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JahreszahlenEnBW sucht neue Kohle- und Gaslieferanten

Der Energiekonzern hat 2021 vor allem vom Betrieb seiner Kohle- und Gaskraftwerke profitiert. Die Energieträger sollen bald nicht mehr aus Russland kommen.Kathrin Witsch, Martin-W. Buchenau 23.03.2022 - 12:50 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Konzern profitierte 2021 von höheren Gewinnen aus dem Betrieb von Kohle- und Gaskraftwerken sowie aus Zuwächsen im Handelsgeschäft.

Foto: dpa

Düsseldorf, Stuttgart. Russlands Angriff auf die Ukraine sorgt für schreckliches Leid bei Millionen Menschen – als Reaktion kappen westliche Staaten und Unternehmen die meisten wirtschaftlichen Verbindungen. Das löst eine tiefgreifende Veränderung der deutschen Energielandschaft aus – gleichzeitig zum bereits laufenden Umbruch. „Jetzt rückt die Versorgungssicherheit mehr in den Vordergrund. Trotzdem müssen wir den Klimaschutz im Blick behalten“, sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux am Mittwoch bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für das vergangene Jahr in Stuttgart. 

Für das baden-württembergische Unternehmen stellt der Krieg, wie auch für Eon, RWE und Uniper, eine schwierige Gratwanderung dar: Wegen steigender Energiepreise machen die Energieunternehmen zwar hohe Profite, gleichzeitig bedeuten die Folgen des Ukrainekriegs aber hohen organisatorischen Aufwand.

Im vergangenen Jahr steigerte EnBW das operative Konzernergebnis zum fünften Mal in Folge, es kletterte um 6,4 Prozent auf 2,96 Milliarden Euro. Dazu trug vor allem der Bereich thermische Erzeugung und Handel bei: Hier stieg das bereinigte Ebitda gegenüber dem Vorjahr um 67,6 Prozent. Die Aktionäre des hauptsächlich im Besitz der Kommunen und des Landes Baden-Württemberg befindlichen Konzerns sollen eine Dividende von 1,10 Euro je Papier erhalten – zehn Cent mehr als für 2020. Im laufenden Jahr will das Unternehmen erstmals mehr als drei Milliarden Euro operativen Gewinn machen. 

495 Terawattstunden (TWh) Gas und 4,2 Millionen Tonnen Steinkohle hat EnBW im vergangenen Jahr eingekauft. Beim Gas stammen davon rund 20 Prozent direkt aus Russland, bei der Steinkohle über 85 Prozent. Viele der langfristigen Verträge wurden Anfang des Jahres bereits reduziert, betonte Mastiaux. „Neue Lieferverträge unter dieser Führung wird es mit Russland nicht geben“, stellt er klar. Nun sucht EnBW nach neuen Bezugsquellen.

Während die Umstellung mit Blick auf Steinkohlelieferungen vorangetrieben werde und auch kurzfristig machbar sei, „ist eine Vollersatzbeschaffung beim Gas nicht zu machen, auch nicht für uns“. Aber auch hier suche man für mehr Import von Flüssigerdgas nach neuen Lieferpartnern. Die EnBW unterstütze den Bau eines deutschen Terminals für Flüssiggas, damit in Zukunft direkt ins deutsche Gasnetz eingespeist werden kann.

Steigende Preise für Verbraucher

Die Verbraucher stellte Mastiaux allerdings auf steigende Preise ein: „Es ist davon auszugehen, dass die Preise in naher Zukunft für alle steigen werden.“ Die Großhandelspreise für Gas, Strom und Kohle hätten sich unstrittig deutlich erhöht. 

Der Gaspreis ist im Großhandel zeitweise auf über 300 Euro gestiegen und aktuell mit 93 Euro noch immer viermal so hoch wie im März 2021. Der Strompreis kletterte am Spotmarkt der European Energy Exchange (EEX) von gut 50 Euro die Megawattstunde auf zwischenzeitlich 431 Euro und notiert aktuell bei 236 Euro. Aufgrund der massiven Preissprünge hatte die EnBW-Tochter VNG erst vor wenigen Wochen einen Milliardenkredit bei der Staatsbank KfW angefragt. Aktuell werde dieser noch nicht gebraucht, stellte das Unternehmen am Mittwoch klar. Man befinde sich aber in Gesprächen. 

In der Zukunft will sich EnBW weiter auf den Ausbau erneuerbarer Energien und der Stromnetzinfrastruktur konzentrieren. Das sei der einzige Weg, um aus der Abhängigkeit von Russland herauszukommen, ist Mastiaux überzeugt. „Die Umstellung auf eine langfristig CO2-freie Energieversorgung müssen wir in Deutschland jetzt noch einmal beschleunigen.“ Dies gelte sowohl für Investitionen in die erneuerbaren Energien und eine Wasserstoffwirtschaft als auch für die notwendige Infrastruktur, seien es Strom- und Gasnetze oder Elektromobilität.

Dabei will sich der Konzern aber wieder mehr auf Europa konzentrieren, besonders bei den Offshore-Windkraftanlagen. EnBW hatte zuletzt in neue Projekte in den USA und Taiwan investiert. Alle Aktivitäten in den USA hat das Unternehmen bereits an den französischen Ölkonzern Total verkauft. Das Engagement in Taiwan schaue man sich ebenfalls an.

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Für den langjährigen EnBW-Chef Frank Mastiaux war dies die letzte Bilanz. Nachdem bekannt geworden war, dass sein Vertrag im Herbst ausläuft, kündigte Mastiaux bereits an, keine weitere Amtszeit anzustreben. Einen Nachfolger hat er noch nicht.

Mastiaux war 2012 von Eon zu EnBW gewechselt. Im Jahr zuvor hatte die Reaktorkatastrophe in Fukushima den Atomausstieg in Deutschland ausgelöst. EnBW erzeugte bis dahin vor allem Strom in Kohle- und Atomkraftwerken. Mastiaux baute die Ökostromproduktion massiv aus und in den vergangenen Jahren auch das Geschäft mit der Elektromobilität.

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