Heizöl-Preisentwicklung: Heizölpreise verzeichnen leichten Anstieg
Die Energiekrise beeinflusst auch die Heizölpreise. Experten geben Rat, worauf es beim Heizöl-Kauf ankommt.
Foto: dpaDüsseldorf. Wer mit Öl heizt, muss den richtigen Zeitpunkt für den Kauf abpassen. Außerdem gilt es, einen möglichst günstigen Lieferanten zu finden. Wie kann das gelingen?
Die Expertin Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt, den Heizölmarkt vor einer Kaufentscheidung eine Weile lang zu beobachten. Wichtig ist, ein paar grundlegende Dinge zu verstehen.
Warum sind die Heizölpreise aktuell so hoch? Wie könnten sich der Heizölpreis in den kommenden Monaten entwickeln? Und wie lassen sich die Heizölkosten effektiv senken? Die wichtigsten Fragen und Antworten für Verbraucher zum Thema Heizölpreis.
Was kosten 100 Liter Heizöl aktuell?
Laut Daten des Portals Tecson liegt der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland derzeit bei 104 Euro pro 100 Liter (Stand: 27.06.2024). Der Preis befindet sich seit Oktober in einem Abwärtstrend und ist zuletzt wieder etwas gestiegen. Er liegt aber über den Tiefstpreisen der Sommermonate 2023.
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Das aktuelle Niveau ist vergleichbar mit dem von März 2023. Im Jahr zuvor hingegen waren die Preise wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine deutlich höher. Im März 2022 hatten die Heizölpreise zeitweise gar Werte von über 200 Euro pro 100 Liter erreicht.
Warum ist Heizöl 2024 so teuer?
Die Preise für Heizöl liegen momentan deutlich unter denen des Energiekrisenjahres 2022. Aber im langjährigen Vergleich sind die Heizölpreise immer noch hoch. Das liegt laut Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale NRW am insgesamt unterversorgten Ölmarkt. „Russland und Saudi-Arabien halten den Ölmarkt knapp“, so Wallraf.
Etwas günstiger könnte Heizöl laut Wallraf zudem sein, wenn es keinen CO2-Preis in Deutschland gäbe. Ein Heizölpreis von 1,07 Euro pro Liter könne ohne CO2-Aufschlag bei 0,93 Euro pro Liter liegen. Der CO2-Preis sei also ein preistreibender, aber nicht der entscheidende Faktor.
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Am 5. Dezember 2022 ist das EU-Ölembargo gegen Russland in Kraft getreten. Zudem gilt auch für russische Ölprodukte seit Februar 2023 ein Importverbot in die EU.
Wie hoch ist der Ölpreis aktuell?
Öl ist in den vergangenen drei Jahren in der Grundtendenz teurer geworden. Besonders sprunghaft stieg der Ölpreis für Brent zu Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine am 24. Februar 2022. Zu Spitzenzeiten Anfang März 2022 erreichte er ein Niveau von rund 130 US-Dollar.
Wie ist die Tendenz bei Heizöl?
Wie sich die Heizölpreise entwickeln, kann an Faktoren wie dem Wetter hängen, aber auch an geopolitischen Entwicklungen. Die Seite Tecson berichtet, dass Analysten der Bank „Standard Chartered“ ab August mit einem Defizit zwischen dem weltweiten Ölangebot und der Nachfrage rechnen. Hauptgrund sei der Anstieg des globalen Ölverbrauchs, im Sommer auf ein saisonales Hoch zusteuere.
Der Israel-Konflikt hat das Potenzial, wieder wichtiger Faktor für die Preisentwicklung an den Ölbörsen zu werden. Es bestehen weiterhin Sorgen vor einem Zwei-Fronten-Krieg Israels: Zum einen gegen die Hamas im Gazastreifen und zum anderen gegen die Hisbollah im Libanon.
Wie setzt sich der Heizölpreis zusammen?
Der Heizölpreis beruht vor allem auf dem Ölpreis an der Börse. Außerdem erhebt der Staat Abgaben wie Energiesteuer, Mehrwertsteuer und eine CO2-Steuer, die von Jahr zu Jahr steigt. Der CO2-Preis liegt aktuell bei 45 Euro pro Tonne und steigt jährlich weiter. Ab 2025 soll er auf 50 Euro pro Tonne steigen, ab 2026 soll er zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne liegen. Ab 2027 oder 2028 wird er voraussichtlich durch einen EU-weiten Zertifikatehandel bestimmt und könnte dann noch deutlich steigen.
Was beeinflusst den Heizölpreis noch?
Außerdem gibt es weitere Faktoren, die die Heizölpreise kurzfristig schwanken lassen. Steffen Bukold, Leiter des Beratungsbüros EnergyComment, sagt: „Zum Rohölpreis kommen die Marge der Ölraffinerie, der aktuelle Wechselkurs zwischen Euro und Dollar und die Marge der Heizölhändler. Wenn Heizöl in Deutschland gerade eher knapp ist, kann die Händler-Marge merklich steigen.“
Während der Energiekrise sei Heizöl ein extrem lukratives Geschäft für die Händler gewesen, da Lieferausfälle drohten. „In der Gemengelage von Gerüchten, Ängsten und Prognosen stiegen die Händler-Margen immer wieder auf ein Rekordniveau“, so Bukold.
Wallraf erklärt: „Manchmal führen einzelne Ereignisse zu einer Reaktion der Heizölkunden. Als beispielsweise der CO2-Preis für Heizöl in Deutschland eingeführt wurde, haben viele Menschen noch schnell gegen Jahresende Öl bestellt, um den CO2-Preis nicht zahlen zu müssen, der ab dem Folgejahr galt.“
Wird Heizöl auch durch den Staat entlastet?
Wer 2022 besonders viel für Heizöl bezahlt hat, konnte bis zum 20. Oktober 2023 einen Antrag auf eine rückwirkende Entlastungszahlung stellen. Mittlerweile ist die Frist abgelaufen.
Wo ist Heizöl in Deutschland am billigsten?
Laut Experte Bukold gibt es im deutschen Heizölmarkt grundsätzlich Preisunterschiede zwischen verschiedenen Regionen. Er sagt: „Es ist nicht immer ganz klar, woher diese Unterschiede kommen. Kundendichte, die Nähe zu Tanklagern oder Raffinerien und die Konkurrenzsituation bei den Händlern spielen eine Rolle.“ Es lohne sich allerdings nur selten, in einer weiter entfernten Region zu bestellen, denn dann würden die Transportkosten steigen.
„In Nordrhein-Westfalen können andere Heizölpreise üblich sein als beispielsweise in Hamburg. Daran können Verbraucher allerdings nicht viel ändern“, erklärt Verbraucherschützerin Wallraf. Es gebe allerdings auch Firmen, die überregional Heizöl liefern.
Die Heizölpreise sind in den vergangenen drei Jahren immer teurer geworden.
Foto: dpaWie kommt man an billiges Heizöl?
Verbraucherschützerin Wallraf rät: „Am besten sollten Verbraucher sich auf Vergleichsportalen informieren und sich von mehreren Händlern Preise für ihre nächste Heizöllieferung anbieten lassen.“ Es könne sich außerdem lohnen, sich bei der Heizölbestellung mit Nachbarn zusammenzuschließen, um die Lieferkosten wenigstens ein bisschen zu senken.
Sollte man jetzt Heizöl kaufen oder noch warten?
Heizölexperte Bukold erklärt: „Günstige Zeitpunkte können im Sommer, aber auch im Winter liegen. Wer zweimal pro Jahr bestellt statt nur einmal, streut das Risiko, hat dann aber einen höheren Literpreis wegen der geringeren Bestellmenge.“
Es könne sich zudem lohnen, nicht über Jahrzehnte beim selben Händler zu bestellen. Besser sei es, sich nach günstigeren Angeboten umzuschauen und zu verhandeln, wenn der Markt gerade gut versorgt sei. Generell sei durch Internetportale die Transparenz am Heizölmarkt größer geworden, davon könnten Kunden profitieren.
Kann ich Heizöl in Polen, Österreich oder Frankreich kaufen?
Oliver Klapschus, Geschäftsführer von Heizoel24, sagt: „Da ist mir für den Privatverbraucher kein Weg bekannt, der funktionieren würde.“ Schon steuerlich sei das Ganze schwierig. „Heizöl über die Grenze zu bringen ist für Privatverbraucher in der Praxis eigentlich nicht umsetzbar. Es ist nicht so wie bei einem Pkw, den man einfach jenseits der Grenze betankt und dann in sein Heimatland zurückkehrt.“
Wie lange darf man eine Ölheizung noch betreiben?
Bestehende Ölheizungen müssen Immobilienbesitzer in Deutschland 30 Jahre nach Einbau und Aufstellung austauschen. Ausnahmen gibt es für selbst nutzende Eigentümer, die seit dem Stichtag 1.2.2002 in ihrem Eigentum wohnen.
Unabhängig davon fördert die Bundesregierung aktiv den Austausch alter Ölheizungen gegen neue, nachhaltige Heizungen. Wer sich beispielsweise bis zum Jahr 2028 eine Wärmepumpe zulegt und dafür eine noch funktionsfähige Öl-, Kohle-, Gasetagen- oder Nachtspeicherheizung oder eine mindestens 20 Jahre alte Gasheizung oder Biomasseheizung durch eine klimafreundliche Heizung ersetzt, erhält einen Bonus von 20 Prozent auf die Kosten des Heizungstauschs.
Experte Bukold sagt: „Aus klimapolitischer Sicht sollte man auf Heizöl verzichten, wenn man es kann.“
Foto: dpaWie ratsam ist Heizöl noch?
Der Verkauf von Ölheizungen ist im Gesamtjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr um rund 100 Prozent gestiegen, wohl auch ausgelöst durch die politischen Debatten um das Thema Heizung in Deutschland, die vielen Verbrauchern Angst gemacht haben. Langfristig gehen Experten aber nicht davon aus, dass künftig noch viele neue Ölheizungen eingebaut werden. Wallraf sagt: „Vielleicht gibt es aufgrund der neuen Gesetze für Heizungen jetzt noch einen Run auf Ölheizungen. Aber ich denke, dass sich nur Menschen eine neue Ölheizung anschaffen, die auch bisher schon eine Ölheizung hatten. Insgesamt dürfte die Anzahl der Menschen, die Heizöl nutzen, also nicht mehr steigen.“
Im Neubau würden Ölheizungen überhaupt nicht mehr verbaut. Die Menge der Heizölnutzer nehme deshalb insgesamt ab.
Bukold sagt: „Aus klimapolitischer Sicht sollte man auf Heizöl verzichten, wenn man es kann.“ Für niedrige Heizkosten sei es am wichtigsten, den eigenen Verbrauch zu senken.
Heizöl sparen: Was senkt die Heizkosten einer Ölheizung?
Was sind die effektivsten Kurz-Tipps für das Heizkostensparen und Energiesparen mit Ölheizung? „Eine generelle Antwort gibt es darauf nicht“, sagt der freie Energieberater Henning Hahn, der im Auftrag der Verbraucherzentralen tätig ist. Es sei „die Summe der individuellen Einzelteile, die zu merklichen Energieeinsparungen führen“ könne. Seine wichtigsten Tipps, wie Verbraucher die Heizkosten reduzieren können:
- Die Einstellung der Heizung überdenken: „Wenn Sie die Raumtemperatur nur um ein Grad reduzieren, können Sie sechs Prozent Verbrauch einsparen“, sagt Hahn. Wer sich statt 24 Grad Raumtemperatur mit 20 Grad zufriedengebe, könne gar 25 Prozent einsparen.
- Leitungen und Pumpe überprüfen: „Als Energieberater achte ich darauf, ob schon eine Hocheffizienzpumpe verbaut ist oder ein Pumpentausch bzw. ein hydraulischer Abgleich erforderlich ist. Und darauf, ob alle wärmeführenden Rohrleitungen gedämmt sind“, sagt Hahn.
- Möbel richtig positionieren: „Es ist wichtig, dass die Heizkörper frei stehen und mit Thermostatventilen versehen sind, mit denen bedarfsorientiert Wärme bereitgestellt werden kann“, sagt Hahn. Oft stehe beispielsweise eine Couch oder ein anderes Möbelstück davor.
- Abschaltmechanismus benutzen: Verbraucher sollten sich fragen, ob eine Abschaltung oder Absenkung in der Heizungsregelung sinnvoll sei in Zeiten, in denen es nicht so warm sein muss, rät Hahn. Das könne etwa dann der Fall sein, wenn die Bewohner morgens aus dem Haus gehen und abends wiederkommen oder nachts im Bett liegen.
- Abdichtung der Räume optimieren: „Sind die Fenster dicht? Ist die Hauseingangstür dicht? Ist der Rollladenkasten dicht?“ All das, sagt Hahn, seien entscheidende Fragen. Im Zweifelsfall gelte es nachzubessern.
Energieberater Hahn rät: „Nehmen Sie sich einfach mal eine halbe Stunde Zeit, und gehen Sie mit einer Checkliste alle möglichen Faktoren für unnötige Heizkosten durch.“ Bei neueren Heizungen könne auch die Ergänzung der Heizung um eine solarthermische Anlage oder eine Wärmepumpe – als ein Hybridsystem – sinnvoll sein.
Erstpublikation: 29.10.2022, 11:21 Uhr (zuletzt aktualisiert: 28.06.2024, 08:40 Uhr).