesa weltweit Marktführer. Gerade erst habe man die fünftausendste Turbine in Dänemark installiert, teilte Bruch mit. „Insgesamt haben wir seit dem Bau der allerersten Offshore-Windturbine 1991, die ebenfalls von Siemens Gamesa kam, Anlagen mit einer Leistung von 27 Gigawatt installiert. Damit können wir mehr als zehn Millionen Haushalte mit grünem Strom versorgen.“
Der Verkauf von Turbinen an Land dagegen läuft nach wie vor schleppend. Das liegt vor allem an den Nachwirkungen der Qualitätsprobleme bei der 4.x-Generation. Der Neuverkauf der fehlkonstruierten Onshore-Turbinen musste zeitweise eingestellt werden.
Risiken USA und Zollkonflikt
Auch wenn das Offshore-Geschäft wächst, fällt mit den USA unter Präsident Donald Trump ein wichtiger Zukunftsmarkt weg. Der Republikaner hatte gleich nach seinem Amtsantritt ein Verbot für neue Offshore-Projekte ausgesprochen. Trotzdem hielten sich die Auswirkungen der radikalen Politik des US-Präsidenten für Siemens Energy in Grenzen, betonte Bruch.
Dabei sind die Vereinigten Staaten für das Unternehmen der größte Einzelmarkt und machen ein Fünftel des Umsatzes der weltweiten Geschäfte aus. „Die Situation ist nach wie vor unklar, und wir sind als Unternehmen gegen Zölle nicht immun. Unsere Geschäfte basieren wie die aller Wettbewerber auf weltweiten Lieferketten“, sagte Bruch mit Bezug auf die aktuelle US-Handelspolitik und neue Importabgaben. Trotzdem habe man verschiedene Hebel in der Hand.
So betreibt Siemens Energy in den USA acht Fabriken mit 12.000 Mitarbeitenden und investiert auch weiterhin in den Ausbau der lokalen Wertschöpfungskette. Bis Ende des Geschäftsjahres werde man über die vergangenen drei Jahre eine halbe Milliarde Euro in die Erweiterungen der Produktionskapazitäten investieren, betonte der Siemens-Energy-Chef. Außerdem wolle man der Situation unter anderem mit Preiserhöhungen und möglicherweise neuen Lieferanten entgegensteuern.
„Für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres wird derzeit von einer begrenzten direkten Belastung des Ergebnisses von Siemens Energy bis zu einem hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag, nach kompensatorischen Maßnahmen, ausgegangen“, so Bruch. Es sei zwar zu früh, um zu bewerten, wie sich die Zölle makroökonomisch auswirkten, aber er gehe davon aus, dass „die finanziellen Folgen der Zollpolitik für uns überschaubar sind“.