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Energie

Energiewende Green Deal der EU soll Wasserstoff-Projekte der Energiewirtschaft vorantreiben

Die Energiekonzerne Tennet und Gasunie wollen die Produktion von grünem Wasserstoff vorantreiben. Eine große Rolle fällt Deutschland zu, doch deutsche Behörden machen Probleme.
19.01.2020 - 08:15 Uhr Kommentieren
Grüner Strom soll in Wasserstoff umgewandelt werden. Quelle: dpa
Offshore-Windpark in der Nordsee

Grüner Strom soll in Wasserstoff umgewandelt werden.

(Foto: dpa)

Berlin Wenn es nach Manon van Beek geht, muss die Verwirklichung eines integrierten europäischen Energiesystems eher heute als morgen Realität werden. „Wir dürfen keine Zeit verlieren und müssen jetzt handeln“, sagte die Chefin der niederländischen Tennet Holding B.V. dem Handelsblatt. Der deutsche Übertragungsnetzbetreiber Tennet gehört dem niederländischen Unternehmen. Tennet ist nach eigenen Angaben „größter Investor in die deutsche Energiewende“.

Man habe ein Projekt- und Investitionsportfolio, das inzwischen größer sei als das der anderen drei deutschen Übertragungsnetzbetreiber zusammen. Nach Überzeugung der Tennet-Chefin bedarf es einer „engen europäischen Kooperation, um ein integriertes europäisches Energiesystem zu schaffen“.

Deutschland spielt dabei mit der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 nach Einschätzung van Beeks eine Schlüsselrolle: Das Land müsse die sechs Monate der Ratspräsidentschaft nutzen, „um aktiv grenzüberschreitende Projekte und Ideen zu initiieren und zu fördern, etwa eine europäische Vision zur Wasserstoffproduktion“, regt van Beek an.

„Mit dem Green Deal, der von einer deutschen Kommissionspräsidentin vorangetrieben wurde, kann viel erreicht werden“, sagte sie. Ursula von der Leyen hat erst kürzlich ihre Pläne für den Wandel Europas hin zu einem klimaneutralen Kontinent vorgestellt. Der Umbau des Energieversorgungsystems spielt dabei eine wichtige Rolle. Die EU-Kommissionschefin stellt zur Finanzierung des Mammutprojekts hohe Milliardenbeiträge in Aussicht.

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    Es gehe darum, die Grenzen von Infrastrukturen zu überwinden und über Ländergrenzen hinweg Projekte anzustoßen wie die von Tennet und anderen Unternehmen ersonnene „Windenergieinsel“ in der Nordsee, sagte van Beek. Sie wünsche sich „mehr Mut, um die Energiewende voranzutreiben und klare regulatorische und rechtliche Rahmenbedingungen zu entwickeln“.

    Grüner Wasserstoff für die Industrie

    Seit langem wirbt Tennet dafür, die Strom- und Gasinfrastruktur zu verschmelzen. Beispielhaft steht dafür das von Tennet und dem Gasnetzbetreiber Gasunie geplante Projekt „Element Eins“: In der Anlage der 100-Megawatt-Klasse soll aus überschüssigem Windstrom mittels Elektrolyse Wasserstoff entstehen. Der Wasserstoff kann in einem zweiten Verfahrensschritt in Methan umgewandelt werden.

    Das Verfahren, das in der Fachwelt unter „Power to Gas“, kurz PtG läuft, elektrisiert derzeit Energiebranche und Industrie. Das in einer PtG-Anlage mittels Strom aus erneuerbaren Quellen hergestellte Gas ist klimaneutral und kann vielfältig eingesetzt werden, beispielsweise als Rohstoff in der Industrie oder im Mobilitätssektor.

    Man kann das Gas aber auch ins vorhandene Gasnetz einspeisen. Auf diesem Weg verschmelzen Strom- und Gasnetzinfrastruktur. Die PtG-Technologie könnte somit als saisonaler Speicher für erneuerbaren Strom dienen. So könnte das vorhandene Gasnetz stärker genutzt werden und der Bedarf an neuen Stromübertragungsleitungen reduziert werden.

    In einer Machbarkeitsstudie, deren Zusammenfassung dem Handelsblatt vorliegt, wird die mögliche Ausgestaltung des Projektes „Element eins“ konkretisiert. Demnach bietet der Standort Diele in Niedersachsen die besten Voraussetzungen für das Vorhaben. Ein „hoher potenzieller Auslastungsgrad“ sei gewährleistet.

    „Wir müssen die Gas- und Stromnetze integrieren, um die energiepolitischen Ziele zu erreichen“, sagt van Beek. Man müsse jetzt in großen Dimensionen denken.

    Auch Gasunie wirbt für die Verzahnung der Systeme: „Die Gas- und Stromnetze spielen gemeinsam eine entscheidende Rolle im Energiesystem der Zukunft. Um die zunehmenden Schwankungen im Energienetz zu bewältigen, müssen unsere Gas- und Strominfrastrukturen nahtlos aufeinander abgestimmt werden“, sagt Gasunie-Chef Han Fennema.

    Beim Projekt „Element Eins“ gehe es darum, die Technologie in großem Maßstab zu testen. „Von diesen Erfahrungen werden alle kommerziellen Anbieter in Zukunft profitieren“, ist van Beek überzeugt.

    Behörden sind noch zurückhaltend

    Die Bundesnetzagentur und Bundeswirtschaftsministerium sehen das allerdings anders. Der Investitionsantrag von Tennet liegt der Regulierungsbehörde seit Monaten vor, ebenso wie der Antrag für ein vergleichbares Projekt von Amprion und Open Grid Europe (OGE) mit dem Namen „Hybridge“. Bislang hat die Netzagentur noch keine Entscheidung getroffen, sie vertrat allerdings bislang die Auffassung, es gehöre nicht zu den Aufgaben der Netzbetreiber, PtG-Anlagen zu bauen.

    Manon von Beek hat für die zögerliche Haltung kein Verständnis. „Wenn wir in zehn Jahren Power-to-Gas im großen Maßstab nutzen wollen, müssen wir jetzt starten. Wir brauchen also eher früher als später grünes Licht von Behörde und Politik“, sagt sie.

    Van Beek stützt ihre Überlegungen auf die Fortschreibung des „Infrastructure Outlook 2050“, die Tennet und Gasunie in diesen Tagen präsentieren werden. Der Ausblick wurde maßgeblich von der RWTH Aachen, dem Forschungszentrum Jülich und dem Beratungsunternehmen DBI Gas- und Umwelttechnik, einer Tochter des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), erstellt. Eine erste Fassung des Outlooks stammt aus dem vergangenen Jahr.

    Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zur CO2-Reduktion zu erreichen, müsste die Energieinfrastruktur einen „tiefgreifenden Wandel“ durchlaufen, heißt es in der aktuellen Fortschreibung der Studie. Die Kopplung der Energieinfrastrukturen für Gas und Strom sei von großer Bedeutung, PtG spiele eine Schüsselrolle in der nächsten Phase der Energiewende.

    Hehre Ziele, bange Realität – Wo Europas Green Deal an seine Grenzen stößt

    Mehr: Mit grünem Wasserstoff ließen sich viele Herausforderungen im Klimaschutz bewältigen. Doch der Weg vom Labor in die Praxis ist weit und die Bundesregierung zaudert.

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