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Energie

Erneuerbare Energien Solarstrom schafft den Durchbruch – ohne Subventionen

Photovoltaik galt lange als teuer und hat die Verbraucher Milliarden gekostet. Jetzt rechnet sich die Technologie erstmals auch ohne staatliche Unterstützung.
05.02.2020 - 17:04 Uhr 9 Kommentare
Die Solarenergie scheint jetzt den kommerziellen Durchbruch endlich geschafft zu haben. Quelle: dpa
Solaranlage

Die Solarenergie scheint jetzt den kommerziellen Durchbruch endlich geschafft zu haben.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Während die Windbranche in Deutschland eine nie da gewesene Flaute erlebt, wächst der heimische Solarmarkt endlich wieder – und nicht nur das. Zum ersten Mal ist Sonnenenergie so rentabel, dass Solarparks ganz ohne Fördergelder gebaut werden. Das Unternehmen Naturstrom will seine Kunden nun als erster deutscher Versorger mit subventionsfreiem Solarstrom aus einem Park in Bayern versorgen, wie das Handelsblatt vorab erfuhr.

Mit einer Leistung von rund 20 Megawatt soll die Anlage in Parsberg-Eichensee ab Mai insgesamt Strom für mehr als 6300 Haushalte pro Jahr liefern. „Das ist ein Epochenwandel für die Erneuerbaren“, sagt Naturstrom-Chef Oliver Hummel im Gespräch mit dem Handelsblatt. So etwas habe es vorher noch nie gegeben. „Wir treten nun in eine Phase ein, in der die Parallelwelten von Ökostromerzeugung und -nutzung Schritt für Schritt aufgehoben werden.“ Zum ersten Mal könne der Strom aus eigenen Solaranlagen direkt an den Kunden weitergegeben werden.

Obwohl Deutschland nicht gerade für die Anzahl seiner Sonnenstunden bekannt ist, haben die mittlerweile 1,7 Millionen installierten Solaranlagen die Bundesrepublik zu Europas Solarland Nummer eins gemacht. Mehr als 70 Milliarden Euro schossen die deutschen Stromverbraucher schon über die EEG-Umlage zur Förderung der Technologie dazu.

Jetzt scheint die Solarenergie den kommerziellen Durchbruch endlich geschafft zu haben. Der Energiekonzern EnBW kündigte bereits im vergangenen Jahr an, den größten Solarpark Deutschlands in Brandenburg zu bauen – und zwar ganz ohne Subventionen. Ans Netz gehen soll das 175-Megawatt-Projekt allerdings erst im Laufe des Jahres.

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    Naturstrom kommt dem Konkurrenten jetzt zuvor, wenn auch mit einem deutlich kleineren Projekt.  Das Hamburger Unternehmen Enerparc baut die Anlage in Bayern zwar, verkauft wird der subventionsfreie Grünstrom am Ende aber von dem Energiekonzern Statkraft. Dafür haben Naturstrom und Statkraft einen Vertrag über elfeinhalb Jahre abgeschlossen, auch Power Purchase Agreement (PPA) genannt.

    Grafik

    Damit die Einnahmen auch ohne feste Vergütungen nicht komplett den schwankenden Strompreisen ausgesetzt sind, schließen förderfreie Grünstromprojekte oft einen Direktabnahmevertrag. „Wir haben ein Modell entwickelt, in dem wir langfristige Preissicherheit für die Projektentwickler übernehmen, aber für Versorger und Industriekunden einen Abnahmevertrag mit flexibler und variabler Preisausrichtung anbieten“, sagt Carsten Poppinga, Deutschlandchef des norwegischen Unternehmens. Er ist davon überzeugt, dass in Zukunft immer mehr Solarparks ohne Förderung gebaut werden, nicht nur in Deutschland.

    Allein im vergangenen Jahr summierten sich die Ökostromdeals laut Bloomberg New Energy Finance auf 13,5 Gigawatt weltweit, mehr als doppelt so viel wie 2017. Grund für den Anstieg ist vor allem die boomende Nachfrage seitens der Wirtschaft. Vorreiter in Sachen PPAs waren bislang die Vereinigten Staaten oder Länder wie Norwegen, Schweden und Dänemark. Jetzt ziehen die Direktstromverträge aber auch im Rest Europas stetig an.

    Preise sinken, Nachfrage steigt

    2019 summierte sich die Anzahl geplanter Projekte laut einer Analyse der Energieunternehmensberatung Enervis Energy Advisors auf etwa 21 Gigawatt. Die meisten PPA-Pläne kamen zwar aus Spanien, Deutschland schaffte es aber immerhin mit 1 057 Megawatt hinter Frankreich auf Platz drei. In den nächsten Jahren rechnen Experten auch hierzulande mit einem deutlich größeren Volumen.

    Der Grund dafür ist in Hummels Augen klar. „Der entscheidende Faktor ist immer noch die massive Kostendegression der Erneuerbaren. Und diese Kosten werden in den nächsten Jahren weiter sinken“, so der Naturstrom-Chef. In den vergangenen Jahren sind die Produktionskosten für große Solarprojekte um über 75 Prozent gefallen.

    Mittlerweile kostet eine Kilowattstunde Solarstrom in der Herstellung nur noch zwischen vier und fünf Cent, in manchen besonders sonnenreichen Regionen sogar noch weniger. Dazu kommen ein gestiegener Großhandelspreis und ein deutlich teurerer CO2-Preis auf europäischer Ebene. In manchen Regionen ist Solarenergie schon jetzt die günstigste Form der Energieerzeugung.

    Mit den sinkenden Preisen steigt auch wieder die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen in Deutschland. Im vergangenen Jahr zog das Interesse an solaren Systemen laut dem Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) um 30 Prozent an. 2019 wurden Solarstromanlagen mit einer Leistung von knapp vier Gigawatt neu installiert. Mit rund 50 Gigawatt Leistung decken die Anlagen laut BSW etwa neun Prozent des bundesdeutschen Nettostromverbrauchs.

    Wir werden noch deutlich mehr große Solarprojekte in Deutschland sehen. Carsten Poppinga, Deutschlandchef Statkraft

    Statkraft-Chef Poppinga glaubt, dass in diesem Jahr vor allem die Zahl subventionsfreier Projekte weiter steigen wird. „So ein Projekt macht einfach kostenmäßig Sinn“, sagt er. Wirtschaftlich gesehen stelle sich die Frage zwischen einem Kohlekraftwerk und einem großen Solarpark schon heute nicht mehr.

    Das Projekt in Bayern ist nur einer von insgesamt fünf förderfreien Solarparks, die Statkraft ab Mai ans Netz anschließen will. Zusammen haben sie eine Leistung von knapp 52 Megawatt. „Wir werden noch deutlich mehr große Solarprojekte sehen“, ist Poppinga überzeugt.

    Für den Großteil der deutschen Solarindustrie kommt der Durchbruch freilich zu spät. Seitdem die üppigen Subventionen für Solaranlagen 2012 massiv gekürzt wurden, herrscht auf dem Markt ein harter Preiskampf, von dem chinesische Unternehmen ganz besonders profitieren.

    Deutsche Firmen konnten ihre Produkte nicht günstiger herstellen als die Konkurrenz aus China und rutschten in der Folge reihenweise in die Pleite. Schätzungsweise 100.000 Arbeitsplätze gingen verloren. Heute beschäftigt die deutsche Solarindustrie noch rund 24.000 Menschen.

    Mehr: Kunden des Ölkonzerns können künftig ihren CO2-Ausstoß an der Tankstelle kompensieren. Mit dem Geld sollen Klima-Projekte unterstützt werden.

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    9 Kommentare zu "Erneuerbare Energien: Solarstrom schafft den Durchbruch – ohne Subventionen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich habe schon oft durchgerechnet, ob sich Solarpanel auf meinem Dach lohnen. Egal, welches Tool ich verwende, die Abschreibung fehlt immer. So auch hier. Und was den Solarstrom angeht, kommt echter Solarstrom nur dann aus der Steckdose, wenn ich einen ausschließlichen Zugang zu Ökostrom-Produzenten habe oder meinen selbst erzeugten Solarsrom auch zu 100 % selbst verbrauche. Der Weg dahin ist leider noch recht lang.

    • Ich habe schon oft durchgerechnet, ob sich Solarpanel auf meinem Dach lohnen. Egal, welches Tool ich verwende, die Abschreibung fehlt immer. So auch hier. Und was den Solarstrom angeht, kommt echter Solarstrom nur dann aus der Steckdose, wenn ich einen ausschließlichen Zugang zu Ökostrom-Produzenten habe oder meinen selbst erzeugten Solarsrom auch zu 100 % selbst verbrauche. Der Weg dahin ist leider noch recht lang.

    • State Grid (Weltstromnetz) wäre im Prinzip das Optimum, wenn nicht China sich als "Zentrale" verstehen und weltweit bereits die ersten Aufkäufe tätigen würde. Das Projekt "Seidenstraße" und die "unabhängige" Firma Huawei lassen grüßen. Selbst wenn das in mittelferner Zukunft zustande kommen sollte, kann sich kein Industrieland leisten, nur über dicke Strom-Nabelschnüre nachts die eigene "Zappel"-Stromversorgung vonder anderen Globusseite aus aufrecht zu erhalten. Insofern behalten Speichermöglichkeiten und damit
      sinnvollerweise Wasserstoff seine Bedeutung. Dazu kommt, daß Wasserstoff auch als Ausgangsstoff für
      chemische Produkte (Ersatz fossiler Rohstoffe) incl. Power-to-X Treibstoffe für Luftf- und Landfahrzeuge
      sowie Stahlherstellung (Kohleersatz) zur CO2-Vermeidung notwendig ist.
      Die Schlagzeile: "Solarstrom schafft den Durchbruch - ...." ist wohl richtig, jedoch "...- ohne Subventionen",
      nur in singulärer Betrachtung, da eine umfassende Stromversorgung über volatile Quellen nicht ohne Speicher oder Stand-by-(Gas-)Kraftwerke - und deren Kosten - möglich ist.

    • Was machen wir mit den Millionen von Menschen, die keinen Zugang zu 'freien' Krediten haben? Ein Vorschlag: In den USA gibt es eigene Anleihen, welche Anlagen (PV+Speicher) für Menschen die keinen Zugang mehr zum Stromnetz bekommen errichten. Mit Münzen oder Prepaid Karten beim Stromzählern, wird dann bei Bedarf der Strom freigeschaltet.

    • Wenn man die NEtze grosszügig und grossräumig ausbauen würde - siehe Pläne von State Grid China - dann zappelt beim Solarstrom rein garnichts.
      Allerdings sollte man mit dem Netzausbau nicht auf die Chinesen warten, sondern das selbst in die Hand nehmen.
      Eine langfristig vorausschauende Energiepulitik würde längst über leistungsfähige Stromtrassen in alle Richtungen von Deutschland aus verhandeln und diese acuh finanzieren.
      Stattdessen stopft man Milliarden in mit Wasserstoff aufgeblasene Wolkenkuckucksheime.
      Die Wasserstofftechnik iwt wie der Fusionsreaktor - in 20 Jahren verfügbar wenn irgendwer billigen aus EE-Strom erzeugten Wasserstoff verkauft. So war das schon 1985, und 35 JAhre später ist die Technik keinen Schritt weiter.
      Bei den möglichen Übertragunsleistungen und Übertragungsentfernungen im Stromnetz hat sich hingegen sehr viel getan....

    • Jetzt brauchen wir nur noch ein Gesetz,das vorschreibt wann die Sonne scheinen muß.

    • @Herr Franz Schügerl
      "Zappelnder Solarstrom"? Was soll denn das sein :) ?
      Wenn unsere Regierung endlich mehr für Wasserstoff aus erneuerbaren Energie tun würde, dann ließen sich Schwankungen bei der Erzeugung von erneuerbarer Energie durch Rückgewinnung von Strom aus diesem "grünen" Wasserstoff ausgleichen.

    • Trotzdem schafft man mit dem zappelnden Solarstrom keine Energiewende. Ohne die Pufferung durch konventionelle Kraftwerke geht es nicht und schon gar nicht im Winter. Will man den Solarstrom speichern, kommen die Speicherkosten hinzu.
      Leider fehlt in dem Artikel der Quadratmeterpreis der Panele. Dann könnte man nachrechnen, ob der Artikel nicht reine Propaganda ist.

    • Die Chinesen haben bei der Produktion von Solarzellen/-modulen die Konkurrenz aus dem Markt gedrängt. So wie Amazon fahren sie jetzt ihre Ernte ein. Weitere Wirtschaftsbereiche werden wohl folgen.

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