1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Energie
  4. Projektentwickler: Juwi-Chefs verdienten mehr als ihre Retter

ProjektentwicklerJuwi-Chefs verdienten mehr als ihre Retter

Der Windparkbauer Juwi schrieb tiefrote Zahlen und stand kurz vor der Pleite. Doch die Vorstände gönnten sich satte Gehälter. Sie verdienten mehr als die Kollegen beim Mutterkonzern MVV, der ihre Firma rettete.Andreas Dörnfelder, Franz Hubik 25.10.2015 - 12:03 Uhr Artikel anhören

Banken gaben kaum noch Kredite. (Foto: PR)

Foto: Handelsblatt

Wörrstadt/Mannheim. Ein Freitag im August 2014. Geheimverhandlung beim Mannheimer Energiekonzern MVV. Auf der einen Seite: Fred Jung und Matthias Willenbacher. Sie brauchten dringend Geld für ihren kriselnden Wind- und Solarparkbauer Juwi. Auf der anderen Seite: Dr. Georg Müller, Vorstandschef der MVV Energie AG, 5500 Mitarbeiter, vier Milliarden Euro Umsatz. Er suchte einen Einstieg in die Projektentwicklung für grüne Energie.

Müller gefiel, mit welchem Elan Jung und Willenbacher aus einer Studentenbude Deutschlands wohl größten Projektentwickler für Ökoenergie mit Milliardenumsatz und 1800 Mitarbeitern schufen. Doch Müller vermisste ein professionelles Management. Innerhalb von zwei Jahren verlor Juwi fast die Hälfte des Umsatzes und erlitt insgesamt 165 Millionen Euro Verlust. Die Banken gaben kaum noch Kredite. Im Sommer 2014 war Juwi fast pleite. Schließlich ließ sich Müller überzeugen: Im Herbst übernahm MVV für 100 Millionen Euro die Mehrheit und rettete das Öko-Unternehmen.

112 Millionen Verlust aber 3,3 Millionen für den Vorstand

Ein Jahr danach erlaubt ein neuer Geschäftsbericht der Juwi AG verblüffende Einblicke. Jung und Willenbacher führten ihr Unternehmen von einem katastrophalen Quartal zum nächsten. Bezahlen ließen sie sich aber, als sei alles in bester Ordnung. Allein 2014 (Konzernergebnis: -112 Millionen Euro) strich die Juwi-Spitze 3,3 Millionen Euro ein. Dabei bestand der Vorstand von August an nur noch aus drei Personen. Jung und der inzwischen abgetretene Willenbacher sollen nach Handelsblatt-Informationen ein jährliches Fixum von je einer Million Euro bezogen haben. Ein Juwi-Sprecher mochte die Zahlen auf Anfrage nicht aufschlüsseln.

20 Prozent weniger als die Öko-Pioniere.

Foto: Handelsblatt

In der Führungsetage der MVV dürften sie dennoch für Aufsehen sorgen. Dort verdienten die Manager nämlich deutlich weniger. So erhielten die vier Vorstände 2013/14 ein Gehalt von insgesamt 2,4 Millionen Euro. Der Versorger machte aber mehr als 100 Millionen Euro Gewinn.

Vorstandschef Müller bekam 812.000 Euro und damit wohl 20 Prozent weniger als die Juwi-Gründer, die vor gut einem Jahr bei ihm um Geld warben. Sein Fixgehalt war demnach sogar nur etwa halb so groß wie das von Jung und Willenbacher. In den Vorjahren waren die Gehaltsunterschiede zwischen den späteren Rettern und Geretteten zum Teil noch größer (siehe Grafik). Die Zahlen lassen sich gut vergleichen, denn sowohl Juwi als auch MVV hatten meist eine vierköpfige Führungsspitze.

„Da waren wir nicht dabei.“

Verwandte Themen
Deutschland

Künftig könnte es in der Vorstandsetage von Juwi etwas sparsamer zugehen. In der Krise verloren bereits 500 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Im August musste MVV der Öko-Tochter rund 70 Millionen Euro Kapital nachschießen. Auf die Gehaltsunterschiede angesprochen erklärte ein MVV-Sprecher: „Das bezieht sich auf Jahre, in denen wir nicht dabei waren.“ Angaben für 2015 könnten erst im nächsten Geschäftsbericht veröffentlicht werden. „Das gilt selbstverständlich auch zu einzelnen Vergütungsbestandteilen.“

Foto: Handelsblatt

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt